Äthiopien: Bäume gegen die Erderhitzung

Äthiopien forstet massiv auf und beteiligt sich an "Afrikas Grüner Mauer". Wie sehr die neuen Bäume dem Klima nützen, hängt aber vor allem davon ab, was nach dem Anpflanzen passiert.


Manager Hyatu in seiner Baumschule in Katbare (Äthiopien).
Baumschule in K'et'bere bei Addis Abeba. (Foto: Trees for the Future/​Flickr)

Es war Material für Schlagzeilen: Die äthiopische Regierung gab Anfang August bekannt, sie habe mit der Hilfe etlicher Freiwilliger mehr als 353 Millionen Bäume gepflanzt, und zwar in zwölf Stunden. Das wäre neuer Weltrekord.

Nach und nach wurden allerdings einige Pannen bei der Zählung der Bäume bekannt und mit ihnen kamen Zweifel am Rekord auf. Für das Guinness-Buch hatte sich Äthiopien aber ohnehin nicht beworben.

Ob nun Weltrekord oder nicht: Äthiopien hat sich in Sachen Aufforstung einiges vorgenommen. Das Land beteiligt sich zum Beispiel an "Afrikas Grüner Mauer". Bei dem Projekt arbeiten 21 afrikanische Staaten an einer Art Riesen-Grünstreifen von Ost- nach Westafrika, der dabei helfen soll, Wüstenbildung und Klimawandel abzumildern.

Im September kündigte die äthiopische Regierung außerdem an, ab jetzt jedes Jahr vier Milliarden Bäume pflanzen zu wollen.

Wie viel das alles bringt, entscheidet sich aber vor allem dadurch, was nach dem Einpflanzen mit den Bäumen passiert. "Es ist sehr gut, dass die Bedeutung von Bäumen und Wäldern für den Klimaschutz immer mehr erkannt wird", sagt Tim Christophersen vom UN-Umweltprogramm Unep.

Nicht nur einfach Bäume pflanzen

Mit dem Anpflanzen sei es aber nicht getan, weil Bäume Kohlenstoff mit dem Wachstum binden, also erst nach und nach. "Die neuen Wälder müssen wie die alten auch gepflegt und geschützt werden, damit sie nicht als Setzlinge im Magen eines Tieres landen oder als größere Bäume auf dem Laster eines Feuerholz-Unternehmens", mahnt der UN-Waldexperte.

Ähnlich sieht das Victorine Che Thöner von Greenpeace Afrika. Bei großen Aufforstungsprojekten gebe es außerdem die Gefahr, dass die neuen Bäume in einer Art und Weise angepflanzt werden, die wieder nicht nachhaltig ist. "Aufforstung darf nicht als Ausrede benutzt werden, um Plantagen anzulegen", sagt die promovierte Forstwissenschaftlerin.

Entscheidend sei auch, auf wessen Land all die Bäume gepflanzt werden. "Es kann nicht sein, dass es einfach der lokalen Bevölkerung weggenommen wird", warnt Che Thöner. Und gleichzeitig komme es auf den Erhalt der bestehenden Wälder an. "Es ist nicht sinnvoll, ständig zur gleichen Zeit Wald zu zerstören und aufzuforsten", sagt sie.

Vorangehen für Klimaschutz

Es bringt nichts, wenn ein Land allein vorangeht und die anderen dann umsonst von den Ergebnissen profitieren, heißt es immer wieder. Doch Vorreiterstaaten zeigen, dass das      momentan der effektivste Weg aus der Klimakrise ist – und vielleicht der einzige. Eine kleine Serie stellt sechs Beispiele vor.

In Äthiopien gibt es sogar Regenwald, dessen alte, große Bäume besonders viel Kohlenstoff enthalten. Es ist allerdings nur noch ein Bruchteil des ursprünglichen Bestands übrig. Weil in Äthiopien viel auf Feuer gekocht wird, ist Holz für die Menschen ein wichtiger Rohstoff.

Das Land steht freilich auch vor ganz anderen Herausforderungen: 72 Prozent der Bevölkerung leben von umgerechnet weniger als zwei US-Dollar am Tag, 76 Prozent haben keinen Zugang zu Strom. Äthiopien, landwirtschaftlich geprägt, will eine moderne Industrienation werden – und modern heißt in Zeiten der Klimakrise erneuerbar.

Seine Elektrifizierung will das Land vor allem durch riesige Wasserkraftwerke vorantreiben. Das sorgt auch für Konflikte, schließlich sind solche Bauprojekte mit massiven Eingriffen in die Umwelt verbunden. Vor allem Ägypten beklagt sich, dass anderen Staaten durch monströse Staudämme Wasser verloren gehe.

Geht der Plan der äthiopischen Regierung aber auf, soll das Land künftig Strom exportieren – und zum Kraftwerk Ostafrikas werden.

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