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Gen-Schere fürs Klima?

Agrarexperten schlagen vor, mithilfe der "Genschere" Crispr/Cas die Ernten zu erhöhen, um die Landwirtschaft klimagerechter zu machen. Bisher wurde Agrogentechnik allerdings genutzt, um den Trend zur fleischbetonten Ernährung mit ihrem hohen Flächenbedarf zu fördern.


Zeichnerische Darstellung der sogenannten Genschere, erkennbar ist die Helix-Struktur der heller dargestellten Ziel-DNA.
Die Endonuklease Cas9 kann DNA "schneiden". Dass eine mit der Crispr/​Cas9-Methode hergestellte Pflanze gentechnisch verändert wurde, ist sehr schwer nachweisbar. (Grafik/​Ausschnitt: Hiroshi Nishimasu et al./​Wikimedia Commons)

Essen muss jeder. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern. Und das ist gut so, denn es ist ja, meistens, ein Genuss.

Trotzdem ist es ein Problem: Die Landwirtschaft ist ein veritabler Klimakiller. Satte 30 Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen gehen auf ihr Konto, hat eine aktuelle Studie ermittelt, an der unter anderen die Welternährungsorganisation FAO beteiligt war.

Das ist mehr, als man bisher dachte. Der Weltklimarat schätzt den Anteil der Landnutzung bisher auf rund 25 Prozent.

Klar ist also: Die Landwirtschaft muss klimafreundlicher werden. Und darüber, wie das erreicht werden kann, läuft gerade eine heiße Debatte.

Es geht um den Einsatz der sogenannten Gen-Schere Crispr/Cas, einer Gentechnik-Methode, mit man das Erbgut auch von Nutzpflanzen neu zuschneiden kann.

So ist es zu Beispiel bei der Kartoffel möglich, Gene zu eliminieren, die sie anfällig für die von Landwirten gefürchtete Kraut- und Knollenfäule macht. Weltweit verursacht diese Pflanzenkrankheit Ernteeinbußen von rund einem Fünftel.

Ein internationales Expertenteam hat nun vorgeschlagen, die Gen-Schere zu nutzen, um gezielt die Treibhausgas-Emissionen in der Landwirtschaft zu senken. Die Idee dahinter: Gelingt es, Pflanzen damit robuster zu machen und die Ernten zu erhöhen, ist weniger Erntefläche nötig – und das ist positiv fürs Klima.

"Neue Züchtungstechnik"

Denn die Umwandlung von Naturflächen, etwa Mooren oder Regenwäldern, um Äcker und Weideland zu gewinnen, trägt stark zur Klimaerhitzung bei. Die freien Flächen könnten renaturiert werden. Oder zumindest bräuchte es keine zusätzliche Naturvernichtung, um mehr Lebensmittel für die wachsende Weltbevölkerung zu produzieren. 

Joachim Wille ist Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Der Göttinger Agrarökonom Matin Qaim, Mitglied im Team, hält es für möglich, die Emissionen im Agrarbereich durch die "neue Züchtungstechnik" langfristig um 20 Prozent zu senken.

Das wäre eine Menge. Aber nicht nur eingefleischte Gentechnik-Gegner sehen solche Versprechungen zu Recht kritisch. Agro-Gentechnik wurde bisher zumeist genutzt, um die Agrarproduktion ohne Rücksicht auf die Ökosysteme weiter zu intensivieren und den globalen Trend zur fleischbetonten Ernährung mit ihrem hohen Futtermittel- und damit Flächenbedarf zu stützen.

Bringt Crispr/Cas hier nur einen weiteren Turbo statt tatsächlicher Klimaentlastung, ist sie abzulehnen, mal abgesehen von ungeklärten sonstigen Gefahren der Methode. Nur wenn das ausgeschlossen ist, könnte sie sinnvoll sein.

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