Fossile Industrie soll Brandkosten mitbezahlen

Noch walzen sich die Feuer durch australische Wälder und Ortschaften – zugleich diskutiert das Land, wer die Kosten für den Wiederaufbau tragen soll. In Deutschland verlangt Fridays for Future, dass der Siemens-Konzern aus seinen Geschäften mit der riesigen Adani-Kohlemine im Nordosten Australiens aussteigt.


Kohletagebau Hunter Valley
Steinkohletagebau im australischen Bundesstaat New South Wales, wo seit Wochen Buschbrände wüten. (Foto: Rising Tide Australia)

Die schon mehr als zwei Monate anhaltenden Waldbrände in Australien wachsen sich nicht nur zu einer landesweiten Umweltkatastrophe aus – sie belasten auch mehr und mehr die ökonomische Situation des Landes.

Die australische Regierung beschloss jetzt laut Medienberichten endlich,  umgerechnet 1,25 Milliarden Euro aus dem Staatshaushalt für den Wiederaufbau der von den Feuern verheerten Regionen bereitzustellen. Eine neu gegründete "Nationale Agentur zum Wiederaufbau nach den Buschbränden" solle das Geld in den kommenden zwei Jahren verteilen, kündigte Premierminister Scott Morrison an.

Die Milliarden kann der Premier bislang aus dem Staatshaushalt finanzieren. 2018 erzielte Australien einen Haushaltsüberschuss von 0,1 Prozent in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Der Überschuss entspricht bei einem BIP von umgerechnet 1,25 Billionen Euro ziemlich genau den 1,25 Milliarden, die die australische Regierung jetzt freigegeben hat. Zum Vergleich: Im selben Jahr betrug das BIP in Deutschland rund 3,3 Billionen Euro.

Dass die Hilfen aus dem laufenden Staatshaushalt und damit praktisch von allen australischen Steuerzahlern bezahlt werden, kritisiert das Australia Institute scharf. Für die Denkfabrik wäre es stattdessen angemessen, wenn die Mittel  aus einer Abgabe der Produzenten fossiler Brennstoffe kämen.

Eine derartige Abgabe würde dazu beitragen, die wirtschaftliche Belastung durch solche Katastrophen von der Durchschnittsbevölkerung auf die Kohle- und Gasunternehmen zu verlagern, die die Klimakrise befeuerten, betont Ebony Bennett, Vizedirektorin des als progressiv geltenden Instituts.

Wenn die Regierung, wie es nun geschehen ist, einen Zusammenhang zwischen globaler Erwärmung und Katastrophen anerkennt, wäre es für Bennett ein logischer Schritt, eine Klimakatastrophenabgabe bei den verantwortlichen Unternehmen zu erheben.

Das Australia Institute schlägt dazu vor, einen "National Climate Disaster Fund" einzurichten und diesen aus einer CO2-Abgabe von einem US-Dollar pro Tonne zu speisen, die die gesamte Kohle-, Gas- und Ölproduktion in Australien erfasst. Nach Berechnungen des Instituts würden durch eine solche Abgabe umgerechnet etwas mehr als 1,3 Milliarden Euro zusammenkommen.

Immense materielle und immaterielle Schäden

Renommierte Ökonomen des Landes sehen die Wirtschaft dabei deutlicher beeinträchtigt als nur durch die direkten Brandfolgen. Shane Oliver von Australiens größtem Lebensversicherer und Vermögensverwalter AMP Capital schätzt, dass die Brände Australien zwischen 0,25 und einem Prozentpunkt seines Wirtschaftswachstums kosten werden. Das Land könnte damit erstmals seit mehr als einem Vierteljahrhundert mit einer schrumpfenden Wirtschaft konfrontiert sein.

Dazu kommen die kaum abschätzbaren Schäden an der australischen Flora und Fauna. Nach aktuellen Angaben der Artenschutzorganisation WWF sind mittlerweile 8,4 Millionen Hektar verbrannt – insgesamt eine Fläche so groß wie Österreich. Damit sei mehr Land betroffen als bei den Bränden im brasilianischen Amazonasgebiet und in Kalifornien zusammen.

Etwa 1,25 Milliarden Tiere sollen direkt oder indirekt durch die Brände getötet worden sein. Die Zahl ergibt sich laut WWF bei Anwendung einer Methodik, die die Auswirkungen der Rodung von Landflächen auf die australische Tierwelt schätzt.

Australiens Umweltministerin Sussan Ley schätzt ihrerseits, dass bis zu 30 Prozent der Koalas bei den Bränden an der mittleren Nordküste von New South Wales ums Leben gekommen sind. Viele Wälder werden Jahrzehnte brauchen, um sich zu erholen.

Siemens soll sich nicht an Mega-Kohleprojekt beteiligen

Die Debatte um die wirtschaftliche Verantwortung für die Klimaschäden in Australien hat jetzt auch Deutschland erreicht. An diesem Freitag wollen Gruppen von Fridays for Future bundesweit vor den Niederlassungen des Siemens-Konzerns demonstrieren. Die deutschen Klimaaktivisten unterstützen die australische Kampagne "Stop Adani" und verlangen, dass der Konzern seine Geschäfte zur Inbetriebnahme einer der größten Kohlegruben der Welt einstellt.

In einem Zeitungs-Gastbeitrag weisen Luisa Neubauer und Nick Heubeck von Fridays for Future darauf hin, dass sich bereits 60 Unternehmen von dem klimapolitisch "absurden Vorhaben" verabschiedet haben.

"Ausgerechnet Siemens", so Neubauer und Heubeck, "der deutsche Konzern, der öffentlich keine Gelegenheit auslässt, sich zu seiner unternehmerischen Verantwortung zu bekennen, und der verspricht, bis 2030 klimaneutral zu sein", plane nun, in der australischen Mega-Mine die Signalanlage für die Gleise zum Abtransport nach Indien bereitzustellen. Siemens müsse den Auftrag über etwa 20 Millionen Euro ablehnen.

Gegen die Beteiligung von Siemens an dem Kohleprojekt wendet sich Nick Heubeck auch mit einer Petition auf der Aktionsplattform Change.org. Der Konzern, heißt es dort, wolle in den nächsten Tagen entscheiden, ob er "die Brandgefahr schüren wird". Das wolle man verhindern und Siemens dazu bringen, die Beteiligung an "einem der größten Kohleminenprojekte unserer Zeit" zu stoppen.

Ebenfalls auf Change.org starteten Aktive der Umweltbewegung Extinction Rebellion eine weitere Petition gegen das Siemens-Engagement. Durch den Kohleabbau, heißt es im Petitionstext, würden mehrere Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre ausgestoßen und außerdem indigene Landrechte verletzt. Zudem werde der verstärkte Schiffsverkehr das durch den Klimawandel bereits zu mehr als 50 Prozent zerstörte Great Barrier Reef noch schneller sterben lassen.

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