Nur Mini-Kohleausstieg bei Blackrock

Der weltgrößte private Finanzverwalter Blackrock schreckte die Wirtschaftswelt mit der Ankündigung auf, teilweise aus der Kohle auszusteigen. Kraftwerksbetreiber, die jede Menge Kohle verfeuern, sind davon aber nicht betroffen, kritisiert jetzt die Umweltorganisation Urgewald.


Schwarzer Schriftzug
Hauptsitz des Vermögensverwalters Blackrock in New York. (Foto: RBL FMR/​Shutterstock)

Dass der Finanzverwalter Blackrock nach seiner Ankündigung, Unternehmen künftig auch nach Klimarisiken zu bewerten, seine Anteile an den deutschen Stromriesen RWE und Eon verkauft, war nicht zu erwarten. In seinem Schreiben an die Anleger erklärte Blackrock nur, Anleihen und Aktien von Unternehmen, die mehr als 25 Prozent ihrer Umsätze aus der Kohleproduktion erwirtschaften, aus den "aktiven Anlageportfolios zu eliminieren". Zudem will der Fondsverwalter künftig auch auf Direktanlagen in entsprechende Unternehmen verzichten.

Das Kriterium "Kohleförderung" ist dabei wörtlich zu nehmen. Die Richtlinie betreffe nur Unternehmen, die Kohle selbst fördern und verkaufen – nicht solche, die vor allem Kohle verbrennen, betont jetzt die Umweltorganisation Urgewald.

"Das größte Problem an Blackrocks neuer Strategie ist, dass sie den emissionsreichsten Teil der Industrie ignoriert – und zwar die Kraftwerksbetreiber", kritisiert Katrin Ganswindt von Urgewald. Solange Energieunternehmen wie RWE, PGE oder Adani im Portfolio verbleiben können, habe Blackrock-Chef Larry Fink "seine Hausaufgaben in Sachen Nachhaltigkeit einfach nicht gemacht", sagt Ganswindt.

Blackrock will seine Kohle-Investments bis Mitte 2020 bereinigt haben. Dass der Finanztrust sich eine Kohlerichtlinie gab, hält die Umweltorganisation in jedem Fall für vielversprechend, auch wenn der Geltungsbereich noch zu begrenzt sei.

Laut Urgewald verwaltet Blackrock die meisten Vermögenswerte passiv und für Dritte. Die Kohle-Richtlinie gelte aber nur für aktiv verwaltetes Geld. Die Umweltorganisation verlangt deshalb, Blackrock solle nach dem Beispiel des französischen Versicherers Axa "alle Kohlekraftwerks- und Kohlebergbauentwickler sofort aus seinem Portfolio ausschließen".

25 Prozent sind zu viel

Des Weiteren müssten die 25 Prozent für den Anteil der Kohle an der Energieerzeugung des jeweiligen Unternehmens gelten – und möglicherweise auch nach und nach auf 15, zehn oder fünf Prozent absinken, sagte Jacey Bingler von Urgewald gegenüber Klimareporter°.

Auch müsse Blackrock absolute Schwellenwerte beim Kohleumsatz festlegen, fordert die Umweltorganisation weiter. Solange es beim 25-Prozent-Anteil bleibe, könnten einige der weltweit größten Kohlebergbauunternehmen wie BHP Billiton aus Australien oder die US-amerikanische XCEL Energy im Portfolio bleiben.

Nach Angaben von Urgewald hält Blackrock derzeit Anleihen und Aktien von über 17 Milliarden US-Dollar an 86 Kohlekraftwerksentwicklern. Der Vermögensverwalter gilt als der weltweit größte institutionelle Investor in Unternehmen, die neue Kohlekraftwerke bauen.

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