Klage wegen Greenwashing

Immer mehr Banken und Versicherer rühren die Werbetrommel für "nachhaltige Geldanlagen". Doch bei ihren Geschäftsmodellen klaffen zwischen Anspruch und Wirklichkeit großen Lücken.


Grafik: Eine Pflanze, die aus einem Haufen Geldscheine wächst
Grafik: Kristin Rabaschus

Banken sollten den Ball lieber flach halten. Immer mehr Finanzdienstleister werben damit, dass mit ihrer Geldanlage ein positiver Effekt für das Klima erzielt werde. Da es jedoch bislang keine gesetzliche Definition von "nachhaltiger Geldanlage" gibt und Behörden zudem die Daten für die Bewertung von Nachhaltigkeitskriterien bislang nicht prüfen können, legen die Anbieter mehr oder weniger selbst fest, was sie für nachhaltig erachten – und nutzen den Trend zu einem klimabewussten Leben für ihre Reklamestrategien aus.

So versprach Sparkassenpräsident Helmut Schleweis anlässlich des "Weltspartages" Ende Oktober, dass in jedem Beratungsgespräch mit Kundinnen und Kunden auch Nachhaltigkeit eine Rolle spiele. Doch statt die Werbetrommel lautstark zu rühren, sollten Banken und Versicherer ihre Geschäftsmodelle analysieren.

Geht es darum, das eigene Geschäftsmodell auf das Ziel des Pariser Klimaabkommens auszurichten, klaffen zwischen Anspruch und Wirklichkeit großen Lücken.

Die europäischen Banken haben sich zwar bereits auf den Weg zur Reduktion der Emissionen in ihren Portfolios gemacht. "Vielen von ihnen fehlt es dennoch aktuell an konkreten Zielen", schreibt die internationale Beratungsgesellschaft Zeb in ihrer Studie "Der Weg europäischer Banken zur Netto-Null".

Nur sehr wenige Banken legen bereits heute ihre Ziele eindeutig fest und die meisten bleiben in ihren Aussagen vage. Auch in Deutschland.

Klage wegen "irreführendem" CO2-Rechner

Kürzlich mussten die Deka-Bank und die Tomorrow GmbH Unterlassungserklärungen abgeben – wegen irreführender Werbung. Deka-Bank ist das Wertpapierhaus der öffentlichen Sparkassen-Finanzgruppe; Tomorrow ist eine der Smartphone-orientierten Neobanken, die vor allem junge Kundschaft ansprechen.

Nun trifft der Bannstrahl eine der privaten Großbanken. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg klagt gegen Commerz Real, einen Vermögensverwalter des Commerzbank-Konzerns.

Die Fondsgesellschaft Commerz Real wirbt mit einem CO2-Rechner, mit dem Verbraucher angeblich ihren persönlichen CO2-Fußabdruck berechnen können. Die Verbraucherschützer finden die Abfragekriterien des "CO2-Rechners" nicht im Ansatz ausreichend, um einen akkuraten Wert zu berechnen. Die Werbeaussage sei daher irreführend.

Dem widerspricht allerdings die Commerzbank. Nun müssen die Richter entscheiden.

Ohnehin werden die wirtschaftlichen Risiken von "grünen" Geldanlagen oft unterschätzt. Eine Untersuchung für die Bürgerinitiative Finanzwende zeigt: Über die vergangenen zehn Jahre haben Anlegerinnen und Anleger schätzungsweise an die zwei Milliarden Euro durch Öko-Investment-Flops verloren.

"Viele Menschen lassen sich durch ökologische Versprechen täuschen und schauen beim Finanziellen nicht so genau hin", heißt es bei Finanzwende. Doch nur, weil ein Investment ökologisch nachhaltig sein mag, müsse es nicht automatisch auch finanziell nachhaltig sein.

"Ökologisch" heißt nicht finanziell nachhaltig

Dabei kommt Banken und Finanzdienstleistern eine Schlüsselrolle zu. Das Finanzierungs- und Investitionsvolumen für die "große Transformation" von Wirtschaft und Gesellschaft wird gewaltig sein. Das gilt besonders für Deutschland mit seiner starken Industrie. Wegen der hohen Emissionslast ist hierzulande der Finanzierungsbedarf besonders hoch.

Schließlich werden Aufsichtsinstitutionen wie die Europäische Zentralbank (EZB) und die deutsche Bafin die Geldinstitute bald dazu zwingen, ihre Klimarisiken in Stresstests zu ermitteln und zu quantifizieren.

Greenwashing bei Geldanlagen

Mehr Informationen über Greenwashing bei Geldanlagen finden sich auf den Webseiten der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Dort gibt es auch eine 30-minütige Podcast-Folge des Verbraucherfunks.

Dazu müssen die Banken freilich erst einmal ihre Hausaufgaben machen und ihre Risiken – hausintern wie bei der geschätzten Kundschaft – zielgenau erfassen.

Doch bislang gibt es keine klaren gesetzlichen Regelungen für zuverlässige Aussagen zur Schutzwirkung von Finanzprodukten bei Klima, Energie oder sozialer Nachhaltigkeit. Schlimmer noch, es gibt bislang nicht einmal belastbare Methoden zur Wirkungsmessung "grüner" Geldanlagen.

Einen ersten Schritt dorthin könnte die neue Bundesregierung gehen. Sie sollte ein gesetzliches Kennzeichnungssystem für nachhaltige Geldanlagen einführen.

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