Auf dem Feld und auf dem Teller

Es ist eine riesige Herausforderung, die wachsende Weltbevölkerung zu ernähren – und dabei auch noch das Klima zu schützen. Beides geht nur, wenn weniger tierische Nahrungsmittel produziert werden. In einer Serie stellt Klimareporter° verschiedene Ansätze zur Lösung der Klimakrise vor und beleuchtet Vor- und Nachteile. Teil 4: Agrarwende.


Hier ist eine leckere Pizza zu sehen.
Klimaschutz in der Landwirtschaft bedeutet in jedem Fall veränderte Ernährungsgewohnheiten. (Foto: Engin Akyurt/​Pixabay)

Trockenheit, Ernteausfälle, finanzielle Verluste: Die Landwirtschaft leidet auch in Deutschland schon unter dem Klimawandel – nach dem Hitzesommer 2018 bekamen die Landwirte Entschädigungen in dreistelliger Millionenhöhe von der Bundesregierung.

Allerdings ist die Landwirtschaft nicht nur Opfer der Klimakrise. Global gesehen verursacht die Herstellung von Lebensmitteln inklusive der dafür nötigen Landnutzung, der Verarbeitung und des Transports rund ein Viertel der Treibhausgasemissionen. Am stärksten tragen dazu die Tierhaltung und der Anbau von Nahrungsmittelpflanzen bei.

In Deutschland ist die Landwirtschaft zwar nur für rund acht Prozent des Klimagasausstoßes verantwortlich, allerdings sind die Emissionen in diesem Sektor seit dem Basisjahr 1990 vergleichsweise wenig gesunken. Sie liegen heute rund 20 Prozent niedriger, während das gemeinsame Ziel für alle Bereiche bis 2020 bei minus 40 Prozent liegt, und seit dem Jahr 2000 gab es kaum noch Fortschritte. Nur der Verkehrssektor schneidet noch schlechter ab.

Um das 2030er Ziel für den Agrarsektor zu erreichen – laut dem Plan der Bundesregierung minus 31 bis 34 Prozent gegenüber 1990 –, muss noch viel geschehen.

Die eine Lösung gibt es nicht

Am stärksten schlagen in der Landwirtschaft die Treibhausgase Methan und Lachgas zu Buche, die 25- respektive 300-mal klimaschädlicher sind als Kohlendioxid.

Methan entsteht in Rindermägen sowie bei der Lagerung von Mist und Gülle. Landwirtschaftlich genutzte Böden setzen ebenfalls Treibhausgase frei, etwa wenn Grünland oder Moore in Äcker umgewandelt werden. Vor allem durch die Düngung mit mineralischem Stickstoff und Gülle wird zudem Lachgas freigesetzt.

In der Landwirtschaft gibt es nicht die eine Lösung, mit der das Klima gerettet werden kann: Die Herausforderung, eine wachsende Weltbevölkerung zu ernähren, ist riesig – zumal die Erträge durch den Klimawandel sinken.

In Deutschland setzt das Landwirtschaftsministerium unter anderem auf die verschärften Vorgaben der Düngeverordnung von 2017 und die Vergärung von Gülle in Biogasanlagen. Das führt zu sinkenden Treibhausgasemissionen, weil sich in den Böden durch verringerte Düngung weniger Lachgas bildet. Dank der Nutzung von mehr Gülle zur Biogasproduktion würde auch weniger Methan freigesetzt.

Allerdings bemängeln Kritiker, dass Maßnahmen wie diese auf Dauer nicht ausreichen werden. Viele Umweltschützer fordern eine möglichst schnelle und weitreichende Umstellung auf Ökolandwirtschaft. Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass im Jahr 2030 ein Fünftel der Anbaufläche in Deutschland biologisch bewirtschaftet werden soll. Heute sind es knapp zehn Prozent.

Ökolandbau plus Ernährungsumstellung

Doch hilft das dem Klima? Experten des staatlichen Thünen-Instituts in Braunschweig haben Ökolandbau mit konventioneller Landwirtschaft verglichen. Das Ergebnis: Flächen im Ökolandbau speichern in der Tat mehr Kohlenstoff und emittieren geringere Mengen an Treibhausgasen als konventionell bewirtschafte. Hinzu kommen Vorteile für die Biodiversität und den Schutz des Grundwassers.

Das ist die Lösung! Oder?

Die Welt weiß, wie man die CO2-Emissionen senken kann – sie muss es nur tun. Wir stellen in einer Serie verschiedene Lösungsansätze mit ihren Vor- und Nachteilen vor.

 

Klimareporter° beteiligt sich damit wie hunderte andere Zeitungen und (Online-)​Magazine weltweit an der Initiative "Covering Climate Now". Anlässlich des 50. Jubiläums des "Earth Day" am 22. April berichten die Kooperationsmedien eine Woche lang verstärkt über Lösungen für die Klimakrise.

Allerdings: Pro Kilogramm Lebensmittel betrachtet schneidet der Bioanbau ähnlich ab wie die konventionelle Landwirtschaft. Der Grund: Er bringt auf derselben Fläche geringere Erträge.

Zu einem frappanten Ergebnis kamen Agrarexperten der britischen Universität Cranfield bei London. Sie haben ausgerechnet, dass bei einer vollständigen Umstellung der Landwirtschaft in England und Wales auf "bio" die Erträge um 40 Prozent zurückgehen würden. Dadurch müssten mehr Lebensmittel importiert werden, und die Emissionen würden insgesamt sogar steigen.

Die Wissenschaftler schließen daraus: Ein Komplettumstieg ist nur klimafreundlich, wenn gleichzeitig die Erträge im Ökolandbau steigen und die Menschen ihre Ernährung ändern – vor allem mit weniger Fleisch- und Milchprodukten.

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