Covid-Bestimmungen erschweren armen Ländern Klimagipfel-Teilnahme

Wer an der Weltklimakonferenz in Glasgow für ein Land teilnehmen will, das beim Corona-Risiko auf der "roten Liste" steht, muss sich erst in teuren Quarantänehotels isolieren. Das betrifft vor allem Delegierte aus dem globalen Süden, deren Teilnahme dadurch infrage steht.


Das Konferenzzentrum SEC in Glasgow spiegelt sich im Wasser.
Scottish Event Campus (SEC) in Glasgow: Hier soll die COP 26 stattfinden. Foto/​Ausschnitt: Dave Morris/​Wikimedia Commons)

Fünf bis zehn Tage müssen Teilnehmer:innen der Weltklimakonferenz COP 26 in Glasgow in einem britischen Quarantänehotel zubringen, sofern sie sich in den zehn Tagen vor der Einreise in einem Land von der "roten Liste" aufgehalten haben.

Auf der Liste stehen zurzeit 60 Länder, sie wird aber ständig überprüft und aktualisiert. Es sind diejenigen Staaten, bei denen die britische Regierung ein besonders hohes Pandemie-Risiko sieht. Und sie liegen fast alle im globalen Süden.

Das ist für die Betroffenen nicht nur unangenehm, sondern vor allem teuer. Der volle zehntägige Aufenthalt kostet zurzeit umgerechnet fast 2.700 Euro. Auch wenn Essen, Getränke und die zwei vorgeschriebenen Covid-Tests schon inbegriffen sind, ist das eine stattliche Summe.

Wer vollständig geimpft ist, muss noch für fünf Tage in Quarantäne. Das ist schon ein Entgegenkommen für Teilnehmer:innen der COP: Normalerweise müssen alle, die von der "roten Liste" kommen, für volle zehn Tage in Quarantäne – unabhängig vom Impfstatus.

Nun ist es sicher nicht leicht, in Pandemiezeiten eine Veranstaltung zu organisieren, zu der bis zu 25.000 Menschen erwartet werden – Verhandler:innen, Aktivist:innen, Journalist:innen. Damit argumentiert auch die britische Regierung. Sie will die für Anfang November geplante Konferenz so sicher wie möglich machen.

Vertreter:innen aus dem globalen Süden sehen das Vorgehen trotzdem kritisch. Zum Beispiel Aubrey Webson, Chef der Verhandlungsgruppe der kleinen Inselstaaten. Nach Glasgow zu kommen sei für Entwicklungsländer ohnehin schon eine "fast unüberwindbare Hürde", sagt der Diplomat von der Karibikinsel Antigua.

Keine Frage: Die Anreise aus dem globalen Süden ist lang, die Unterkünfte in der schottischen Stadt während der beiden COP-Wochen sind rar und entsprechend teuer. Außerdem hat ja nicht nur Großbritannien Reisebeschränkungen. Reisende, die auf dem Weg nach Glasgow weitere Länder durchreisen müssen, könnten es schwer haben.

"Jetzt wollen sie uns auch noch zur Kasse bitten"

Dabei sind einige kleine Inselstaaten sogar Covid-frei. Dort herrscht Angst, die Krankheit aus Glasgow wieder mitzubringen. Manche der Länder haben schon angekündigt, aus diesem Grund keine Delegation zu entsenden.

Auf der Konferenz soll es unter anderem um die weitere Klimafinanzierung gehen. Die Industrieländer haben dem globalen Süden Geld für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel versprochen. Bisher gibt es aber nur eine Vereinbarung bis 2025, nämlich jährliche Zahlungen über insgesamt 100 Milliarden US-Dollar.

Auf diese Summe kommen die Industriestaaten auch noch gar nicht – aber 2025 rückt näher, deshalb muss das Thema auf den Verhandlungstisch. Nur: Wie soll das funktionieren, wenn die Länder, um die es in erster Linie geht, nicht dabei sind?

"Jetzt wollen sie uns auch noch zur Kasse bitten, um an einer Konferenz teilzunehmen, auf der unsere eigene Zukunft verhandelt wird", beschwert sich Webson. Die Rote-Liste-Regelung gefährde ein gutes Ergebnis der COP 26. Man warte auch noch auf die Details zu der Ankündigung der britischen Regierung, registrierten Delegierten ein Impfangebot zu machen, so der Verhandler.

Die COP 26 hätte eigentlich schon im vergangenen Herbst stattfinden sollen, musste aber aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen. Auch deshalb scheint die britische Regierung entschlossen, die Großkonferenz dieses Jahr durchzuziehen.

Fridays-for-Future-Initiatorin Greta Thunberg hatte bereits im April gefordert, die Konferenz noch weiter zu verschieben, bis die Gesundheitslage eine sichere Teilnahme zulässt. Sie kündigte an, selbst nicht anzureisen.

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