Kohle- und Verbrenner-Stopp bis 2030

Die Umweltverbände haben heute ihre Forderungen zur Bundestagswahl vorgestellt. Besonders überraschend dabei: 80 Prozent Ökostrom schon für 2030 und ein Aus für neu zugelassene Verbrenner-Pkw noch vor dem Ende des Jahrzehnts.


Ein rotes Auto steckt in einem grünen Müllcontainer.
Die Umweltverbände machen den Parteien Druck für ein Ende des Verbrennungsmotors, aber auch für eine Ressourcenwende. (Foto: Zoran Karapančev/​Shutterstock)

Der zunehmende Zeitdruck durch die Klimakrise und den Verlust der Biodiversität prägt die Forderungen für die Bundestagswahl im Herbst, die die deutschen Umweltverbände heute vorgelegt haben.

Die nächsten vier Jahre, also die kommende Legislaturperiode, würden "maßgeblich" darüber entscheiden, ob es gelingt, die Erderhitzung zu begrenzen und das Artensterben zu stoppen, betonen der Dachverband Deutscher Naturschutzring (DNR) sowie 35 Umweltorganisationen. Diese Zeit müsse zur "Umsetzungsperiode" für eine sozial-ökologische Transformation werden.

Dazu fordern die Verbände, das deutsche Klimaziel für 2030 von derzeit 55 Prozent CO2-Reduktion gegenüber 1990 auf 70 Prozent zu erhöhen. Ökostrom soll 2030 einen Anteil von 80 Prozent am Strommix haben, nicht nur von 65 Prozent wie derzeit von der Bundesregierung geplant.

Schon vor 2030 sollen keine Pkw mit Verbrennungsmotor mehr neu zugelassen werden. "Die Politik muss jetzt die richtigen Leitplanken setzen und spätestens 2030 nur noch rein elektrisch betriebene Pkw zulassen", sagte Kerstin Haarmann vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). Dazu gehöre nicht nur ein Moratorium für den Neubau und Ausbau von Autobahnen und Bundesstraßen, sondern auch die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene.

Zu den sechs Kernforderungen der Verbände zählt auch eine "Qualitätsoffensive" für den Naturschutz. Zur Finanzierung soll ein Bundesnaturschutzfonds geschaffen und mit jährlich 500 Millionen Euro ausgestattet werden.

Auch ein Kohleausstieg bis spätestens 2030 gehört zu den Forderungen. Wenn Deutschland einen angemessenen Beitrag im Kampf gegen die globale Klimakrise leisten wolle, bedeute das einen vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien, sagte Silvie Kreibiehl, DNR-Vizepräsidentin und Vorsitzende der Umweltorganisation Germanwatch.

Aber auch der Ressourcenverbrauch der Wirtschaft müsse drastisch reduziert werden, bis 2050 mindestens um den Faktor zehn.

Umfrage: Wer kann Klimakanzler:in?

Unterstützung für die Forderungen der Verbände kam heute von der Linkspartei-Vorsitzenden Susanne Hennig-Wellsow. Das Umsteuern gegen die Klimakrise brauche ambitionierte, weitreichende Ziele, etwa zur Minderung der Treibhausgase, betonte sie. "Wir wollen, dass die Bundesrepublik bis spätestens 2035 klimaneutral ist."

Der ökologische Umbau benötige dabei die Unterstützung der breiten Bevölkerung. Dazu gehören für die Linken-Chefin enorme Investitionen in eine "krisenfeste öffentliche Daseinsvorsorge, die überhaupt erst alle in die Lage versetze, den Wandel auch selbstbestimmt mitzumachen".

Beim Thema Klimaschutz schauen bislang viele im Land eher skeptisch auf die Kanzlerkandidat:innen von Union, SPD und Grünen. Das geht aus einer heute veröffentlichten Online-Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag des Ökostromers Lichtblick hervor, bei der 2.500 repräsentativ ausgewählte Menschen befragt wurden.

Mehr als ein Drittel (36 Prozent) trauen demnach keinem der drei Kandidat:innen zu, Deutschland bei der CO2-Wende voranzubringen. Allerdings gab es unter den anderen Stimmen eine deutliche Favoritin: 43 Prozent der Befragten nannten Annalena Baerbock (Grüne).

Neun Prozent trauen die Klimawende eher Armin Laschet (CDU) zu, sechs Prozent Olaf Scholz (SPD). Selbst die Wähler:innen von Union und SPD nennen bei der Frage, wer Deutschland beim Klimaschutz voranbringen könne, zuerst Baerbock.

Redaktioneller Hinweis: Ralf Schmidt-Pleschka vom Unternehmen Lichtblick gehört dem Herausgeberrat von Klimareporter° an.

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