Finanzinvestor Blackrock entdeckt Klimarisiken

Der Chef des weltweiten größten privaten Finanzinvestors Blackrock macht sich in einem Schreiben für den Klimaschutz stark und sagt eine baldige "erhebliche Umverteilung von Kapital" voraus. Auch andere große Player der Weltwirtschaft setzen auf ein klimafreundlicheres Image.


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Der weltgrößte Finanzinvestor will Kohle-Papiere abstoßen. (Foto: Frankie Leon/​Flickr)

Die Folgen des Klimawandels und die weltweit wachsende Klimabewegung haben jetzt auch die großen Finanzfonds aufgeschreckt. In einem mehrseitigen Brief, der heute veröffentlicht wurde, kritisiert der Gründer und Chef des weltweiten größten Finanzinvestors Blackrock, Larry Fink, dass die Märkte die Risiken der "erheblichen und nachhaltigen Auswirkungen" der Klimaveränderung "bislang nur zögerlich zur Kenntnis nehmen". Diese Risiken würden Anleger zwingen, zentrale Annahmen zur Finanzwirtschaft zu überdenken, und sie würden erkennen, dass das "Klimarisiko auch ein Anlagerisiko" ist.

Wie geht es, fragt Fink in dem Schreiben, weiter mit 30-jährigen Hypotheken – einem wichtigen Baustein der Finanzwirtschaft –, wenn Kreditgeber nicht mehr in der Lage sind, die Folgen von Klimarisiken über einen derart langen Zeitraum abzuschätzen? Was passiert, wenn es keinen funktionierenden Markt mehr für Hochwasser- und Brandschutzversicherungen gibt?

Diese Risiken werden die Märkte künftig vorab einpreisen, sagt der Blackrock-Chef voraus. Deswegen werde es "schon bald und früher als erwartet" zu einer "erheblichen Umverteilung von Kapital kommen".

Fink, dessen Unternehmen weltweit rund 7.000 Milliarden US-Dollar Anlagegelder verwaltet, kündigte eine Reihe von Initiativen an, mit denen Nachhaltigkeit ins Zentrum der Investments gerückt werden soll. Man werde sich von Anlagen trennen, die ein erhebliches Nachhaltigkeitsrisiko darstellen, wie zum Beispiel Wertpapiere von Kohleproduzenten, heißt es in dem Schreiben.

Große deutsche Konzerne betroffen

Tatsächlich ist Blackrock in Deutschland nicht nur größter Aktionär bei den Versicherern Allianz und Münchener Rück sowie beim Immobilienkonzern Vonovia, sondern besitzt auch jeweils Anteile zwischen fünf und sechs Prozent an den beiden größten deutschen Stromkonzernen Eon und RWE und an dem wegen seines Adani-Geschäfts in die Kritik geratenen Siemens-Konzern. Anteile in dieser Größenordnung reichen bei solchen Unternehmen meist aus, um die Geschäftspolitik maßgeblich zu beeinflussen.

Kritiker der deutschen Energiebranche sehen deshalb den großen Tausch-Deal zwischen Eon und RWE im vergangenen Jahr vor allem als Wertsteigerungsprogramm für Finanzinvestoren wie Blackrock. Auch hinter dem langen Tauziehen um mögliche Milliarden-Entschädigungen für alte Kohlekraftwerke gerade bei RWE vermuten Beobachter die Absicht von Finanzinvestoren, damit noch einmal ordentlich Kasse zu machen.

Der CDU-Politiker Friedrich Merz, der im Aufsichtsrat der deutschen Blackrock sitzt, hatte noch Ende September letzten Jahres gemutmaßt, hinter den Forderungen nach mehr Klimaschutz stecke weniger die Sorge um die Umwelt, sondern es gehe gegen die "freiheitliche Lebensweise, um die Zerstörung der marktwirtschaftlichen Ordnung".

Blackrock ist nicht der einzige große Player, der sich derzeit um den Klimaschutz verdient machen will. So hat der Software-Konzern Microsoft für Donnerstag ein neues, anspruchsvolles Programm zur Reduzierung des eigenen CO2-Fußabdrucks angekündigt. Das Unternehmen wolle sich neue Klimaziele setzen und seine Kunden beim Erreichen ihrer Klimaziele unterstützen.

Anlässlich der Siemens-Adani-Debatte werde den Firmen allmählich klar, dass sie nachhaltiger wirtschaften müssten, sagte Ingo Speich, Nachhaltigkeitschef der Sparkassen-Tochter Deka Investments, im Deutschlandfunk. Darauf achte der Kapitalmarkt zunehmend. Am schnellsten orientierten sich dabei Unternehmen um, die nah bei den Kunden sind. Sie bekämen die Auswirkungen einer schlechten Reputation direkt zu spüren.

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