Eigene Stromproduktion ist wichtig – und preiswert

Nicht nur wegen des Klimas, sondern hauptsächlich aus ökonomischen Gründen werden die Energiewende und das Solarzeitalter schneller Realität, als wir uns das heute vorstellen.


Haus auf dem Land bei Sonnenaufgang, aus der Ferne über ein blühendes Feld betrachtet.
Die Sonne scheint noch Milliarden Jahre, und für die Nacht gibt es immer bessere Speicher. (Foto: Franz Roos/​Pixabay)

Eines der Hauptargumente gegen Solarenergie lautet noch immer: "Ja, was machen wir, wenn nachts die Sonne nicht scheint, woher soll dann unsere Energie kommen?"

Bitte, liebe Leserin und lieber Leser: Seien Sie wegen der Speicher unbesorgt. Wir können speichern. In den letzten Jahren haben die Speichertechnologien solche Fortschritte gemacht – auch bei den Kosten – wie die Photovoltaik Jahre zuvor.

Schon im Jahr 2019 haben die deutschen Solarfreunde Speichertechnologien im Wert von sechs Milliarden Euro gekauft.

Und nun kommt das Elektroauto in raschen Schritten, dessen Batterie uns nachts als Stromspeicher dienen kann. Mithilfe der Digitalisierung können wir künftig hunderttausend E-Autos zusammenschließen und damit nachts ein altes Kraftwerk ersetzen.

Wer sein E-Auto und seine Solaranlage kombiniert, profitiert gleich doppelt: Die Solaranlage ist die Tankstelle für das E-Auto und das E-Auto ist der Speicher für die Solaranlage: Eigene Sonne.

Hinzu kommt: Von den sechs großen erneuerbaren Energieträgern sind vier von Natur aus speicherbar: Wasserkraft, Erdwärme, Bioenergie sowie Wellen- und Meeresenergie. Für Sonne und Wind brauchen wir technische Speicher und diese haben wir.

Technischer Fortschritt schneller als gedacht

Die Probleme mit der Sonnenenergie scheinen zunächst kaum glaubhaft, denn unser Zentralgestirn schenkt uns ja jährlich unglaubliche 1,5 Trillionen Kilowattstunden auf die Erde.

Das sind – so hat es Joachim Ekrutt in seinem Buch "Die Sonne" errechnet – "so viel, wie nach dem jetzigen Verbrauch die gesamte Menschheit in 19.000 Jahren benötigt. Sonnenenergie ist genug da, doch man muss sie erst einmal abernten – in technisch und wirtschaftlich machbarer Weise."

Diese Zeilen von Joachim Ekrutt wurden 1981 publiziert – noch am Anfang der modernen Sonnenenergieforschung.

Doch heute sind Solarforscher wie der renommierte Eicke Weber – viele Jahre Direktor des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme in Freiburg – so optimistisch, dass sie davon ausgehen, dass die ganze Welt schon 2035 komplett mit Sonne, Wind, Bioenergie, Wasserkraft und Geothermie – alles solare Energiequellen – versorgt werden kann.

Die meisten Forscher rechnen damit, dass dieses Ziel bis spätestens 2050 erreichbar ist. Doch die Erfahrung lehrt: Es ging in den letzten Jahrzehnten immer schneller als von vorsichtigen Wissenschaftlern vermutet.

Es ist keine Prophetie, wenn man davon ausgeht, dass die technologischen Fortschritte der nächsten zehn Jahre größer sein werden als in den letzten 100 Jahren.

Solarstrom ist Sozialstrom

Wenn die Sonne nur drei Wochen nicht schiene, wäre alles Leben tot. Es gäbe keine Tiere mehr, keine Menschen, keine Bäume und keine Pflanzen. Nach drei Wochen ohne Sonne hätten wir auf der Erde eine Temperatur von minus 170 Grad und alles Leben wäre den Kältetod gestorben.

Der britische Astrophysiker und Autor Fred Hoyle hat in seinem Science-Fiction-Roman "Die schwarze Wolke" die Sonne für nur drei Tage verschwinden lassen. Diese drei Tage reichen aus, um die Menschheit an den Rand des Untergangs zu bringen.

Die Wissenschaftler in Hoyles Roman stehen vor einem Rätsel, die Temperaturen fallen rapide, der Stromverbrauch klettert deshalb rasch über seine Leistungsgrenze, die Stromnetze fallen aus und damit auch die Nachrichtenverbindungen in aller Welt.

Franz Alt

ist Journalist und Buchautor. Er leitete 20 Jahre das politische Magazin "Report" beim Südwest­rundfunk, danach bis 2003 die Zukunfts­redaktion des SWR. Als einer der ersten deutsch­sprachigen Journalisten informierte er über den Klima­wandel und die nötige Energie­wende.

Kein Mensch weiß mehr, was wirklich geschieht. Chaos und Ende der menschlichen Zivilisation. Totenstille auf der Welt. Der Kältetod hatte die Erde überfallen.

Doch keine Angst. Die Sonne, die uns die lebensspendende Wärme liefert, ist fünf Milliarden Jahre alt und scheint noch circa 4,5 Milliarden Jahre. Das ist doch mal eine erfreuliche Perspektive.

Hingegen sind unsere klassischen Energiequellen Kohle, Erdöl, Erdgas, aber auch Uran, in wenigen Jahrzehnten aufgebraucht.

Ich erwarte nicht, dass die alten Energiekonzerne sehr schnell aus Sorge um das Weltklima aus der Kohle aussteigen, aber ich bin davon überzeugt, dass die Kohlekraftwerke sehr bald Investitionsruinen sind. Denn nicht subventionierte Solaranlagen sind schon heute preisgünstiger als hoch subventionierte Kohlekraft. Solarstrom ist Sozialstrom.

Das heißt: Nicht nur aus ökologischen, sondern hauptsächlich aus ökonomischen Gründen werden die Energiewende und das Solarzeitalter schneller Realität, als wir uns das heute vorstellen.

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