Erneuerbare brauchen weniger Förderung

Die hohen Kohle-, Öl- und Gaspreise haben auch Strom im Großhandel teurer gemacht. Solaranlagen und Windräder brauchen deshalb weniger Zuschuss von den Stromkund:innen. Die EEG-Umlage fällt im kommenden Jahr auf den niedrigsten Stand seit 2012.


Vier mittelgroße Windkraftanlagen auf einem Acker in ebener Landschaft, ganz im Hintergrund ein weiterer Windpark.
Die EEG-Umlage sinkt im kommenden Jahr deutlich. (Foto: Meine Resterampe/​Pixabay)

Die EEG-Umlage sinkt im kommenden Jahr deutlich von aktuell 6,5 Cent pro Kilowattstunde auf 3,723 Cent – den niedrigsten Wert seit dem Jahr 2012. Das haben am heutigen Freitag die Übertragungsnetzbetreiber bekannt gegeben.

Die Umlage dient dazu, die gesetzlich garantierten Einspeisevergütungen für Ökostrom nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zu finanzieren. Ihre Höhe ergibt sich aus der Differenz von Einspeisevergütung und jeweiligem Marktwert des erzeugten Stroms.

Da das Strompreisniveau an der Börse infolge der erheblich gestiegenen Kohle-, Erdgas- und CO2-Preise derzeit sehr hoch ist und im kommenden Jahr vermutlich auch bleiben wird, sind die Differenzbeträge, die durch die EEG-Umlage abgefangen werden müssen, drastisch gesunken.

Hinzu kommt, dass der Staat schon seit diesem Jahr einige Milliarden aus den Einnahmen der neu eingeführten CO2-Steuer auf Benzin, Erdgas und Heizöl auf das EEG-Konto umlenkt. Für 2022 werden es 3,25 Milliarden Euro sein.

Der wesentliche Faktor für den aktuellen Rückgang der Umlage um rund 43 Prozent ist aber der massive Preisanstieg an den Strommärkten. Am Spotmarkt, wo auch der Strom aus erneuerbaren Energien kurzfristig gehandelt wird, lagen die Preise in diesem Jahr bisher mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Damals waren die Preise wegen der reduzierten Stromnachfrage im Zuge des harten Lockdowns eingebrochen.

So kommt Ökostrom ohne Garantievergütung aus

Was das hohe Strompreisniveau für die Erneuerbaren bedeutet, zeigen sehr drastisch die Zahlen aus dem September. Der vergangene Monat erreichte die höchsten Notierungen seit Bestehen der Strombörse um die Jahrtausendwende. Jetzt im Oktober liegt das Niveau bislang nochmals höher.

Aus den hohen Börsenpreisen ergab sich nach Kalkulationen der Übertragungsnetzbetreiber, die für die Abwicklung des EEG zuständig sind, für den vergangenen Monat ein Marktwert für die Kilowattstunde Solarstrom von beachtlichen 11,715 Cent. Somit sei im September keiner der deutschen Solarparks, die seit 2014 errichtet wurden, mehr auf eine EEG-Förderung angewiesen gewesen, heißt es in der Energiewirtschaft.

Bleibt das Strompreisniveau im Großhandel so hoch, werden Wind- und Solarstrom in Zukunft komplett ohne Garantievergütungen auskommen können, was die Energiewende marktgetrieben beschleunigen dürfte.

Da Windstrom und Solarstrom unterschiedliche Erzeugungsprofile haben, also zu unterschiedlichen Zeiten einspeisen, ist ihr Wert am Markt auch etwas unterschiedlich. Offshore-Windstrom erzielte im September sogar einen Marktwert von 12,25 Cent je Kilowattstunde, Windstrom an Land kam auf etwas über 11,75 Cent.

Damit lagen auch bei vielen Windkraftanlagen die gesetzlichen Vergütungen bereits unterhalb der relevanten Börsenpreise – die Vergütungen mussten also gar nicht mehr über die EEG-Umlage finanziert werden.

Für viele Haushalte wird Strom dennoch teurer

Da die Terminmärkte auch für 2022 sehr hohe Marktpreise für Strom signalisieren, wurde die EEG-Umlage für das kommende Jahr nun massiv gesenkt.

Gleichwohl dürfte der Strom für viele Haushalte ab Januar teurer werden, weil andererseits der Einkaufspreis für viele Stromanbieter – je nach Einkaufsstrategie – massiv gestiegen ist. Allenfalls jene Versorger, die sehr frühzeitig noch zu günstigen Preisen Strom für 2022 beschafft haben, dürften im neuen Jahr ihre Preise einigermaßen halten können.

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