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Weniger Kohle, weniger Emissionen

Der sinkende Einsatz von Kohle macht sich offenbar langsam bei den deutschen CO2-Emissionen bemerkbar. An die Stelle der Kohle treten zunehmend erneuerbare Quellen sowie Erdgas, legt die jetzt veröffentlichte Prognose der AG Energiebilanzen für 2019 nahe.


Das Braunkohlekraftwerk Lippendorf.
Lohnt sich nicht mehr: Das Karlsruher Unternehmen EnBW legte seinen Braunkohleblock im Kraftwerk Lippendorf bei Leipzig wochenlang still. (Foto: Martin Zeise/​Wikimedia Commons)

Anfang Oktober gingen in den Kraftwerken Jänschwalde und Neurath die letzten beiden von bundesweit insgesamt acht Braunkohle-Blöcken der sogenannten Sicherheitsbereitschaft vorläufig vom Netz. Damit sind seit 2016 alles in allem 2.700 Megawatt Braunkohle im Rahmen der Sicherheitsbereitschaft stillgelegt worden. Laut Studien könnten dadurch die CO2-Emissionen um zehn bis 15 Millionen Tonnen jährlich sinken.

In diesem Jahr ließen die Betreiber ihre Kohlekraftwerke vermutlich auch wegen sinkender Rentabilität weniger laufen. So stand ein Braunkohleblock des Kraftwerks Lippendorf im Revier Halle/Leipzig im Sommer wochenlang still.

Der Thinktank Carbon Tracker veröffentlichte kürzlich Berechnungen, wonach die deutschen Steinkohle- und Braunkohlekraftwerke 2019 bis zu 1,9 Milliarden Euro an Verlusten anhäufen könnten. 

Carbon Tracker analysierte dazu die Auslastung aller 542 Kohlekraftwerke in der EU sowie deren Rentabilität – mit dem Ergebnis, dass fast 80 Prozent dieser Anlagen Verluste schreiben. Die Kohlekraftwerke würden Geld verbrennen, weil sie nicht mit den immer billiger werdenden Erneuerbaren und Gas mithalten könnten, sagte Matthew Gray von Carbon Tracker in London.

Energieverbrauch geht leicht zurück

Der so oder so geringere Bedarf an Braunkohle schlug sich laut den Angaben der AG Energiebilanzen in Deutschland in den ersten neun Monaten dieses Jahres in einem Verbrauchsrückgang bei Braunkohle um fast 22 Prozent und bei Steinkohle um mehr als 18 Prozent nieder. Der Einsatz der Steinkohle speziell für die Strom- und Wärmeerzeugung soll sogar um über 30 Prozent gesunken sein.

Neues Kohlekraftwerk soll ans Netz gehen

Das umstrittene Kohlekraftwerk Datteln 4 soll – entgegen der Empfehlung der Kohlekommission – nun doch in Betrieb gehen. Das sollen laut Medienberichten vom heutigen Mittwoch Regierungskreise bestätigt haben. Zuerst hatte gestern der Branchendienst Energate Messenger diese Vermutung geäußert, die sich auf die – gesetzlich vorgeschriebene – Anmeldung der 1.100-Megawatt-Steinkohleanlage an der Strombörse bezog. Danach könnte der Betrieb im kommenden Januar beginnen.

 

Bisherige Gespräche zwischen der Bundesregierung und dem Eigner Uniper – früher Eon – für eine spezielle Entschädigungslösung sollen keine Einigung gebracht haben. Steinkohlekraftwerke sollen in Deutschland eigentlich über Ausschreibungen mit einem speziellen Ausstiegsgesetz stillgelegt werden. Datteln 4 stößt in vollem Betrieb nach Angaben von Greenpeace jährlich bis zu sechs Millionen Tonnen CO2 aus.

Weil der Verbrauch von Kohle besonders stark rückläufig ist und die Erneuerbaren zugleich zulegten, geht die Branchen-AG für 2019 zugleich von einem "merklichen Rückgang" bei den CO2-Emissionen aus, ohne diesen näher zu beziffern.

Dem entgegen wirkt der laut den Angaben um knapp vier Prozent gestiegene Verbrauch von Erdgas. Der fossile Brennstoff wurde nicht nur in Kraftwerken vermehrt eingesetzt, sondern auch zum Heizen im eher kühleren Frühjahr. Außerdem legte die Nutzung von Mineralöl um knapp zwei Prozent zu, darunter die von Flugbenzin um vier Prozent sowie von leichtem Heizöl um rund 25 Prozent.

Insgesamt sank der Energieverbrauch in Deutschland bis Ende September gegenüber dem Vorjahr um gut zwei Prozent. Dafür macht die AG Energiebilanzen eine höhere Energieeffizienz, ein abgeschwächtes Wachstum der energieintensiven Industrien sowie den fortschreitenden Strukturwandel verantwortlich. Bereinigt um den Einfluss der Witterung sei der Energieverbrauch sogar um gut drei Prozent gesunken.

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