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What do we want? Climate Justice!

Die Klimakrise ist nicht nur einfach ein Umweltproblem. Sie ist politisch. Und sie ist global. Was das bedeutet, ist vielen noch gar nicht klar geworden.


Klimastreik in München: Viele junge Menscchen mit Demo-Schildern und Frontbanner
Nicht nur irgendwie Klimaschutz, sondern Klimagerechtigkeit: "Climate Justice Now!" fordert Fridays for Future in München. (Foto: Fridays for Future München)

Wir haben viele Demo-Slogans auf unseren Klimastreiks. "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut" natürlich, aber auch: "Hopp, hopp, hopp – Kohle stopp!"

Lieber mag ich einen anderen, mit dem ich mich in letzter Zeit viel beschäftigt habe. "What do we want? Climate Justice! When do we want it? Now!" Wir wollen Klimagerechtigkeit, und zwar jetzt. Auch auf unserem Fronttransparent in München steht das ganz groß. Er erinnert daran, dass die Klimakrise nicht einfach irgendein Umweltproblem ist oder gar eine Naturkatastrophe. Der Eisbär ist ein schlechtes Symbol für das Problem. Die Klimakrise ist politisch.

Die Folgen dieser Feststellung sind vielschichtig. Mir ist die Reichweite der Klimagerechtigkeit auch erst nach und nach bewusst geworden oder besser gesagt wird sie mir immer noch bewusst. Vor einem Jahr hätte ich aus dem Bauch heraus vielleicht schon gesagt: Klar, Klimaschutz muss gerecht gestaltet werden. Aber wie sollte man so einer allgemeinen Aussage auch nicht zustimmen?

Klimagerechtigkeit bedeutet vieles

Gerechtigkeit, das kann vieles bedeuten. Natürlich auf der einen Seite, dass wir die Gesetze, die jetzt Klimaschutz garantieren sollen, sozial verträglich gestalten müssen. Nur als Beispiel: Strom ist ein Grundbedürfnis, also müssen wir durch gute Sozialpolitik sicherstellen, dass jede und jeder ihn sich leisten kann. Wenn Arbeitsplätze wegbrechen, muss dafür gesorgt werden, dass die Betroffenen eine neue Perspektive für ihr Leben bekommen. Die Liste könnte man lange fortführen.

Elena Balthesen spricht in ein Mikro.
Foto: privat

Elena Balthesen

ist 17 Jahre alt und geht in die 12. Klasse einer Waldorf­schule in München. In ihrer Kolumne "Balthesens Aufbruch" macht sie sich auf die Suche nach Wegen für ihre Generation, aus der Klimakrise heraus­zu­kommen. Sie ist bei "Fridays for Future" in München aktiv.

Aber Klimagerechtigkeit hört nicht an der Landesgrenze auf. Aus meiner Sicht wird darüber in Deutschland nicht besonders viel geredet. Die Lebensgrundlage von Millionen Menschen ist bedroht, ein weiterer Temperaturanstieg führt zu mehr Armut, mehr Flucht.

Und zwar vor allem auf der südlichen Hälfte der Welt, die im Vergleich kaum etwas zum Problem beigetragen hat. Wir hier im Norden sind hauptsächlich verantwortlich – sind aber aufgrund unserer geografischen Lage und unseres Reichtums viel besser dran. Das ist ungerecht.

Klimagerechtigkeit ist ein Ansatz, darauf zu reagieren. Das kann zum Beispiel heißen, dass reiche Länder für Schäden in armen Ländern aufkommen oder sie mit Wissen, Technologien und Geld dabei unterstützen, sich an die Klimakrise anzupassen. Wir müssen uns auf Konflikte, vielleicht sogar Kriege, um knapper werdende Ressourcen vorbereiten. Und darauf, dass sich wegen solcher Krisen noch viel mehr Menschen auf die Flucht begeben müssen.

Klimaschutz und Menschenrechte gehören zusammen. Viele Menschen, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen, stehen auch für Menschenrechte und zum Beispiel Seenotrettung ein. Die nationalistischen Tendenzen, die gerade stärker werden, sind deshalb umso gefährlicher.

Vor allem müssen die Industrieländer aber Klimaschutz auf eine Weise betreiben, dass tatsächlich weniger Treibhausgase ausgestoßen werden.

Benachteiligte Gruppen trifft die Krise besonders

Und noch etwas: Die ökologischen und sozialen Probleme, die die Klimakrise verursacht, sind nicht überall die gleichen. Aber sie treffen überall die marginalisierten Gruppen besonders stark.

Naturkatastrophen treffen statistisch gesehen zum Beispiel Frauen stärker als Männer, weil sie nicht so gut an Warnsysteme angeschlossen sind oder sich an ungeschützten Orten aufhalten müssen. Nebenbei bemerkt haben Frauen durchschnittlich den geringeren CO2-Fußabdruck.

Aber es geht auch um people of colour, LGBTQ und arme Menschen. Ich finde, dass sich die Klimabewegung deshalb mit den Emanzipationsbewegungen dieser Gruppen verknüpfen sollte.

Dass das schon passiert, ist mir bei vielen Klimabewegungen aufgefallen. Bei Fridays for Future versuchen wir, basisdemokratisch und diskriminierungsfrei in jeder Hinsicht zu arbeiten. Eine besondere Priorität hat bei uns Geschlechtergerechtigkeit: Die meisten von uns nutzen gendergerechte Sprache, bei wichtigen Aufgaben gibt es eine Quote, bei den Plena wird auf Ausgewogenheit auf den Redelisten geachtet.

Auch sonst versuchen wir, möglichst inklusiv zu sein und Hierarchien flach zu halten. Als ich in der Organisation aktiv wurde, war ich überrascht, wie hoch diese und andere Werte hier wirklich gehalten werden. Das hatte ich vorher noch nicht erlebt.

Das Wort Klimagerechtigkeit umfasst sowohl Klimaschutz als auch die politische Komponente des Problems – wir sollten es benutzen und danach leben. Das würde bedeuten: global denken, solidarisch, feministisch, antirassistisch, offen und nachhaltig. Wenn wir damit anfangen, lässt sich die Klimakrise dann nicht automatisch viel einfacher bekämpfen?

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