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Europa braucht eigene Solarfabriken

Die Europäische Union muss dafür sorgen, dass ihre Erneuerbaren-Hersteller künftig weltweit eine zentrale Rolle spielen können. Dafür sind lediglich Anschub-Subventionen nötig, denn die erneuerbaren Energien sind heute unschlagbar preiswert.


Eine sehr große Fabrikhalle ist komplett mit Solarpaneelen bedeckt.
Der Ausbau erneuerbarer Energien muss drastisch beschleunigt werden – woher werden die Anlagen kommen? (Foto: Albrecht Fietz/​Pixabay)

Bundeskanzler Olaf Scholz sagt auf die Frage nach der Energiewende in den Zeiten des Putin-Kriegs: "Jetzt erst recht!" Es soll jetzt also ganz schnell gehen mit der Energiewende. Nur wie?

Die wichtigsten erneuerbaren Energieträger sind Sonne und Wind. Dafür braucht es aber auch in der Europäischen Union eigene Hersteller der Technologien, also Solarfabriken und Windradproduzenten. Und genau die fehlen.

Zurzeit kommen die allermeisten der in Deutschland installierten Photovoltaik-Anlagen aus China, einem Land mit totalitärer Führung, weitestgehender Menschenrechts-Verachtung und dem größten Überwachungsstaat der Welt.

Hier droht die nächste große Abhängigkeit. Statt Putins Gas und Öl künftig Solaranlagen aus China?

Wenn die Energiewende in Europa zum Erfolg werden soll, dann müssen in der EU rasch mindestens 100 große Solarfabriken gebaut werden, hat der frühere Chef des Fraunhofer-Instituts für solare Energiesysteme, Eicke Weber, ausgerechnet. Und viele Windrad-Hersteller brauchen neue Chancen.

 

Die EU muss dringend ihre Solar- und Windkraft-Hersteller stärken, was bislang sträflich versäumt wurde. Allein in Deutschland sind hier in den letzten zwölf Jahren weit über 100.000 Arbeitsplätze nach China verloren gegangen.

Für die letzten drei Bundesregierungen war der Erhalt der gestrigen Kohle-Jobs viel wichtiger als die Jobs bei den künftigen Energiequellen. Ein unglaublicher Skandal und eine grandiose ökonomische Dummheit.

Für die Kohle-Arbeitsplätze hat der Bundeskanzler kürzlich auf dem Katholikentag in Stuttgart noch warme Worte gefunden, Solar- und Wind-Jobs hat er nicht erwähnt.

Einige bekannte deutsche Windrad-Hersteller haben unter der weltweiten Billigkonkurrenz sehr zu kämpfen, ohne dass ihnen die Politik hilft. Das tut sie aber nach wie vor bei der Kohle.

Von der fossilen in die solare Abhängigkeit?

Dabei ist politisch nichts gefährlicher als nach der Abhängigkeit von Russland bei den fossilen Energiequellen nun eine neue Abhängigkeit von China bei den erneuerbaren Energien.

Die EU muss es jetzt als Priorität begreifen, ihre Erneuerbare-Energien-Industrie zu stärken. Das gilt freilich auch für die Produktion von Batterien für E-Autos. Nach wie vor werden Batterien überwiegend in Ostasien gefertigt. Die erste große Batteriefabrik Europas, die in Thüringen entsteht, baut China. Muss das sein? Wir haben doch Bosch und Siemens.

Die Aktien von Siemens Energy fallen derweil dramatisch. Der norddeutsche Windrad-Hersteller Nordex muss in diesen Wochen seine Fertigung mit 500 Jobs in Rostock schließen.

Für Atomkraft und Kohle haben die deutschen Bundesregierungen in den letzten Jahrzehnten weit über 500 Milliarden Euro Steuergelder ausgegeben. Aber noch immer werden hierzulande die Technologien für die Zukunft vernachlässigt. Auch in der so wichtigen Halbleiterindustrie ist China führend.

Franz Alt

ist Journalist und Buchautor. Er leitete 20 Jahre das politische Magazin "Report" beim Südwest­rundfunk, danach bis 2003 die Zukunfts­redaktion des SWR. Sein neues Buch mit Ernst Ulrich von Weizsäcker heißt: "Der Planet ist geplündert. Was wir jetzt tun müssen".

Die EU und die Regierungen der 27 EU-Länder müssen endlich dafür sorgen, dass Europas Erneuerbaren-Hersteller künftig weltweit eine zentrale Rolle spielen können. Dafür sind lediglich Anschubsubventionen nötig. Denn die erneuerbaren Energien sind heute unschlagbar preiswert, weil Sonne und Wind keine Rechnung schicken – während die alten Energiequellen immer knapper und teurer werden.

Deutschland und Europa müssen ihre erneuerbaren Energiequellen stärken, sonst spielen sie keine Rolle bei der künftigen Energie- und Klima-Außenpolitik. Dies ist die Überlebensfrage der Menschheit.

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