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Die Welt tut immer noch viel zu wenig gegen die Klimakrise

Noch immer steigen die globalen Treibhausgasemissionen. Dabei müssen sie in den nächsten acht Jahren um 40 Prozent sinken, um die Erwärmung bei 1,5 Grad stoppen zu können. Um diese Trendwende zu schaffen, reichen kleine Verbesserungen nicht mehr aus.


Großer Industriepark im Gebirge, Kühltürme und Schornsteine von Kraftwerken und Industrieanlagen stoßen sehr viel weißen Dampf und orangefarbenen sowie grauen Rauch aus.
Der Aufbau einer klimafreundlichen Industrie, die ebensolche Produkte erzeugt, ist bisher in keinem Wirtschaftssystem gelungen. (Foto: Andreas Habich/​Wikimedia Commons)

"Während die Energiewende an Fahrt gewinnt, zeichnet sich ein klareres Bild unserer wahrscheinlichen Klimazukunft ab: Wir sind noch lange nicht auf dem Weg, unsere Klimaziele zu erreichen, aber weitaus besser als in den schlimmsten Szenarien von vor einem Jahrzehnt", sagt der Klimawissenschaftler Zeke Hausfather.

Damals war eine Erwärmung um drei bis vier Grad durchaus möglich. Weil immer mehr Länder Klimaschutz betreiben, ist es inzwischen gelungen, die Emissionen beinahe zu stabilisieren.

In den letzten Monaten haben etwa die USA mehrere milliardenschwere Klimagesetze verabschiedet, die EU will wegen des Kriegs in der Ukraine die Emissionen stärker senken als bislang geplant und Australien und Brasilien haben Klimaleugner abgewählt.

Doch ein neuer Bericht des UN-Umweltprogramms Unep zeigt, dass all dies nicht ausreicht: Es wurde bislang "kein glaubwürdiger Pfad" geschaffen, um die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

Mit den bestehenden Klimazielen der Länder wird die Temperatur zum Ende des Jahrhunderts um 2,4 Grad höher liegen als zu Beginn der industriellen Revolution. Und auch das nur, wenn alle Länder ihre Klimaziele für 2030 erreichen und die ärmeren Länder genügend Unterstützung für den Klimaschutz erhalten. Damit lägen die globalen Emissionen im Jahr 2030 bei 52 Milliarden Tonnen CO2.

Um die Erwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen, müssten die Emissionen allerdings um 40 Prozent niedriger liegen. Aus Sicht von Unep-Chefin Inger Andersen sind deshalb kurzfristige, drastische Emissionsreduktionen erforderlich: "Wir hatten unsere Chance, schrittweise Veränderungen vorzunehmen, aber diese Zeit ist vorbei. Nur eine tiefgreifende Umgestaltung unserer Wirtschaft und Gesellschaft kann uns vor einer sich beschleunigenden Klimakatastrophe bewahren."

Diese Transformation müsse alle Sektoren umfassen, von der Stromerzeugung über Industrie, Verkehr und Gebäude bis zu Landwirtschaft und Finanzwesen.

Rekordwerte auch bei Methan und Lachgas

Zudem reicht es nicht, nur die CO2-Emissionen zu senken. Die neuesten Zahlen der Weltwetterorganisation WMO zeigen, dass der Methangehalt in der Atmosphäre letztes Jahr stärker angestiegen ist, als je zuvor gemessen wurde.

Warum das so ist, muss allerdings noch geklärt werden: "Der Grund für diesen außergewöhnlichen Anstieg ist nicht klar, scheint aber sowohl auf biologische als auch auf vom Menschen verursachte Prozesse zurückzuführen zu sein", schreibt die WMO.

Die Emissionen von Lachgas, dem drittwichtigsten Treibhausgas, haben sich ebenfalls beschleunigt.

Auch WMO-Chef Petteri Taalas fordert daher eine systemweite Transformation. Gleichzeitig sagt er aber auch: "Die erforderlichen Veränderungen sind bezahlbar und technisch machbar."

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