Pläne für ein Drittel mehr Kohlestrom

Rund 1.400 neue Kohlekraftwerke befinden sich weltweit in Planung. Viele der verantwortlichen Unternehmen sitzen in China, aber auch deutsche Konzerne mischen mit.


Kohlekraftwerk in China
Noch immer in Planung: Kohlekraftwerke, hier eines in der zentralchinesischen Provinz Henan. (Foto: Harald Groven/​Flickr)

So sehr Klimaschützer in aller Welt zum Kohleausstieg mahnen: Global gesehen ist er immer noch nicht in Sicht. Die 120 größten Kohlekraftwerksentwickler haben in 59 Ländern 1.400 neue Anlagen in Planung, hat die Umweltorganisation Urgewald aufgeschlüsselt. Werden die klimaschädlichen Kraftwerke wirklich alle gebaut und in Betrieb genommen, entspricht das 33 Prozent mehr Kohlestrom.

Urgewald erhofft sich von der Veröffentlichung der Projektliste, dass den Kohleunternehmen langsam aber sicher das Geld ausgeht. "Unsere Liste gibt Banken und Investoren die nötigen Informationen, um klimafreundlich zu werden", sagt Geschäftsführerin Heffa Schücking.

Mit Uniper, RWE und Dow finden sich auch deutsche Unternehmen auf der Liste. Ein Land fällt allerdings besonders oft als Sitz der großen Kohle-Projektierer auf: China. Ein Fünftel der Unternehmen stammt aus dem Reich der Mitte, und diese planen sogar ein Drittel der gesamten vorgesehenen Kohleleistung.

Erst kürzlich war bekannt geworden, dass innerhalb Chinas der Neubau von Kohlekraftwerken weitergeht, den die Zentralregierung in den vergangenen zwei Jahren im Sinne der Energiewende eindämmen wollte. Fast 20 Prozent der chinesischen Projekte werden jedoch der Ausarbeitung von Urgewald zufolge gar nicht in China gebaut.

"Afrikaner wollen saubere Energie"

Besonders Afrika ist ein begehrter neuer Markt für Kohlekraftwerke, sie werden dort oft im Namen der Elektrifizierung gebaut. Ein Kohlekraftwerk muss allerdings etwa 40 Jahre laufen, um sich nach den hohen Investitionskosten überhaupt zu rechnen.

Ein Land bindet sich also lange an die Technologie, wenn sie erst mal eingeführt ist. Und wenn die afrikanischen Staaten sich nach den Zielen aus dem Pariser Klimaabkommen richten wollen, sind damit schmerzhafte Ausstiegsprozesse vorprogrammiert. Lokale Umweltschützer kritisieren deshalb die Kohleprojekte.

Zu ihnen gehört Bobby Peek von der südafrikanischen Umweltorganisation Groundwork. "Es wird Zeit, dass ausländische Investoren und Unternehmen aufhören, in unseren Ländern veraltete Energieprojekte voranzutreiben", sagt Peek. "Die Menschen hier wollen saubere und erneuerbare Energie und keine dreckigen Kohle-Projekte."

Schlüsselstaat Deutschland

Innerhalb von Europa kommt es laut Urgewald vor allem auf Deutschland und Polen an: Die beiden Länder seien zusammen für 53 Prozent der Treibhausgasemissionen aus Kohlekraftwerken innerhalb der Europäischen Union verantwortlich.

Besonders Deutschland als wirtschaftsstarkes Land in der Mitte Europas nimmt mit seinem kohlefreundlichen Kurs inzwischen eine Sonderrolle ein. Zehn EU-Staaten, darunter das frühere Kohleland Großbritannien, haben bereits Pläne für einen Kohleausstieg vorgestellt und ernsthafte Schritte dazu unternommen.

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