Nur wenige Jahre waren so heiß wie 2020

Nur 2018 war in Deutschland noch wärmer als das heute endende Jahr. Auch die weltweiten Wetterbeobachtungen deuten auf ein weiteres besonders heißes Jahr hin – trotz des La-Niña-Phänomens, das die Aufheizung der Erde bremst.


Ein Thermometer zeigt hohe Werte über 35 Grad.
Fast ein Rekord-Hitzejahr: 2020 war es in Deutschland überdurchschnittlich heiß. (Foto: Martin Prague/​Shutterstock)

Das zu Ende gehende Jahr gehört zu den wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881. Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge liegt die Jahresmitteltemperatur für 2020 bei 10,4 Grad.

Nur 2018 war es in Deutschland noch ein bisschen heißer – die Durchschnittstemperatur war mit 10,5 Grad geringfügig höher war als in diesem Jahr.

Besonders warm sind 2020 die Monate Januar, Februar, April und August gewesen. Die Temperatur in diesen Monaten wich um mehr als drei Grad vom langjährigen Mittel ab.

Die für das gesamte Jahr ermittelte Durchschnittstemperatur von 10,4 Grad liegt um 2,2 Grad über der international gültigen Referenzperiode zwischen 1961 und 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 beträgt die Abweichung 1,5 Grad.

"Das sehr warme Jahr 2020 darf uns nicht kaltlassen. Die wissenschaftlichen Klimafakten des nationalen Wetterdienstes sind alarmierend", sagte der fürs Klima zuständige DWD-Vorstand Tobias Fuchs. "Klimaschutz ist das Gebot der Stunde. Wir müssen jetzt handeln."

2020 reiht sich damit in einen Trend immer weiter steigender Temperaturen ein. Neun der bislang zehn wärmsten Jahre in Deutschland wurden nach der Jahrtausendwende gemessen, wobei die drei heißesten Jahre in der jüngeren Vergangenheit liegen: 2018, 2020 und 2014.

Grafik: Abweichung Niederschläge in Deutschland vom langjährigen Jahresmittel
In Deutschland fiel in den letzten Jahren fast immer zu wenig Regen. Die Grafik zeigt die Abweichung der Jahresmittelniederschläge vom vieljährigen Mittel seit 1881. (Grafik: DWD)

2020 war zudem sehr sonnenscheinreich und das dritte zu trockene Jahr in Folge. Mit rund 710 Litern pro Quadratmeter kam das Jahr nur auf 90 Prozent der typischen Jahresniederschlagsmenge von 789 Litern.

Damit waren neun der letzten zehn Jahre zu trocken. Lediglich 2017 fielen mehr Niederschläge als üblich.

Vor allem während der Wachstumsphase zwischen April und Oktober ist in diesem Jahr deutlich zu wenig Niederschlag gefallen. Das Aufeinandertreffen von ausbleibenden Regenfällen und viel Sonnenschein ließ die Böden austrocknen und erschwerte die Land- und Forstwirtschaft.

Globale Erwärmung trotz La Niña auf Rekordkurs

Ein ähnlicher Trend lässt sich auch weltweit erkennen. Die Weltmeteorologieorganisation WMO teilte mit, dass das Jahr 2020 wahrscheinlich eines der drei wärmsten in der Geschichte war. Endgültige Zahlen will die UN-Organisation Anfang kommenden Jahres vorlegen. Internationales Rekordjahr ist bislang 2016 mit einem Temperaturplus von 1,2 Grad im Jahresdurchschnitt.

Die globale Durchschnittstemperatur wird auch 2020 um etwa 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegen, schätzt die WMO. Das britische Met Office schätzt die Wahrscheinlichkeit, dass die globale Durchschnittstemperatur bis 2024 vorübergehend 1,5 Grad übersteigt, auf mindestens eins zu fünf.

Ob das Wetterphänomen La Niña, das eigentlich die globale Erhitzung abschwächt, auch dieses Mal die Temperaturen drückt, können die Wissenschaftler:innen erst im kommenden Jahr sagen. Seit dem vergangenen Sommer hat sich eine La Niña entwickelt, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch noch den jetzigen Winter über anhalten wird.

"Jahre mit Wärmerekorden sind normalerweise mit einem starken El-Niño-Ereignis zusammengefallen, wie es 2016 der Fall war", sagte WMO-Chef Petteri Taalas. "Jetzt erleben wir eine La Niña, die einen kühlenden Effekt auf die globalen Temperaturen hat, aber nicht ausreicht, um die diesjährige Hitze zu bremsen".

Sogar unter den Bedingungen von La Niña habe dieses Jahr eine rekordverdächtige Hitze gezeigt, die mit dem bisherigen Rekord von 2016 vergleichbar sei.

Ohnehin geht es der WMO nicht um die Temperatur-Rangfolge einzelner Jahre, sondern um den langfristigen Trend – und der ist extrem besorgniserregend. Seit den 1980er Jahren war jedes Jahrzehnt wärmer als das vorherige.

Die Meteorologieorganisation erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzt, denn die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre erreicht immer neue Rekordwerte. Vor allem Kohlendioxid verbleibt für viele Jahrzehnte in der Atmosphäre und verursacht damit die zukünftige Erwärmung.

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