Feuchtgebiete gehen dem Klima verloren

Mehr als ein Drittel der weltweiten Feuchtgebiete ging seit 1970 verloren – und die Verlustraten wachsen, zeigt ein Bericht über den Zustand der Feuchtgebiete.


Flussaue
Eines der wenigen Ramsar-Gebiete in Deutschland ist das Untere Odertal. (Foto: Fährtenleser/​Wikimedia Commons)

Die Feuchtgebiete der Welt verschwinden dreimal schneller als Wälder, warnt der jetzt erschienene "Global Wetlands Outlook". Laut dem Report über den weltweiten Zustand der Feuchtgebiete gingen zwischen 1970 und 2015 rund 35 Prozent dieser ökologisch so wertvollen Gebiete auf der Erde verloren, wobei sich die jährlichen Verlustraten seit dem Jahr 2000 erhöhen.

"Der Bericht ist ein Weckruf", sagt Martha Rojas Urrego, Generalsekretärin der internationalen Ramsar-Konvention über Feuchtgebiete. "Wir brauchen dringend gemeinsame Maßnahmen, um den Verlust und die Zerstörung umzukehren und die Zukunft der Feuchtgebiete und damit auch unser eigenes Überleben zu sichern."

Feuchtgebiete wie etwa Auenlandschaften, Moore, Seen oder Mangrovenwälder sind unersetzliche Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Zugleich gelten Feuchtgebiete als besonders produktiv, da sie als Nahrungsquelle und Grundwasserspeicher dienen.

Als Puffer erfüllen sie wichtige Aufgaben bei Überschwemmungen und fungieren zudem als globale CO2-Senken. "Wenn Feuchtgebiete verschwinden, wird Kohlenstoff, der zuvor im Boden gebunden war, in die Atmosphäre entlassen", warnt Martha Rojas Urrego.

Der Bericht erscheint zum ersten Mal. Er soll die Staaten, die der Feuchtgebiets-Konvention zugestimmt haben, an ihre Verpflichtungen erinnern. Ziel des Ramsar-Übereinkommens ist "die Erhaltung und wohlausgewogene Nutzung aller Feuchtgebiete durch lokale, regionale und nationale Maßnahmen".

Das Abkommen wurde als Reaktion auf den drastischen Rückgang von Wat- und Wasservögeln 1971 in der iranischen Stadt Ramsar geschlossen. Es ist eine der ältesten internationalen Verträge zum Naturschutz, doch seine Bestimmungen sind relativ allgemein gehalten.

Staaten, die dem Abkommen beitreten, verpflichten sich, mindestens ein Feuchtgebiet zu benennen sowie für den Erhalt der Feuchtgebiete zu sorgen. Der jetzt erschienene Bericht schätzt den weltweiten Umfang der Feuchtgebiete auf 12,1 Millionen Quadratkilometer. Das ist eine Fläche 34-mal so groß wie Deutschland.

Deutschland und die Ramsar-Konvention

1976 trat Deutschland dem Ramsar-Abkommen bei. 34 Feuchtgebiete wurden bundesweit in die sogenannte Ramsar-Liste aufgenommen.

Ein Bündnis mehrerer Umweltorganisationen wie Wetlands International, WWF und Birdlife fordert "zügige Maßnahmen" zum Schutz der Feuchtgebiete. Der jetzt veröffentlichte Bericht zeige, wie weit die Menschheit von dem Schutzziel entfernt sei. Man müsse jetzt handeln, um den Schwund aufzuhalten. Auf der kommenden Konferenz der Ramsar-Vertragsparteien im Oktober in Dubai brauche es mehr Ehrgeiz.

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