"So gibt es keine Klimagerechtigkeit"

Über 120.000 Menschen haben in Glasgow für mehr Klimaschutz und eine gerechte Welt demonstriert – nachdem am Vortag schon 30.000 mit Fridays for Future auf der Straße waren. Auch an über 300 weiteren Orten weltweit fanden Demonstrationen statt, unter anderem in Paris, London und Seoul.


Demozug beim Klimaprotest in Glasgow zur Halbzeit der COP26
Nicht nur die Einhaltung der Klimaziele wurde bei der Klimademo in Glasgow zur Halbzeit der COP 26 gefordert ...

Am Morgen des 6. November ist das Wetter richtig schottisch, wie man es sich vorstellt. Es ist nass, windig, kalt. Nicht so richtiges Demonstrationswetter.

Trotzdem ist der Park, in dem der "Global day of action for climate justice" des Bündnisses COP26 Coalition in Glasgow startet, auf allen Wegen überfüllt.

Zunächst ist nicht klar, wo genau die Demo gegen den Klimagipfel COP 26 startet. Als sich der Zug dann in Bewegung setzt, reiht sich ein Block nach dem anderen ein. Die Blöcke repräsentieren verschiedene Gruppen, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen und in verschiedenem Ausmaß von der Klimakrise betroffen sind.

Ganz vorn läuft der Block der Indigenen und "Frontline Communities", angeführt von indigenen Jugendlichen aus dem Amazonasgebiet in Brasilien.

Weiter hinten folgen der Klimagerechtigkeitsblock, der Landwirtschaftsblock und der der Gewerkschaften und Arbeiter:innen. Außerdem gibt es einen Jugendblock, einen Abrüstungs- und Friedensblock und einen von Black Lives Matter.

Die Forderungen des Bündnisses gehen auch weit über die Einhaltung der Klimaziele und die Reduktion von CO2-Emissionen hinaus. Alle Schulden der Länder des globalen Südens sollen fallengelassen werden, ordentliche Reparationszahlungen soll es von reichen Ländern an die geben, die jetzt schon betroffen sind.

"Die Klimakrise ist aus unseren kaputten, ungerechten Gesellschaften und Ökonomien entstanden. Wir müssen unsere Weltwirtschaft in eine Wirtschaft transformieren, die sowohl die Menschen als auch unseren Planeten schützt statt die Profite weniger", sagt Asad Rehman, Sprecher der COP26 Coalition.

Demozug beim Klimaprotest in Glasgow zur Halbzeit der COP26
... sondern auch eine globale Ökonomie, die nicht nur die Profite weniger schützt. (Fotos: Sandra Kirchner)

Das größte Problem der diesjährigen Klimakonferenz sei, wer alles nicht dabei ist, meinen besonders viele Vertreter:innen des globalen Südens. Corona, Reisebeschränkungen und die Tatsache, dass die Konferenz zum vierten Mal in Folge in Europa stattfindet, machen es vielen Menschen aus dem Süden unmöglich teilzunehmen.

Fridays-for-Future-Initiatorin Greta Thunberg nannte die Klimakonferenz beim Klimastreik am Freitag eine "Greenwashing-Party des globalen Nordens". Andere Sprecherinnen wie Vanessa Nakate wiesen auf die schwere Zugänglichkeit der Konferenz für Menschen aus dem globalen Süden hin – und die Konsequenzen davon: "So gibt es keine Klimagerechtigkeit."

Brianna Fruean von den Pacific Climate Warriors macht auf der Demonstration die Haltung der Betroffenen klar: "Wir weigern uns, bloße Opfer dieser Krise zu sein. Wir gehen nicht unter, wir kämpfen, und heute hört die Welt uns zu."

Wie in Redebeiträgen zu hören und auf Plakaten zu lesen ist, haben die Demonstrierenden kein Vertrauen in die Delegationen, die im Konferenzzentrum verhandeln. Echter Wandel komme von der Straße, von unten – und sei nicht aufzuhalten.

Jedes Jahr gibt es am Wochenende zur Halbzeit der COP große Demonstrationen – wie vor zwei Jahren mit 500.000 Menschen in Madrid. Das Besondere ist dieses Mal, dass es gleich zwei große Demos sind. Auch die Betonung des breiten Bündnisses ist bemerkenswert.

COP 26 in Glasgow

Nach 25 UN-Konferenzen gibt es noch immer keine Lösung für die Klimakrise, aber wenigstens das Pariser Klimaabkommen. Wie gut es funktioniert, wird sich beim 26. Gipfel in Glasgow zeigen. Ein Team von Klimareporter° ist vor Ort in Schottland und berichtet mehrmals täglich.

Für die zweite Woche sind weitere Proteste geplant, auch innerhalb des Konferenzgeländes.

Die großen Demos sind aber erstmal vorbei. Es wird sich zeigen, ob die Reaktion der Verhandler:innen eine andere sein wird als die letzten Male.

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