Kohlelobbyist wird Chef der US-Umweltbörde

Der neue EPA-Chef Andrew Wheeler dürfte den staatlichen Klimaschutz weiter aushöhlen – möglicherweise sogar effektiver als sein Vorgänger Scott Pruitt. Schließlich kennt Wheeler die Behörde gut – er hat einst für sie gearbeitet, bevor er sich gegen sie stellte.


Andrew Wheeler, der neue Chef der US-Umweltbehörde EPA, hier zusammen mit seinem Vorgänger Scott Pruitt
Andrew Wheeler, der neue Chef der US-Umweltbehörde EPA, hier mit seinem Vorgänger Scott Pruitt. (Foto: EPA)

Wenn am morgigen Montag die US-Umweltbehörde einen neuen Chef bekommt, dann müsste es eigentlich ein kollektives Aufatmen unter den Mitarbeitern der Environmental Protection Agency (EPA) sowie bei Klimaschützern im ganzen Land geben. Schließlich hatte der von US-Präsident Donald Trump nun wegen zahlloser Skandale gefeuerte Ex-EPA-Chef Scott Pruitt alles dafür getan, die Behörde auszuhöhlen und Klimaschutzregulierungen einzustampfen.

Mit Pruitts Nachfolger, seinem bisherigen Vizechef Andrew Wheeler, dürfte sich der Rückzug der Regierung aus allen Klimaschutzbemühungen sogar noch beschleunigen.

Wheeler unterscheidet sich von seinem Vorgänger in mancherlei Hinsicht. Anders als Pruitt kommt er nicht als Außenseiter in die Behörde. Er kennt sie gut, schließlich hat er Anfang der neunziger Jahre selbst für sie gearbeitet. Sein Bereich umfasste etwa giftige Chemikalien und die Eindämmung der Luftverschmutzung.

In den Jahren danach nutzte er sein Insider-Wissen als Lobbyist für die Kohlewirtschaft, darunter das Bergbauunternehmen Murray Energy und der Kraftwerksbetreiber Xcel Energy.

Wheelers Ex-Chef bezeichnete die EPA als "Gestapo-Bürokratie"

Anders als sein Vorgänger scheut Wheeler das Rampenlicht. Das brachte sein früheres Jobprofil mit: Als Kohlelobbyist konnte er umso effektiver arbeiten, je weniger er sich der Öffentlichkeit aussetzte und stattdessen hinter den Kulissen agierte.

Außerdem arbeitete Wheeler für Senator James Inhofe, einen bekennenden Klimaleugner, der als Chef des US-Umweltausschusses seit Jahren versucht, Klimaforscher zu diskreditieren. Die US-Umweltbehörde, für die sein Schützling Wheeler nun als Chef arbeitet, bezeichnete er einst als "Gestapo-Bürokratie".

Insofern mag es auf den ersten Blick erstaunen, was Wheeler diese Woche im Interview mit der Washington Post erklärt hat: "Ich glaube, der Klimawandel ist real. Ich glaube, dass die Menschen das Klima beeinflussen."

Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn der gelernte Anwalt aus Ohio machte zugleich klar, dass er das Aufgabengebiet der Behörde, speziell was Klimaschutz anbelangt, weiter beschneiden will: "Ich weiß, dass es einige Senatoren gibt, die gerne viel weiter gehen würden, auch Umweltorganisationen würden es gerne sehen, wenn wir weiter gehen würden. Aber Sie werden – zumindest unter meiner Leitung – nicht sehen, dass die EPA viel mehr zulegen wird."

Wheeler kündigte an, den Gesetzen zu folgen, die der Kongress seiner Behörde geben werde. Und den Vorgaben des Präsidenten.

"Wir erfüllen Trumps Wahlversprechen"

"Ich denke nicht, dass sich die Agenda nun so stark ändern wird", erklärte Wheeler. "Denn wir setzen das um, was der Präsident für die Behörde angeordnet hat. Er hat einige Wahlversprechen gemacht, an deren Erfüllung wir hier arbeiten."

Eines dieser Versprechen war die Renaissance der Kohleenergie. Insofern erscheint Wheeler als geeigneter Kandidat für Trump. Der twitterte denn auch: "Ich habe keinen Zweifel, dass Andy unsere große und bleibende EPA-Agenda fortsetzen wird. Wir haben unglaubliche Fortschritte erreicht und die Zukunft der EPA erscheint in sehr hellem Licht!"

Wheeler kündigte schon an, den Clean Power Plan von Ex-Präsident Barack Obama zu ersetzen. Das hatte Wheeler schon als Lobbyist versucht – jetzt kann er seine Mission vollenden.

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