Alles gewaltig im Fluss

Der Klimawandel bringt je nach Weltregion mehr Hochwasser, aber auch mehr Trockenzeiten. Nun hat ein Forscherteam die Prognosen verbessert. Der Eindruck, dass die Probleme zunehmen, ist offenbar nicht falsch.


Eine Parkbank in Ulm wird von der Donau überflutet.
Der Norden und der Westen Europas gehören zu den Regionen mit zunehmendem Hochwasserrisiko. (Foto: Hans Braxmeier/​Pixabay)

Flüsse sind Lebensadern. Aber sie können auch gefährlich sein. Durch zu viel Wasser. Oder zu wenig.

Jedes Jahr entstehen zum Beispiel weltweit Schäden von über 100 Milliarden US-Dollar durch Flüsse, die über die Ufer treten. Etwa durch vollgelaufene Keller, zerstörte Einrichtung, defekte Fahrzeuge.

Aber auch Wasser-Niedrigstände sind volkswirtschaftlich teuer. Schiffstransporte fallen aus, die Produktion betroffener Industriebetriebe sinkt, Kraftwerke müssen mangels ausreichender Kühlung gedrosselt oder abgeschaltet werden.

Man hat den Eindruck, die Probleme mehren sich: "Jahrhunderthochwasser" in jedem Jahrzehnt, extremes Niedrigwasser alle paar Jahre.

Und der Eindruck ist offenbar nicht falsch. Eine neue Studie zeigt, dass sich Wassermengen in Flüssen in den letzten Jahrzehnten tatsächlich weltweit stark verändert haben – und dass der Klimawandel dabei eine entscheidende Rolle spielt.

Bisher war auf globaler Ebene noch nicht anhand von konkreten Messdaten untersucht worden, wie stark sich die Abflussmengen längerfristig verändert haben und was die Ursachen dafür sind.

Einem internationalen Forschungsteam unter Leitung der ETH Zürich und mit Beteiligung der Universität Frankfurt am Main ist es nun gelungen, den Einfluss der maßgeblichen Faktoren aufzuschlüsseln.

Planungsgrundlage zur Klimaanpassung

Dazu analysierten die 16 Wissenschaftler:innen Daten von 7.250 Durchfluss-Messstationen in aller Welt für den Zeitraum von 1971 bis 2010. Es zeigte sich: Die Klimawandel als einer der Haupttreiber der Veränderung wirkt uneinheitlich.

Manche Regionen sind trockener geworden, so der Mittelmeerraum, das südliche Afrika oder der Nordosten Brasiliens. Anderswo hingegen nahmen die Wassermengen zu, zum Beispiel in Skandinavien.

Dank der benutzten Modelle können die Forscher:innen nach eigenen Angaben nun verlässliche Szenarien berechnen, wie sich große Flüsse unter dem Einfluss des Klimawandels künftig weiter verändern werden.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Nutzanwendung: Für betroffene Regionen sind die entsprechenden Projektionen eine Planungsgrundlage, um sich an den Klimawandel anzupassen.

Gerade auch für Europa ist das wichtig. Denn schon aus früheren Untersuchungen weiß man: In ganz Nordwesteuropa, so auch in Deutschland, werden nach den Prognosen die Hochwasser tendenziell heftiger ausfallen. In Süd- und Osteuropa hingegen nimmt ihr Ausmaß eher ab.

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