Putins Hunger

Der Ukraine-Krieg gefährdet auch die Welternährung zusätzlich. Ein neuer Anlass, eine grundlegende Umstellung des Systems anzupacken, sagen Wissenschaftler:innen. Und sie haben recht.


Reifes Weizenfeld bei Sonne vor wolkigem Himmel.
Krieg heißt auch Hunger. (Foto: Polina Rytova/​Unsplash)

Essen ist politisch. Ein alter Spruch, der in Zeiten von Corona, Krieg und Klimakrise zusätzliche Brisanz erhält.

Bereits Covid hat Fortschritte in der Bekämpfung des Hungers weltweit stark zurückgeworfen. Die Zahl der Hungernden ist wieder auf über 810 Millionen angestiegen.

Doch der Ukraine-Krieg droht die Lage weiter zu verschlechtern. Die Lebensmittelpreise auf den Weltmärkten sind bereits deutlich gestiegen, und es könnte noch schlimmer werden.

Warum das so ist, hat sich herumgesprochen. Die Ukraine und Russland sind Kornkammern der Erde, sie sind führende Exporteure von Weizen, Mais und Ölsaaten.

Eine Gruppe von Wissenschaftler:innen warnt nun davor, dass Putins Krieg nicht nur unsägliches Leid in dem überfallenen Land, sondern auch noch in weit entfernten Weltregionen auslöst.

Da die Ernten in der Ukraine dieses Jahr wohl kaum exportiert werden, dürften Nahrungsmittelknappheit und Preissteigerungen in Ländern, die hier von Importen abhängen, zu Armut und Hunger führen. Besonders betroffen sind Länder im Nahen Osten und Nordafrika.

Nun gibt es durchaus Möglichkeiten zu verhindern, dass Putins Aggression auch noch die Ernährung in den armen Ländern zusätzlich gefährdet. Die drei Vorschläge, die die Wissenschaftler:innen, etwa vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, machen, setzen an den eigentlich bekannten Ineffizienzen des globalen Ernährungssystems an. Wann wäre es Zeit, sich endlich darum zu kümmern, wenn nicht jetzt?

Erster Punkt: den Fleischkonsum reduzieren, vor allem in den reichen Ländern, wo er, auch gemessen an Gesundheitsempfehlungen, im Schnitt viel zu hoch ist – denn bisher wird ein Drittel der weltweit produzierten Kalorien an Tiere verfüttert.

Zweitens: mehr stickstoffbindende Hülsenfrüchte anbauen und nachhaltigere Formen der Landwirtschaft ausweiten – wichtig, um die Abhängigkeit vom Kunstdünger und seinem weltgrößten Exporteur Russland zu reduzieren.

Und drittens: Lebensmittelverschwendung vermeiden. Heute landet ein Drittel der Nahrungsmittel im Müll statt im Magen.

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Über 190 Forscher:innen haben das Forderungspapier bereits unterzeichnet. Eine gute Gesundheit und eine gesunde Umwelt, die ausreichende Mengen an Nahrung und Wasser bereitstellt, seien die Voraussetzungen für Frieden und weltpolitische Stabilität.

Putin wird das nicht beeindrucken. Recht haben sie trotzdem.

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