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Masterplan für Erdgas-Ausstieg gefordert

Deutschland kann seine Erdgas-Importe diversifizieren, ohne neue LNG-Terminals zu bauen, meinen Umweltverbände in einem offenen Brief an die Politik. Das Geld sollte besser in eine Wasserstoff-Infrastruktur fließen. Beim Heizen soll auf Wärmepumpen umgestellt werden.


Auf dem Boden liegt ein gelbes Schild, das wie ein Ortsschild aussieht. Oben steht: Zukunft. Unten steht durchgestrichen: Erdgas.
Erdgas, egal woher, hat keine Zukunft mehr. Mit der Ansicht sind Klimagruppen nicht allein. (Foto: Klimagerechtigkeit Kassel)

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck soll einen Ausstiegspfad für Erdgas erarbeiten. Das fordert ein Bündnis von deutschen Umweltverbänden in einem offenen Brief an den Grünen-Politiker.

Die Nutzung von Erdgas müsse im Stromsektor bis 2035 und als Heizenergie bis 2040 auf null gefahren werden. Statt neuer Flüssigerdgas-Terminals, wie von Habeck geplant, solle eine Import-Infrastruktur für Wasserstoff aufgebaut werden.

Versorgungssicherheit und Klimaschutz müssten ab sofort Hand in Hand gehen, lautet der Appell der Verbände, zu denen der BUND, Greenpeace, Germanwatch, die Deutsche Umwelthilfe und der Dachverband Deutscher Naturschutzring zählen.

Kurzfristig sei die Diversifizierung der Importe von Erdgas, Erdöl und Kohle ein wichtiger Schritt, um aus der Abhängigkeit aus Ländern wie Russland herauszukommen, die mit den Einnahmen daraus Kriege wie den gegen die Ukraine finanzieren.

Mittelfristig müsse die Abhängigkeit von den Importen fossiler Energieträger aber schnellstmöglich beendet werden. Dazu brauche es einen konkreten Fahrplan für den Ausstieg aus Erdgas. Dieses wird im Ampel-Koalitionsvertrag noch als Brückentechnologie bezeichnet.

Rund 55 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases kommen bisher aus Russland, bei Erdöl sind es 35 und bei Steinkohle 50 Prozent. Habeck hat den Bau von zwei LNG-Terminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven angekündigt, mit denen verflüssigtes Erdgas aus Lieferländern wie den USA oder Katar importiert werden soll. Die Bauzeit dafür wird auf vier bis fünf Jahre geschätzt.

Die Umweltverbände argumentieren, die in Europa existierenden LNG-Kapazitäten reichten für kurzfristige Diversifizierungen der Erdgas-Importe vollständig aus. "Ein Neubau von LNG-Terminals in Deutschland würde dagegen zu einer weiteren fossilen Pfadabhängigkeit führen. Deshalb darf es keine staatlichen Garantien für den Bau von LNG-Terminals geben", so die Organisationen.

Erdgaskraftwerke nur zur Ökostrom-Flankierung

In der EU existieren 26 LNG-Terminals, unter anderem in den Niederlanden und Belgien, aus denen Deutschland auch bisher schon LNG über Pipelines bezieht. Die öffentliche Förderung müsse sich auf den Aufbau der Infrastruktur für Wasserstoff konzentrieren, heißt es in dem offenen Brief. Grüner Wasserstoff soll nach den Plänen der Bundesregierung fossile Energien etwa in der Industrie ersetzen. Die geplante Aufnahme von fossilem Gas in die EU-Taxonomie müsse ebenso wie die von Atomkraft gestoppt werden, so das Schreiben weiter.

Die Verbände fordern eine Reihe konkreter Maßnahmen, um den Erdgas-Einsatz im Stromsektor und bei der Gebäudeheizung herunterzufahren. So sollten die jährlichen Volllaststunden von Erdgaskraftwerken begrenzt werden, damit fossiles Gas nicht in der Grundlast, sondern nur zur Absicherung für fluktuierenden Ökostrom zum Einsatz komme.

Zudem müsse es vor dem Neubau von Erdgaskraftwerken eine "verpflichtende Prüfung erneuerbarer Alternativen" geben. Neue Anlagen müssten auf jeden Fall so gebaut werden, dass sie später auch mit Wasserstoff betrieben werden können.

Im Wärmebereich halten die Verbände eine Beschleunigung der Gebäudesanierung für nötig, vor allem bei Quartierssanierungen von schlecht gedämmten Nachkriegsgebäuden, "um hohe Einsparpotenziale schneller zu heben".

Weiteres Ziel: "Den Ausstieg aus Öl- und Gasheizungen einleiten." Bestehende Anlagen sollten schrittweise durch Wärmepumpen und Solarthermieanlagen ersetzt werden. Das Papier fordert einen sofortigen Förderstopp für Gasheizungen und ein schnellstmögliches Einbauverbot für neue Öl- und Gasheizungen.

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