Banken auf der CO₂-Bremse

Finanzunternehmen wollen 130 Billionen Dollar bis 2050 komplett in grüne Investments umschichten. Klimaschützer sind skeptisch, weil das Investieren in Kohle, Öl und Gas trotzdem weitergehen soll.


Türme der Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main nach Sonnenuntergang.
Die Deutsche Bank ist Teil der neuen "grünen" Initiative, finanziert aber auch weiter fossile Projekte. (Foto: Jasmin Sessler/​Pixabay)

Banken, Versicherern und anderen Investoren kommt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen den Klimawandel zu. Die Kapitalmärkte müssen komplett von fossil auf "grün" umschalten, damit der Umbau von Energieversorgung, Verkehr und sonstiger Infrastruktur bewältigt werden kann.

Eine Allianz von 450 der größten Finanzfirmen der Welt, die zusammen ein Vermögen von 130 Billionen Dollar kontrollieren, will hier nun vorangehen. Sie verpflichtet sich dazu, dieses Kapital bis 2050 schrittweise in klimaneutrale Investitionen umzuschichten.

Die Gruppe nennt sich "Glasgow Financial Alliance for Net Zero", ihre Initiative wurde jetzt auf dem Klimagipfel in Glasgow bekannt gegeben. Die beteiligten Finanzunternehmen aus 45 Ländern verwalten 40 Prozent des globalen Finanzvermögens.

Neben Banken und Versicherungen finden sich Pensionsfonds, Vermögensverwalter, Börsen, Ratingagenturen und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften auf der Liste. Darunter sind auch der größte Finanzverwalter der Welt, Blackrock, sowie aus Deutschland die Allianz, die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Initiator des Bündnisses ist der UN-Sonderbeauftragte für Klimaschutz und Finanzen, Mark Carney. Der frühere britische Notenbankchef hatte es im Frühjahr ins Leben gerufen und die Zusagen von den Banken, Versicherern und anderen Investoren eingesammelt.

"Wir haben jetzt die wesentlichen Voraussetzungen geschaffen, um den Klimawandel von den Rändern in den Vordergrund des Finanzwesens zu rücken, sodass jede finanzielle Entscheidung den Klimawandel berücksichtigt", sagte Carney. "Das Geld ist da, wenn die Welt es will."

"Die Ankündigung ignoriert den fossilen Sektor"

Das Bündnis hat Carney zufolge "rigorose" Ziele und Kontrollen für den Finanzumbau akzeptiert – weg von Kohle, Erdöl und Erdgas, hin zu erneuerbaren Energien, E-Mobilität und anderen "grünen" Investments. Die Finanzfirmen verpflichteten sich, jedes Jahr über die von ihnen mitfinanzierten CO2-Emissionen Bericht zu erstatten. Alle fünf Jahre soll überprüft werden, wie weit die Umschichtung Richtung "Netto-Null" fortgeschritten ist.

Bei Umwelt- und Klimaschützern wurde die Ankündigung zurückhaltend aufgenommen. Die Zusagen seien unzureichend, da sie die Investoren nicht dazu verpflichten, kein Geld mehr in fossile Brennstoffe zu investieren. Die genannten Zahlen wirkten zwar sehr beeindruckend, befand die britische Umweltfinanzorganisation Share Action, "aber nicht alles davon wird sofort in grüne Investitionen fließen".

Die nordamerikanische Naturschutzorganisation Stand Earth kritisierte: "Diese Ankündigung ignoriert wieder einmal den größten Elefanten im Raum: die fossilen Brennstoffunternehmen". Es sei unmöglich, die Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten, solange die Finanzinstitute nicht aufhören, Kohle-, Öl- und Gaskonzerne zu finanzieren.

Trotz des Pariser Klimaabkommens von 2015 haben Banken seither laut dem Branchendienst Bloomberg Green weltweit vier Billionen US-Dollar an Kapital für fossile Brennstoffe organisiert.

Neue Datenbank zum Erdöl- und Erdgas-Ausstieg

Eine Gruppe von internationalen stellte am Donnerstag eine öffentlich zugängliche umfangreiche Datenbank zu Unternehmen aus der Öl- und Gasindustrie vor, die "Global Oil & Gas Exit List" (Gogel). Nach Angaben der deutschen Organisation Urgewald, die zu den Initiatoren gehört, umfasst sie 887 Unternehmen und deckt damit rund 95 Prozent der weltweiten Öl- und Gasproduktion ab.

Interessierte vor allem aus der Finanzindustrie könnten mit Gogel die Öl- und Gasfirmen mit den größten Expansionsplänen sowie mit den umstrittensten Formen der Öl- und Gasförderung nun auf einen Blick erkennen. Urgewald-Expertin Katrin Ganswindt erläuterte: "In den letzten zwei Jahren haben wir eine Welle von Richtlinien zum Ausschluss von Kohle durch Finanzinstitute gesehen, aber fast keine, die sich mit Öl und Gas befassen."

COP 26 in Glasgow

Nach 25 UN-Konferenzen gibt es noch immer keine Lösung für die Klimakrise, aber wenigstens das Pariser Klimaabkommen. Wie gut es funktioniert, wird sich beim 26. Gipfel in Glasgow zeigen. Ein Team von Klimareporter° ist vor Ort in Schottland und berichtet mehrmals täglich.

Mit Gogel wolle man öffentliche und private Finanzinstitute dazu bewegen, die Expansion der Öl- und Gasbranche nicht länger zu unterstützen. "Die Finanzindustrie muss ihrer Verantwortung bei allen fossilen Energieträgern gerecht werden", sagte Ganswindt.

Laut dem UN-Umweltprogramm Unep sind die Treibhausgasemissionen, die auf die Öl- und Gasindustrie zurückzuführen sind, rapide angestiegen. Für Urgewald zeigen die Gogel-Zahlen, dass die Branche sich insgesamt auf einem "rücksichtslosen Expansionspfad" befindet.

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