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Ebbe im Rhein

Ausbleibender Regen und Hitzewellen sorgen für Niedrigwasser auf Europas wichtigster Wasserstraße. Die Binnenschifffahrt stellt das vor große Probleme, kritisch ist es bereits für den Kohletransport.


Blick auf den Rhein mit sehr niedrigem Pegelstand
Im Dürresommer 2018 – hier eine Aufnahme vom Rhein – sanken die Pegel so stark, dass der Schiffstransport zum Erliegen kam. (Foto: Markus Distelrath/​Pixabay)

Erinnerungen an den Dürresommer 2018 werden wach. Der Rhein und andere Wasserstraßen führen derzeit nur wenig Wasser, und die Pegelstände drohen weiter zu sinken, weil es kaum regnet.

Das stellt die Binnenschifffahrt vor große Probleme. Die Transportschiffe können wegen des knappen Wassers unter dem Kiel weniger Ladung mitnehmen, was die Kosten insgesamt deutlich erhöht. Es trifft aktuell vor allem die Energiebranche.

So schlimm wie 2018 ist es noch nicht. Der Pegelstand des Rheins zum Beispiel betrug an der kritischen Stelle Kaub zwischen Mainz und Koblenz am heutigen Montagmittag 68 Zentimeter. In dem Extremjahr waren es im Oktober nach einer langen Dürreperiode sogar nur 25 Zentimeter gewesen.

Der Schiffstransport war damals komplett zum Erliegen gekommen, denn ab einem Pegelstand von 40 Zentimetern ist eine Durchfahrt nicht mehr möglich.

Der Rhein ist Europas wichtigste Wasserstraße. Er verbindet große Wirtschaftszentren wie Rotterdam, Duisburg, Ludwigshafen und Basel. Er ist vor allem in West- und Süddeutschland von großer Bedeutung für die Energieversorgung, weil er unter anderem Kohlekraftwerken und Raffinerien als Transportweg dient. Auch die Chemieindustrie nutzt hier den Wasserweg intensiv, unter anderem die BASF.

Kritisch ist es bereits für die Kohleversorgung. Die Schiffe, die die Kraftwerke rheinaufwärts versorgen, können laut dem Verein der Kohlenimporteure nur noch 30 bis 40 Prozent der normalen Ladung aufnehmen. Beim Essener Stromerzeuger Steag heißt es, die Kohlebeschaffung dauere länger als bei normalen Pegelständen.

Der Stromkonzern EnBW, der Kraftwerke an sieben Standorten in Baden-Württemberg betreibt, aber auch in Nordrhein-Westfalen vertreten ist, spürt ebenfalls die knapperen Liefermengen. Man könne das aber noch abfedern, weil man die Brennstoffvorräte bei den Kraftwerken aufgebaut habe.

Unternehmen erwarten steigende Frachtkosten

Der Branchenverband der Mineralölindustrie, Fuels und Energie (En2x), der Konzerne wie BP, Total oder Shell vertritt, sieht das aktuelle Niedrigwasser ebenfalls mit Sorge. "Unsere Mitgliedsunternehmen können weiterhin alle Transporte bedienen, aber die Versorgung ist anspruchsvoller geworden", teilte En2x gegenüber dem Sender NTV mit. "Wir beobachten die Lage weiterhin genau."

Der Zentralverband des Tankstellengewerbes erwartet, dass die Frachtkosten wegen der niedrigen Zuladung steigen und bei weiterer Zuspitzung der Lage Schiffsfracht durch Lkw-Transporte ersetzt werden muss. Es drohe dann eine Situation wie 2018, als zu wenig Lkw für die Spritversorgung zur Verfügung standen und einigen Tankstellen etwa in NRW zeitweise der Sprit ausging.

Auch die Chemieindustrie musste bereits einen Teil der Transporte auf Lkw und Bahn verlagern. Die Einschränkungen bei der Binnenschifffahrt verschärften die Engpässe bei Vorleistungen, verlängerten die Lieferzeiten und führten zu steigenden Frachtkosten, teilte der Branchenverband VCI auf Anfrage mit.

Bis dato kämen die Unternehmen zwar noch mit der Lage zurecht. "Aber eine Verlagerung ist auch nicht so einfach, weil Lkw-Fahrer fehlen, Laderaum knapp ist und der Gütertransport mit der Bahn durch zahlreiche Baustellen ebenfalls sehr angespannt ist. Bleibt der Wasserstand im Rhein niedrig oder sinkt weiter, werden sich diese Schwierigkeiten verstärken."

Bundesweit transportieren die Chemiefirmen rund elf Prozent ihrer Jahresproduktion von 70 Millionen Tonnen mit Binnenschiffen.

Chemiebranche "besser vorbereitet"

Laut VCI sind die Unternehmen seit dem extremen Niedrigwasser im Rhein 2018 besser vorbereitet, weil sie ihre Transportkonzepte angepasst haben und die Wasserstandsvorhersagen der Behörden deutlich besser geworden sind.

Wegen der Erfahrungen damals experimentiert die Branche teilweise auch mit sogenannten Niedrigwasserschiffen, die einen geringeren Tiefgang haben. Von diesen Modellen existieren bisher nur wenige. Die Versorgung der Chemieindustrie darauf umzustellen, würde laut dem Verein für europäische Binnenschifffahrt (VBW) allerdings Investitionen von über eine Milliarde Euro erfordern.

Dass das nötig wird, ist aber durchaus denkbar, denn Hitzewellen und Dürren treten wegen des Klimawandels häufiger und länger auf. Ob der Sommer in diesem Jahr so dramatisch wird wie in den Trockenjahren 2018 bis 2020, ist noch unklar.

Seit dem Frühjahr gab es in Deutschland zu wenig Regen, und auch der Juli ist bisher zu trocken. Der europäische Wetterdienst ECMWF erwartet, dass auch der August zwei bis drei Grad wärmer als normal wird und kaum Regen fällt.

Die Wetterlage ist derzeit festgefahren. Es liegt ein großes Hoch auf dem Atlantik vor Europa, das Regentiefs quasi aussperrt. Zwar kommt es ab und an zu Regenschauern oder Gewitter, diese können die Dürre jedoch nicht beenden.

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