Hier kommt das Positive

Weniger Schnee führt zu weniger Unfällen, längere Vegetationsperioden können die Ernten verbessern, heiße Sommer steigern den Umsatz von Eisläden: Durch den Klimawandel wird manches auch besser. Trotzdem muss man sich mit den negativen Folgen der Erderhitzung beschäftigen – damit etwas dagegen getan wird.


Speiseeis in der Waffel.
Schmelzendes Eis. (Foto: Silvia Emilie/​Pixabay)

Der Klimawandel hilft den Autofahrern. Tatsächlich, richtig gelesen. Im Winter gibt es nämlich künftig weniger Schnee, und es friert seltener. Ergo: Die Straßen sind weniger glatt, es kommt also zu weniger Unfällen.

Das kann man dem jüngsten wissenschaftlichen Report des Umweltbundesamtes (UBA) zu den Folgen der Erderwärmung in Deutschland entnehmen. Und so etwas kommt uns ja entgegen, die wir immer gerne auch über das Positive in den Weltläuften berichten.

Auch die Bauern können sich freuen. Denn die Vegetationsperiode wird länger. Die Landwirte können zum Beispiel früher einsäen und, wenn’s gut geht, mehr ernten.

Positive Seiten hat der Klimawandel aber auch sonst. Die Eisläden und Biergärten machen super Profite, die Nordsee-Küste wird zum neuen Mallorca und die Heizkosten-Rechnung sinkt, weil die Winter wärmer werden.

Na also, alles halb so wild mit der Erwärmung. Könnte man meinen. Wenn alles so schön wird. Ist aber Quatsch. Denn leider, der Leser ahnt es schon, alles hat zwei Seiten.

Und so auch der Klimawandel. Im Frühjahr, Sommer und Herbst drohen mehr Unfälle – wegen vermehrter Hitzetage und Starkregen-Ereignisse, so das UBA. Die Bauern wiederum müssen befürchten, dass ihre Ernte öfter – wie 2018 – vertrocknet, bevor sie Rekorde aufstellen kann.

Das ganze Bild zur Kenntnis nehmen

Das Eis in der Waffel schmilzt, bis es ordentlich weggeschleckt ist, das Bier wird zu schnell warm, an der Nordsee-Küste nagt der steigende Meeresspiegel, und die niedrigeren Heizkosten werden durch mehr Ausgaben für Klimatisierung im Sommer aufgefressen.

Ist also leider doch nicht so schön, der Klimawandel.

Städte überhitzen sich im Sommer, der steigende Hitzestress setzt Alten, Kranken und Kindern zu, und die asiatische Tigermücke, die 20 verschiedene Viren übertragen kann, hat sich schon bis zum Oberrheingraben ausgebreitet.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Onlinemagazins Klimareporter°.

Mehr Hoch- und Niedrigwasser an den Flüssen beeinträchtigen die Schifffahrt. Gullys laufen über, weil die Kanalisation den Sturzregen nicht mehr aufnehmen kann.

Immer mehr Baumarten kommen mit Hitze und Dürre nicht zurecht, Borkenkäfer und Krankheitserreger raffen Fichte und Co dahin, und es drohen mehr Waldbrände.

Nur zu schreiben, dass alles immer schlechter wird, nervt. Aber zur Kenntnis nehmen, was schlechter zu werden droht, muss man schon, damit was dagegen getan wird.

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