"Die EU und China sind die beiden Hauptakteure"

Wenn sich die EU und China beim Klimagipfel in Katowice nicht einigen, könnte die Konferenz scheitern, sagt Wendel Trio vom Climate Action Network Europe. Streit auf dem G20-Gipfel hingegen könnte sich sogar positiv auf Katowice auswirken.


Wendel Trio von CAN
Wendel Trio koordiniert das Climate Action Network Europe, einen Zusammenschluss von mehr als 150 europäischen Nichtregierungsorganisationen.  (Foto: CAN)

Klimareporter°: Herr Trio, reicht der Stand der Vorbereitungen für einen Erfolg der Klimaverhandlungen in Katowice?

Wendel Trio: In 14 Tagen müssten die Verhandler in der Lage sein, durch die mehr als 300 Seiten Verhandlungstext zu kommen.

Die Delegationen beklagen sich immer über Zeitmangel, aber die Frage ist: Wann fangen sie wirklich an, Kompromisse zu schließen? Wenn man das aus Verhandlungstaktik auf den letzten Moment verschiebt, dann ist es irgendwann zu spät.

Wer entscheidet über Erfolg oder Misserfolg?

Die EU und China sind die beiden Hauptakteure. Je eher sie ihre Positionen in Einklang bringen können, desto mehr Erfolg werden wir haben. Die EU hat versucht, eine starke Kooperation mit China aufzubauen, aber China ist ein wenig zurückhaltend.

Für China ist es ein bisschen schwierig, dass die EU kein einheitlicher Block ist und es davon abhängt, mit wem man redet. Spricht man mit Deutschland, Frankreich und der EU-Kommission, hört man unterschiedliche Perspektiven.

Könnte Katowice scheitern, wenn China und die EU sich nicht einigen?

Die Gefahr besteht. Die Diskussionen über das Regelbuch sind sehr technisch, aber dahinter verbirgt sich eine politische Debatte über die Differenzierung zwischen den Ländern, und das wird sich in allen Arbeitsgruppen zeigen.

Wenn es zu politisch wird, etwa indem China eine sehr harte Haltung bei den Buchhaltungsregeln einnimmt, dann könnte es schwer werden. Bei einem heftigen Streit zwischen der EU und China sehe ich nicht, wer das lösen könnte. Ich rechne aber nicht damit, dass es so weit kommt.

Die EU-Kommission hat soeben ihre Klimavision für das Jahr 2050 vorgestellt und signalisiert, dass sie netto null Emissionen anstrebt. Welche Bedeutung hat das für Katowice?

Die Vision macht für die EU einen echten Unterschied. Bis zu dieser Woche haben die EU-Länder über ihr Klimaziel für das Jahr 2030 diskutiert. Die Vision eröffnet nun eine neue Debatte: Kann die EU mehr machen und wie kann sie das?

Für die Verhandlungen ist die Vision aber eher von atmosphärischer Bedeutung. Es ist ein Gegengewicht dazu, dass in vielen Ländern die Debatte keine Fortschritte macht.

Deutschland hat angekündigt, seinen Beitrag zum Green Climate Fund auf 1,5 Milliarden Euro zu verdoppeln. Spielt das eine Rolle?

Zur Person

Wendel Trio ist Direktor des Climate Action Network Europe. Das Netzwerk CAN Europe vereint über 150 nichtstaatliche Organisationen aus 35 europäischen Ländern. Der Belgier Trio ist Sozialwissenschaftler und war zuvor in leitenden Positionen bei Oxfam und Greenpeace tätig.

Dass sich Deutschland bewegt hat, ist ein gutes Zeichen. Andere Länder werden nun schauen, wie sie sich Deutschland anschließen können. Für die Verhandlungen ist es sehr wichtig, dass das Thema Klimafinanzierung eingehegt werden kann. Die armen Länder müssen die Gewissheit haben, dass Geld zur Verfügung steht.

Polen ist kein Vorreiter beim Klimaschutz, leitet aber die Verhandlungen. Ist das ein Problem?

Es ist Teil der polnischen Strategie, beim Klima als positiver Spieler auf internationalen Niveau wahrgenommen zu werden und gleichzeitig eine eher negative Rolle innerhalb der EU zu spielen. Polen sagt: Der Klimaschutz liegt uns sehr am Herzen, aber das muss auf internationaler und nicht auf europäischer Ebene gelöst werden. Deshalb will Polen beim Regelbuch ein gutes Resultat haben, natürlich auch aus Imagegründen.

Bis Sonntag läuft der G20-Gipfel in Buenos Aires. Dort könnte es zum Streit beim Klimaschutz kommen. Wäre das eine Gefahr für Katowice?

Wenn es dort zur einer Situation kommt, dass 19 Länder den USA gegenüberstehen, dann könnte das für Katowice sogar positiv sein. Was wir in Europa sehen, ist: Je mehr US-Präsident Donald Trump redet, desto mehr wollen sich die anderen von ihm distanzieren, etwa durch ein Bekenntnis zum Paris-Abkommen. Das gilt allerdings unter der Voraussetzung, dass weder Russland noch Saudi-Arabien oder Brasilien sich Trump anschließen.

Wird die Konferenz wie geplant am Freitag, den 14. Dezember, abends um sechs zu Ende sein?

Nein, ich glaube eher, dass es Samstag wird.

Alle Beiträge zur Klimakonferenz COP 24 in Polen finden Sie in unserem Katowice-Dossier

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