Soja runter, Lupine rauf

Weltweit wird immer mehr Soja angebaut, vor allem für Tierfutter in der Massentierhaltung. Der Boom führt zu immer neuen Waldrodungen, zeigt ein Report des BUND zur Grünen Woche. Der Umweltverband fordert die Reduzierung der Soja-Importe aus Brasilien wegen Bolsonaros Anti-Regenwald-Politik.


Ein Sojabohnen-Feld wird maschinell geernet.
Brasilien ist der größte Exporteur von Sojabohnen. Immer neue Regenwald-Flächen werden dafür abgeholzt. Nach den Plänen des neuen Präsidenten Bolsonaro soll das künftig noch schneller gehen. (Foto: Charles Ricardo/​Pixabay)

Europas Agrarindustrie hängt stark am Soja. Die Hülsenfrucht mit ihrem hohen Öl- und Proteingehalt deckt rund 40 Prozent des Eiweißverbrauchs in der EU ab, wobei ein Großteil des Sojas zu Tierfutter für die Massentierhaltung verarbeitet wird. Rund 95 Prozent davon wird aus Drittländern importiert.

Der Umweltverband BUND hat nun gefordert, die Soja-Importe zu reduzieren – unter anderem mit Blick auf die Pläne des neuen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro, der den Anbau von Soja und weitere Agar-Großprojekte im Amazonas-Regenwald forcieren will.

Die Organisation hat anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin einen "Soja-Report" vorgelegt. Danach betragen die weltweiten Anbauflächen für Soja bereits über 100 Millionen Hektar. Schwerpunkte der Produktion sind Südamerika, dort vor allem Brasilien und Argentinien, und die USA.

Zwar wird Soja inzwischen in steigenden Mengen auch in Europa produziert, in Deutschland zum Beispiel auf rund 20.000 Hektar. Gegenüber den Importen kann die heimische Erzeugung aber weder preislich noch bei Eiweißgehalt und -qualität mithalten.

Die Import-Soja sei daher "ein Schlüsselfaktor für die Massenproduktion von Fleisch- und Milcherzeugnissen", sagte Tilman Uhlenhaut, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Landwirtschaft.

Folgen des Soja-Booms sind laut dem Report bereits jetzt zunehmende Waldabholzungen vor allem in Brasilien, Paraguay und Uruguay.

"Dort, wo Soja intensiv angebaut und Massentierhaltung betrieben wird, wird der Boden belastet, das Trink- und Grundwasser kontaminiert und die Artenvielfalt zerstört", so Uhlenhaut. "Dieser falschen Landwirtschaftspolitik müssen Deutschland und die EU einen Riegel vorschieben."

Der BUND-Experte forderte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) auf, eine kritische Haltung Deutschlands zum Ausdruck bringen – etwa auf dem am heutigen Samstag in Berlin stattfindenden Treffen der internationalen Agrarminister.

"Heimische Hülsenfrüchte stärker fördern"

Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger sagte, die Europäische Union dürfe sich nicht durch eine falsche Agrarpolitik zum "Erfüllungsgehilfen einer falschen Umwelt- und Menschenrechtspolitik" machen. "Wer den Amazonas-Regenwald – die grüne Lunge der Welt – abholzen lassen will, kann kein Handelspartner der EU sein."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse sich für einen Stopp der Verhandlungen mit dem südamerikanischen Handelsblock Mercosur (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) einsetzen, wie es Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bereits gefordert habe, sagte Weiger.

Gleichzeitig dürften die Soja-Importe aber auch nicht einfach verlagert werden. Derzeit nehmen etwa die Importe aus den USA in die EU zu.

Die inzwischen von den EU-Mitgliedsstaaten signalisierte Bereitschaft, Soja-Importe aus dem globalen Süden zu vermindern, sieht der BUND als einen "ersten, positiven Schritt". Dieser reiche aber bei Weitem nicht aus. Es brauche konkrete Maßnahmen, um die Erzeugung und den Verbrauch industriell erzeugter Fleisch- und Molkereiprodukte zu reduzieren.

Der Umweltverband kritisiert, dass in der EU der zollfreie Import von Ölsaaten und Eiweißpflanzen wie Soja weiterhin erlaubt sei, während der einheimische Anbau von Hülsenfrüchten noch nicht ausreichend gefördert werde. Hülsenfrüchtler oder Leguminosen – dazu zählen Ackerbohnen, Lupinen und Erbsen – sind Pflanzen, die Luftstickstoff binden und in Fruchtfolgen daher den Einsatz von Dünger reduzieren können.

Würden sie vermehrt angebaut, hätte das nach Ansicht von Agrarexperten positive Effekte für die Landwirtschaft und die Umwelt – durch Kosteneinsparung beim Dünger, mehr Humusaufbau und eine geringere Belastung des Grundwassers mit Nitrat.

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