Der Regen-Turbo

Der Klimawandel machte die Starkniederschläge wahrscheinlicher, die im Juli zu Überschwemmungen an der Ahr und der Erft führten. Zuordnungsstudien für Starkregen sind schwieriger als für Hitzewellen. Doch solche Flutkatastrophen werden wahrscheinlicher und die Schäden nehmen tendenziell zu.


Blick von der Ahrschleife zur Altstadt von Altenahr. Die steinerne Brücke über die Ahr ist noch intakt, aber der gesamte Uferbereich ist verwüstet.
Großflächige Zerstörungen: Altenahr im Landkreis Ahrweiler acht Tage nach der Flutkatastrophe. (Foto: Bettina Vier/​Wikimedia Commons)

Die verheerende Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ist rund fünf Wochen her. Die Wassermassen rissen viele Häuser weg, zerstörten Straßen, Brücken und Mobilfunkmasten. Rund 200 Menschen starben.

Neben Deutschland waren Mitte Juli auch Teile Belgiens, Luxemburgs, der Niederlande, Österreichs und der Schweiz von schweren Sturzfluten oder Überschwemmungen an Flüssen betroffen. Die Kosten werden hierzulande auf rund 15 Milliarden Euro geschätzt, womit die Katastrophe das bisher teuerste Flutereignis in Deutschland wäre.

Eine aktuelle Studie belegt nun: Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu solchen extremen Regenfällen, hat sich durch den Klimawandel deutlich erhöht – um bis zum Neunfachen.

Mitte Juli – von 12. bis 15. des Monats – war es in mehreren Regionen Westeuropas zu extremen Regenfällen gekommen. So fielen zum Beispiel in den Einzugsgebieten der Flüsse Ahr und Erft in Deutschland an einem einzigen Tag mehr als 90 Liter Regen pro Quadratmeter. Das ist deutlich mehr, als jemals seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gemessen wurde.

Ein internationales Forschungsteam hat die Veränderungen in einer sogenannten Attributionsstudie untersucht. Bei einer solchen Zuordnungsstudie wird das heutige Klima, das sich im globalen Schnitt schon um 1,2 Grad erwärmt hat, mit dem Klima der vorindustriellen Zeit verglichen.

Um die Rolle des Klimawandels im Wettergeschehen zu berechnen, analysierten die Wissenschaftler:innen historische Wetteraufzeichnungen und Computersimulationen mit wissenschaftlich anerkannten Methoden. Bisher wurden solche Studien meist gemacht, um den Einfluss des Klimawandels auf Hitzewellen zu analysieren. Studien zu Extremniederschlägen sind schwieriger durchzuführen, da diese kleinräumiger sind und kürzer auftreten. 

Starkregen durch Klimawandel intensiver

Konkret ergab die aktuelle Analyse eine Erhöhung der Wahrscheinlichkeit für Extremniederschläge wie Mitte Juli um das 1,2- bis Neunfache je nach Modell, der Mittelwert lag etwa beim Fünffachen. Zudem zeigte sich, dass sich die Intensität dieser Regenfälle aufgrund der durch den Menschen verursachten globalen Erwärmung in der Region um drei bis 19 Prozent erhöht hat.

Das Forschungsteam untersuchte schwerpunktmäßig die Situation in den zwei besonders betroffenen deutschen Gebieten um die Flüsse Ahr und Erft, in denen pro Tag im Schnitt 93 Liter Regen pro Quadratmeter fielen, sowie die Gegend an der Maas in Belgien, wo es binnen zwei Tagen 106 Liter waren.

Die Wissenschaftler:innen stellten nach eigenen Angaben fest, dass es in dieser relativ klein gefassten Regionen eine steigende Tendenz zu Starkregenfällen gibt, allerdings auch, dass sich die lokalen Regenmuster von Jahr zu Jahr stark unterscheiden.

Das Problem dabei: Klimamodelle lassen Berechnungen für solche kleine Regionen bisher nicht verlässlich zu.

Um den Einfluss des Klimawandels bewerten zu können, analysierte das Team, wie wahrscheinlich es ist, dass sich ähnliche Starkregenfälle auch in anderen, größer gefassten Regionen Westeuropas – einschließlich Westdeutschland, Frankreich, dem östlichen Teil von Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und dem Norden der Schweiz – ereignen und inwiefern dies durch die weltweit steigenden Temperaturen beeinflusst wird. Das ergab dann die genannten Werte. 

Im gegenwärtigen, bereits erwärmten Klima ist laut der Studie zu erwarten, dass eine bestimmte Region in Westeuropa etwa einmal in 400 Jahren von ähnlichen Ereignissen heimgesucht wird. Das bedeute allerdings, dass in der betrachteten Gesamtregion "innerhalb dieses Zeitraums mehrere solcher Ereignisse zu erwarten sind", so die Expert:innen. Zudem gelte: Mit einem weiteren Temperaturanstieg werden solche Starkregenereignisse häufiger auftreten.

"Schäden können alles Bekannte weit übersteigen"

Die Ergebnisse untermauern laut dem Team die Schlussfolgerungen des jüngsten Reports des Weltklimarats IPCC. Danach werden auch West- und Mitteleuropa bei steigenden Temperaturen immer häufiger Starkregenfällen und Überschwemmungen ausgesetzt sein.

Der an der Studie beteiligte Experte Frank Kreienkamp vom Deutschen Wetterdienst (DWD) kommentierte: "Wieder einmal zeigte sich im Jahr 2021, dass die Schäden der aktuellen, durch den Klimawandel verstärkten Extremwetterereignisse die Auswirkungen früherer Unwetter seit Beginn der Aufzeichnungen bei Weitem übersteigen können."

Solches Extremwetter könne überall auftreten und menschliche Opfer sowie starke Schäden verursachen. Kreienkamp appellierte an die lokalen und nationalen Behörden, sich der wachsenden Risiken durch Starkregen bewusst zu sein, um besser auf mögliche Extremwetterereignisse vorbereitet zu sein.

Die Studie wurde im Rahmen der World Weather Attribution Initiative von 39 Forscher:innen durchgeführt, die an Universitäten sowie meteorologischen und hydrologischen Behörden in Belgien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, der USA und Großbritannien arbeiten.

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