Finanzoffensive für das Great Barrier Reef

Die australische Regierung will über 300 Millionen Euro ausgeben, um das von Klimawandel und Wasserverschmutzung bedrohte Riff zu schützen. Kritiker sehen darin nur Kosmetik.


Clownfische im Great Barrier Reef
Akut bedroht ist das Great Barrier Reef und damit auch die Unzahl an Meerestieren, die in dem Riff leben. (Foto: Greg Varinot/Flickr)

Australiens Regierung hat eine finanzielle Offensive zur Rettung des Great Barrier Reef angekündigt. Eine halbe Milliarde australische Dollar (311 Millionen Euro) sollen laut Umweltminister Josh Frydenberg investiert werden, um das von Klimawandel und Verschmutzung stark gebeutelte Korallenriff zu schützen.

Die Gelder sollen eingesetzt werden, um die Wasserqualität zu verbessern und den Eintrag von Dünger ins Wasser zu reduzieren, die Dornenkronen-Seesterne zu bekämpfen, welche die Korallen fressen, und das Riff wiederherzustellen. Mit einem Teil der Gelder soll außerdem der CO2-Ausstoß gesenkt werden.

Australiens Wirtschaft hängt am Riff

Auf den ersten Blick erscheinen 311 Millionen Euro sehr hoch – nie hatte die australische Regierung mehr Geld in die Hand genommen, um das Riff zu schützen. Allerdings relativiert sich diese Sicht, wenn man bedenkt, dass das Riff jedes Jahr mit umgerechnet rund vier Milliarden Euro zur Wirtschaft von Queensland und Australien beiträgt.

"Es ist eine Investition nicht nur in die Zukunft des Great-Barrier-Riffs, sondern auch in australische Arbeitsplätze und unsere Wirtschaft – angesichts der Touristen, die das Riff jedes Jahr anlockt", erklärte Frydenberg.

Kritiker sehen in dem Schritt reine Kosmetik, die nicht viel bringt, aber die Entscheidung des Unesco-Welterbekomitees beeinflussen soll, das in wenigen Monaten darüber beraten wird, ob das Riff auf die Liste der gefährdeten Welterbestätten kommt.

Die Möglichkeiten des Riffschutzes sind sehr begrenzt, an Ideen allerdings mangelt es nicht. So schlug voriges Jahr eine Gruppe aus Tourismusmanagern und Forschern vor, kaltes Wasser in sechs Teilbereiche des Great-Barrier-Riffs zu pumpen, um die Bleiche der Korallen aufzuhalten.

"Pflaster" beheben größtes Problem nicht

Zwar lässt sich etwa durch einen geringeren Eintrag von Dünger und eine Reduzierung des Fischfangs die Widerstandsfähigkeit der Korallen verbessern – allerdings sind das alles nur Pflaster verglichen mit der größten Herausforderung: der Erwärmung des Wassers.

In den vergangenen Jahren hatten besonders hohe Wassertemperaturen infolge des Klimawandels und des Wetterphänomens El Niño zu mehreren Bleichen am Great Barrier Reef geführt. Korallen reagieren sehr empfindlich auf Veränderungen der Meerestemperatur. Wenn diese ansteigt, bleichen die Nesseltiere aus, weil sie die Algen abstoßen, mit denen sie in Symbiose leben. Wenn die Wassertemperatur wieder sinkt, können sie sich erholen. Durch die in den vergangenen Jahren kurz aufeinander folgenden Bleichen ist allerdings fast ein Drittel der Flachwasser-Korallen des Riffs gestorben, wie sich vergangenes Jahr zeigte.

Besonders betroffen ist der nördliche Teil des Riffs, wo laut der Verwaltung des Meeresparks 70 Prozent der Flachwasser-Korallen gestorben sind. Gemeinsam mit Forschungseinrichtungen hat die Schutzgebietsverwaltung mithilfe von Luftaufnahmen und Tauchereinsätzen die Korallenbleiche intensiv untersucht.

Den Zusammenhang von globaler Erwärmung und Korallenbleichen haben Meeresbiologen um Terry Hughes vom australischen Zentrum für Korallenriffstudien Anfang des Jahres in einer Science-Studie genauer untersucht. Der durchschnittliche Abstand zwischen zwei Massenbleichen hat sich demnach von rund 27 Jahren in den 1980ern auf heute nur noch knapp sechs Jahre verkürzt. Das entspricht fast einer Verfünffachung der Korallenbleichen innerhalb von 40 Jahren.

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