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Strahlend grün

Atomkraft und Erdgas bekommen ein Öko-Label. Wie absurd ist das denn?


Gelbes Radioaktivitäts-Zeichen vor schwarzem Hintergrund.
Fukushima ist zehn Jahre her – Atomkraftwerke sind weder sicherer noch billiger geworden. (Foto: Slightly Different/​Pixabay)

Atomkraftwerke sind öko, grün, nachhaltig. Sie sollen von der EU dieses 1a-Label bekommen. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Strahlengefahr? Atommüll, der eine Million Jahre sicher endgelagert werden muss? Riesige Umweltschäden durch den Uranerz-Bergbau? Das alles scheint die EU-Kommission nicht zu interessieren. Sie stellt die Reaktoren ebenso wie neue Erdgaskraftwerke in ihrem "Taxonomie"-Vorschlag auf eine Ebene mit Solar- und Windkraftanlagen.

Investoren sollen ihr Geld in die Atomkonzerne stecken können, weil sie damit ja etwas für das Ziel der Klimaneutralität tun – und das auch noch guten Gewissens. Absurder gehts kaum.

Die Entscheidung war und ist umstritten. Die EU-Kommission hat sie erst verschoben und ihren Vorschlag nun just am Neujahrstag veröffentlicht, vielleicht in der Hoffnung, eine vom Silvesterfeiern noch etwas umnebelte Öffentlichkeit werde nicht richtig mitkriegen, was da läuft.

Tatsächlich ging es gar nicht um eine objektive Bewertung klimafreundlicher Energiealternativen, sondern um Industrie- und Machtpolitik.

Vor allem Frankreich machte gewaltig Druck auf die Kommission, die Atomtechnik grün anzustreichen – jenes Land, das die Energiewende weitgehend verschlafen hat, bei Strom zu 70 Prozent vom Atom abhängig ist und dessen Präsident öffentlich einräumte, die zivile Kernkraft sei für Frankreich nötig, um Atommacht bleiben zu können.

Deine Atomkraft, mein Erdgas

Die Kommission hat dem Druck nachgegeben. Es ist ein Deal, der es scheinbar allen recht macht. Denn auch Deutschland als zweites EU-Kernland bekommt, was es will: das Öko-Label für Erdgas-Kraftwerke, die laut Ampel-Koalition als Übergangstechnik gebraucht werden, bis genügend Solar- und Windparks sowie Stromspeicher und -Netze da sind.

Immerhin macht Brüssel hier ambitionierte Vorgaben, die die Energiewende zumindest nicht verbauen. Die Anlagen müssen Wasserstoff-tauglich sein, und es gelten Anforderungen, sie bereits ab 2026 mit CO2-armen Gasen zu betreiben.

Die Taxonomie wird so durchkommen. Das vorauszusagen ist keine Hellseherei. Es bräuchte 20 EU-Länder oder mehr, um sie zu Fall bringen. Das ist nicht in Sicht, und nicht einmal das Atomaussteiger-Land Deutschland wird groß Front dagegen machen, dem pflichtschuldigen Protest der Grünen-Minister:innen Habeck und Lemke zum Trotz.

Ein Trost ist nur, dass die Atomkraft nach allem, was man weiß, trotz des grünen Etiketts künftig nur eine Nebenrolle spielen wird. Sie ist, verglichen mit den Alternativen, einfach zu teuer. Und die meisten Investoren können rechnen.

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