Endspiel um die 1,5 Grad

Kurz vor dem Finale des UN-Klimagipfels warnt UN-Chef António Guterres vor einem Scheitern, das "nicht nur unmoralisch, sondern selbstmörderisch wäre". Auch die "Koalition der Ambitionierten" tritt öffentlich auf. All das zeigt: Ein wirksames Regelwerk für den Paris-Vertrag ist noch längst nicht in trockenen Tüchern.


Koalition der Ambitionierten
Die Koalition der "Ambitionierten" in Katowice: Der Ehrgeiz der Europäer und Afrikaner reicht noch nicht fürs 1,5-Grad-Ziel. (Foto: Susanne Schwarz)

Wenn die Mitglieder der sogenannten Koalition der Ambitionierten einen öffentlichen Auftritt ankündigen, dann weiß man, dass die Klimaverhandlungen auf Messers Schneide stehen. Am Mittwochabend war das auf der Klimakonferenz in Katowice wieder der Fall, als das Bündnis kurzfristig zur Pressekonferenz lud.

Auf dem Podium: ein Dutzend Minister aus der ganzen Welt, darunter Bundesumweltministerin Svenja Schulze, EU-Kommissar Miguel Arias Cañete, der Umweltminister der Marshallinseln David Paul und der Sprecher der ärmsten Länder Gebru Jember Endalew aus Äthiopien. Ihre Botschaft: Mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz muss die Antwort auf den IPCC-Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel sein.

Konferenzpräsident Kurtyka geht ein Risiko ein

Genau wie vor drei Jahren in Paris sammeln sich damit die Truppen, um für ein ambitioniertes Ergebnis der Konferenz zu sorgen. Konkret verpflichten sich die Mitglieder der Ambitionierten-Koalition zu dreierlei: mehr Klimaschutz vor 2020, ehrgeizigere Klimaziele für 2030 und die Entwicklung von Langfriststrategien. Dabei gilt der IPCC-Sonderbericht als Richtschnur. Das bedeutet: eine Halbierung der globalen Emissionen innerhalb von zwölf Jahren und eine Reduktion auf netto null bis 2050.

Dass es eines Auftritts wie diesem bedarf, zeigten die zähen Verhandlungen um das Paris-Regelwerk auf dem Klimagipfel. Um überhaupt wieder für Bewegung zu sorgen, hatte der Präsident der UN-Klimakonferenz Michał Kurtyka am Dienstag die Verhandlungen übernommen. Aber erst am frühen Mittwochabend legte er einen neuen Textvorschlag vor. "Damit haben wir einen Tag verloren", sagt Wendel Trio vom Climate Action Network.

Mit dem Text geht Kurtyka zudem ein nicht unerhebliches Risiko ein: Sollten einige Länder den Vorschlag rundheraus ablehnen, hätte Kurtyka sein politisches Kapital verspielt und die Konferenz würde um mehr als einen Tag zurückgeworfen. Li Shuo von Greenpeace China sagte dazu: "Die Verhandlungen werden jetzt nicht mehr von den Ländern vorangetrieben, sondern von der Präsidentschaft."

Es kommt nun auf Länder wie China an

Dass die Konferenz in eine kritische Phase eintritt, zeigte auch der erneute Besuch von UN-Generalsekretär António Guterres. Dieser warnte: Ein Scheitern "wäre nicht nur unmoralisch, sondern selbstmörderisch. Das klingt wie ein dramatischer Appell, aber es ist genau das: ein dramatischer Appell."

Nun hat sich der Frontverlauf für die letzten Tage der Konferenz weitgehend geklärt. Auf der einen Seite stehen die "Ambitionierten" und auf der anderen Seite stehen die USA, Russland, Saudi-Arabien und Kuwait. Die eine Seite fordert ein ambitioniertes Schlussdokument mit einem Bekenntnis zum jüngsten Sonderbericht des IPCC zum 1,5-Grad-Ziel, die andere will den Bericht lediglich "zur Kenntnis nehmen".

Nun kommt es darauf an, wie sich die Länder der Basic-Gruppe positionieren: China, Indien, Brasilien und Südafrika. In Paris waren diese vier Schwellenländer ebenfalls nicht bei den Ambitionierten. Das hat sie damals allerdings nicht daran gehindert, das ambitionierte Pariser Ergebnis mitzutragen.

Alle Beiträge zur Klimakonferenz COP 24 in Polen finden Sie in unserem Katowice-Dossier

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