Japan will 2050 CO₂‑neutral sein

Nach der EU und China hat sich nun auch die große Industrienation Japan vorgenommen, bis 2050 klimaneutral zu werden. Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien sollen dazu auch Atomkraft und die industrielle Nutzung von CO2 beitragen.


Nachtleben in Osaka: Hohe Häuser, Neonschilder
Straßenszene in Osaka: Japan ist oft anders als gedacht. (Foto: Pedro Szekely/​Flickr)

Japan hat sein langfristiges Klimaziel verschärft. Die nach den USA und China drittgrößte Volkswirtschaft der Welt – und der fünftgrößte Treibhausgasproduzent – soll bis 2050 klimaneutral werden, also netto keine Treibhausgase mehr ausstoßen.

Das kündigte der neue Regierungschef Yoshihide Suga jetzt in seiner ersten Rede vor dem Parlament in Tokio seit seinem Amtsantritt im September an. Das bedeutet eine erhebliche Verbesserung gegenüber dem bisherigen Ziel einer Emissionsreduzierung um 80 Prozent bis 2050.

Suga betonte, dass sein Land alle Anstrengungen unternehmen wolle, um "eine ökologische Gesellschaft zu schaffen". Japan strebe dabei eine Führungsrolle in der globalen grünen Industrie an. Klimaschutz werde nicht mehr als Wachstumsbremse gesehen.

Der Premier sagte, die Energiewende werde Veränderungen in der Industriestruktur und der Wirtschaft herbeiführen und ein Wachstumstreiber sein. Der Schlüssel dazu seien Innovationen wie Solarzellen der nächsten Generation sowie die industrielle Nutzung von CO2. Fortschritte im ökologischen Bereich seien auch durch die Digitalisierung möglich.

Bisher hängt Japans Energieversorgung noch stark von Kohle und Erdgas ab. Vor allem die Kohlenutzung soll nun heruntergefahren werden. Eine stabile Energieversorgung will Tokio gewährleisten, indem weiter Energie eingespart wird und die erneuerbaren Energien stark ausgebaut werden.

Auch die Atomkraft will Tokio wieder stärker nutzen, wobei Sicherheit Priorität habe, wie Suga mit Blick auf die Fukushima-Katastrophe im Jahr 2011 erklärte.

Lob von Greenpeace und Großunternehmen

Umweltschützer, aber auch viele große Unternehmen loben die Schärfung des Klimaziels durch Tokio, fordern aber ein entschlosseneres Handeln. Greenpeace verlangte, Japan müsse den Ökostrom-Anteil bis 2030 auf mindestens 50 Prozent erhöhen. 2019 waren es erst rund 19 Prozent – Deutschland im Vergleich erzielte über 40 Prozent.

Eine Unternehmenskoalition von über 150 in Japan tätigen Konzernen, darunter Fujitsu, Ricoh, Apple, Amazon, Takeda und Mitsubishi Estate, begrüßte das Klimaneutralitätsziel für 2050 und schickte bereits einen Vorschlag zur Umsetzung des Vorhabens an die Regierung. Darin wird, analog zu Greenpeace, gefordert, den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix bis 2030 auf 50 Prozent zu erhöhen.

Die Ankündigung des Premiers wird als ein bedeutender Schritt für die internationale Klimapolitik gewertet, nach ähnlich positiven Zeichen aus der EU und China.

Die Europäische Union peilt eine Verschärfung des CO2-Minderungsziels für 2030 auf 55 Prozent an, und Peking hat angekündigt, den "Peak" der Emissionen deutlich auf die Zeit vor 2030 zu ziehen und spätestens 2060 CO2-neutral sein zu wollen.

Im Fall der USA sorgen positive Umfragewerte für den klimaprogressiveren Präsidentschaftskandidaten Joe Biden für Hoffnung. Das alles zusammen könnte eine neue internationale Dynamik für mehr Klimaschutz erzeugen.

"Die Ankündigung von Premierminister Suga ist willkommen. So sieht Führungsstärke im Jahr 2020 aus", kommentierte die Chefin der European Climate Foundation, Laurence Tubiana. "Er erkennt, dass der Weg zu einem Netto-Null-Emissionsziel in eine sichere Zukunft führt, Japan Wettbewerbsvorteile sichert und Hunderttausende neuer Jobs schafft."

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