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Liefern Solar und Windkraftanlagen nicht nur unzuverlässigen Zappelstrom? Brauchen wir da nicht weiter Braunkohle- und Kernkraftwerke, die die Grundlast abdecken?

Wie wäre es mal wieder mit ein paar Fakten?

Braunkohle- und Kernkraftwerke wurden dafür gebaut, 24/7, also rund um die Uhr Strom zu liefern. Dumm nur, dass man früher nachts gar nicht so viel Strom brauchte.

In Deutschland wurden darum bis Ende der 1980er Jahre viele Millionen Nachtspeicheröfen unter die Leute gebracht, damit die Grundlastkraftwerke besser durchlaufen konnten. Angenehm heizen geht anders.

Die schwankende Last am Tag übernahmen damals besser regelbare Kraftwerke auf Basis von Steinkohle, Erdgas oder auch Erdöl.

Heute decken erneuerbare Energien schon viele Stunden unseren Verbrauch fast vollständig ab. Natürlich gibt es auch Zeiten mit wenig Sonne und Wind, in denen Strom knapp ist.

Für diese Zeiten brauchen wir aber keine Grundlastkraftwerke, sondern Flexibilität im Netz. Intelligente Netze können Verbraucher verschieben, zum Beispiel Elektroautos genau dann laden oder Industrieanlagen genau dann starten, wenn viel Sonne scheint oder Wind weht.

Batteriespeicher können kurze Zeiträume abdecken und flexible Gaskraftwerke auf Basis von grünem Wasserstoff längere Lücken überbrücken. Eine sichere Stromversorgung ist so kein Problem.

Hört also auf, ständig über Grundlastkraftwerke zu reden. Der neue Fachbegriff ist Flexibilität. Grundlastkraftwerke, die sinnlos durchlaufen, braucht künftig kein Mensch mehr.

 

Foto: Silke Reents

Volker Quaschning

ist Professor für Regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Seine Lehr- und Sachbücher zur Energiewende gelten als Standardwerke.