China: Peking lässt die Steppe ergrünen

Am Rande der Wüste Gobi forstet China derzeit eine riesige Fläche zur "Grünen Mauer" auf, um den Boden und das Klima zu schützen. Trotzdem hat das Land noch einen weiten Weg vor sich.


Aufforstung in China
Aufforstung eines Steilhangs nördlich von Peking. Die Jungpflanzen werden in windgeschützte handgeschichtete Einfassungen aus Bruchstein gesetzt. (Foto: Earnest B/​Wikimedia Commons)

Das Reich der Mitte ist der Einheizer der Welt. China mit seinen knapp 1,4 Milliarden Einwohnern hat die USA – historisch die Nummer eins unter den CO2-Emittenten – bereits 2008 auf diesem Platz überholt. Heute ist das Land vor allem wegen der intensiven Kohlenutzung für rund ein Drittel des globalen Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich – mehr als die USA und die EU zusammen.

Doch China trauen Klimaexperten am ehesten zu, eine Kehrtwende einzuleiten und sie auch durchzuziehen – dank seiner "Green Transition"-Strategie, die im Rahmen der Fünf-Jahres-Pläne verfolgt wird.

Für das Pariser Klimaabkommen hat Peking zugesagt, den CO2-Ausstoß maximal noch bis 2030 anwachsen zu lassen und dann zu reduzieren. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass dieser Punkt bereits früher erreicht werden könnte – laut Forschern der chinesischen Universität Nanjing sogar schon zwischen 2021 und 2025.

Peking hat vor zwei Jahren ganz offiziell einen Plan gegen "Klimaverschmutzung" aufgelegt – unter anderem eine Folge der Smog-Katastrophen, die laut Regierung 1,6 Millionen vorzeitige Todesfälle auslösten. "Wir wollen ein schönes Land aufbauen und zur globalen Sicherheit beitragen", sagte der mächtige Staats- und Parteichef Xi Jinping.

Wie konsequent China ökologische Vorhaben verfolgt, wenn sie einmal als richtig erkannt wurden, zeigt das Projekt der "Grünen Mauer", das bereits seit Ende der 1970er Jahre läuft. Das Ziel: Riesige Teile der Wüste Gobi werden wieder aufgeforstet. Insgesamt wurden bereits 45 Millionen Hektar neu bewaldet – eine Fläche größer als Deutschland.

Die Wüste hatte sich durch Abholzung in den Jahrzehnten davor stark ausgebreitet. Dort soll nun bis 2050 ein 4.500 Kilometer langer und 100 Kilometer breiter grüner "Schutzwall" entstehen. Peking will bis 2050 umgerechnet 12,3 Milliarden Euro in das Projekt stecken. Rund 313 Millionen Menschen haben dadurch Arbeit gefunden, Landflucht und Wanderarbeiter-Bewegung wurden gebremst.

Erfolgreiches Großprojekt

Ökologisch ist die Bilanz ebenfalls sehr positiv: In der Region Peking, so groß wie Bayern, aber mit 130 Millionen Einwohnern, gibt es praktisch keine Sandstürme mehr. Die Biodiversität ist in der "grünen Mauer" wieder im Aufschwung, und – wichtig fürs Weltklima – der wachsende Wald speichert große Mengen Treibhausgase.

Zugleich treibt China den Ökostrom-Ausbau voran wie kein anderes Land. Mehr als ein Drittel der entsprechenden Kraftwerke weltweit entsteht laut der Internationalen Energieagentur dort. 2017 hat das Land so viele neue Anlagen installiert, wie es in Deutschland insgesamt gibt. Nicht nur der Ausbau der Windenergie schreitet voran, bei der Umstellung auf Elektromobilität ist China ebenso Vorreiter.

Vorangehen für Klimaschutz

Es bringt nichts, wenn ein Land allein vorangeht und die anderen dann umsonst von den Ergebnissen profitieren, heißt es immer wieder. Doch Vorreiterstaaten zeigen, dass das      momentan der effektivste Weg aus der Klimakrise ist – und vielleicht der einzige. Eine kleine Serie stellt sechs Beispiele vor.

Präsident Xi kündigte vollmundig an: "Wir werden energiesparende und umweltfreundliche Industrien fördern. Wir treiben die Energiewende voran – hin zu sauberen und hoch effizienten Energiequellen." Trotzdem ist es bis zu diesem "grünen China" noch ein weiter Weg.

Immer noch wird rund die Hälfte aller Kohle weltweit in dem Land verbrannt, und China baut sogar neue Kohlekraftwerke im In- und Ausland. Das Gros der chinesischen Wirtschaft ist nach wie vor abhängig von dieser klimafeindlichsten Form der Energieproduktion.

Solange das so bleibe, sei "nicht von einer nachhaltigen und signifikanten Reduzierung der Emissionen auszugehen", meint Jan Steckel von Berliner Klima-Thinktank MCC. Um dies zu ändern, brauche es beherztes politisches Handeln und einen höheren CO2-Preis.

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