Ausschreiben statt abkassieren

Die sogenannten Grundversorgungstarife von Strom- und Gas-Anbietern sind meist überteuert. Doch Haushalte mit geringem Einkommen sind quasi in diesen Tarifen gefangen, da sie keine anderen Angebote bekommen. Einen Vorschlag, wie die Grundversorgung verbessert werden kann, haben jetzt Experten der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung vorgelegt.


Eine Kerze in der Dunkelheit
Jedes Jahr wird 330.000 Haushalten in Deutschland der Strom abgestellt, auch weil ein Wechsel aus dem teuren Grundversorgungs-Tarif bei geringem Einkommen kaum möglich ist. (Foto: Hrishikesh Premkumar/​Flickr)

In Deutschland gibt es viele Menschen, die ihre Wohnung nicht ausreichend heizen und kaum ihre Stromrechnung bezahlen können. Diese "Energiearmut" betrifft, je nach Definition, acht bis 25 Prozent der Bürger. Nimmt man einen mittleren Wert, sind rund 13 Millionen Deutsche betroffen. Jedes Jahr wird laut Bundesnetzagentur rund 330.000 Haushalten der Strom abgestellt, das Gas bei 40.000. Es handelt sich also durchaus um ein großes sozialpolitisches Problem.

Experten der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) haben nun einen interessanten Vorschlag gemacht, um hier etwas Druck herauszunehmen: eine kostensenkende Ausschreibung der teuren Grundversorgung bei Strom und Gas, in der die meisten "Energiearmen" ihre Energie beziehen.

Strom- und Gaskunden können seit der Liberalisierung der Strom- und Gasmärkte den Anbieter frei wählen und damit viel Geld sparen. Trotzdem werden beim Strom immer noch rund 31 Prozent und beim Gas rund 22 Prozent des Verbrauchs über die sogenannte Grundversorgung (GV) geliefert.

Der Grundversorger ist jenes Unternehmen, das in der jeweiligen Region verpflichtet ist, jeden Haushaltskunden zu beliefern (Amtsdeutsch: "Kontrahierungszwang") – und dafür, zumindest im Grundversorgungstarif, spürbar mehr verlangt als der Wettbewerb.

Warum Kunden nicht wechseln, kann mehrere Gründe haben. Sie wollen bewusst im alten Tarif bleiben, sie sind über die Wechselmöglichkeiten in billigere Tarife oder zu einem anderen Anbieter gar nicht informiert – oder aber sie verfügen über eine geringe Bonität und können gar nicht aus der Grundversorgung heraus, da sie von anderen Strom- und Gasversorgern gar keine Vertragsangebote bekommen. Letzteres dürfte für viele "Energiearme" der Grund sein, dass sie in den teuren Tarifen quasi gefangen sind.

Neben dem Preis könnte es andere Kriterien geben

Über die teuren "GV-Tarife" wird seit Langem diskutiert. Die Experten der SPD-nahen Stiftung empfehlen nun, die Grundversorgung für andere Stromanbieter zu öffnen und sie künftig per Ausschreibung zu vergeben. Den Zuschlag soll grundsätzlich der Versorger bekommen, der den günstigsten Strom- und Gaspreis anbietet.

Allerdings könne es sinnvoll sein, auch andere Kriterien aufzustellen, argumentieren die FES-Experten – etwa, dass der neue Anbieter einen Teil der Einnahmen in Energiespar-Maßnahmen bei seinen Kunden investieren muss. Denkbar sind hier zum Beispiel Zuschüsse für LED-Beleuchtung und einen effizienten Kühlschrank oder Beratungsangebote. Das würde die Kosten weiter nachhaltig senken und dem Klimaschutz dienen.

Für die GV-Kunden könnte das spürbare Entlastungen bringen. Die FES-Experten schätzen, dass deren Strom- und Gasrechnungen bundesweit pro Jahr mindestens um 1,15 Milliarden Euro sinken würden. Berechnet ist das auf Grundlage von Erhebungen, wonach in der Grundversorgung der Strom im Schnitt um zwei Cent und das Gas um einen Cent pro Kilowattstunde teurer ist als bei den anderen Anbietern. Zieht man zum Vergleich die günstigsten Energieanbieter auf dem Markt heran, ist das Entlastungspotenzial noch deutlich größer.

Keine Frage, die klassischen "Versorger", die jetzt die Grundversorgung stellen, werden vehement gegen solche Überlegungen ankämpfen. Ihre Profite sind in diesem Segment schließlich höher als im sonstigen Geschäft. Ein Grund, deswegen auf eine Neuregelung zu verzichten, ist das nicht.

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