Wenn die Haseln Kätzchen tragen, ist der Vorfrühling da – in diesem Jahr schon Ende Januar, also deutlich früher als im langjährigen Mittel. (Bild: Alicja Polski/​Pixabay)

"Frühling. Wir wären dann so weit." So steht es an der Tür der Nachbarn. Ein schöner Spruch.

Immer Anfang März hängen sie ihn raus, in der Hoffnung, den garstigen, frostigen, dunklen Winter ein bisschen schneller zu vertreiben, der zumindest laut Kalender sein Unwesen ja noch bis zum 20. Tag des Monats treibt.

Diesmal waren sie damit ein wenig spät dran. Denn schon der Februar machte in Frühling. Meist war es warm wie sonst erst im April, im Rheinland blühten die Osterglocken schon zum Karneval, im oberbayerischen Rosenheim wurden Mitte des Monats sogar 18,8 Grad erreicht.

Die Fachleute bestätigen das Gefühl, dass es so etwas noch nicht gab, mit Zahlen. "Beispiellos" sei der Februar gewesen, schreibt der Deutsche Wetterdienst. Die Durchschnittstemperatur lag in Deutschland bei 6,6 Grad plus und damit um 6,2 Grad höher als in der gültigen Referenzperiode von 1961 bis 1990. Damals waren 0,4 Grad normal.

Selbst für einen März wäre dieser Februar noch zu warm gewesen. Wir haben den schneeärmsten zweiten Monat erlebt, und den frühesten Vegetationsbeginn, den es je gab, viele Orte im Westen der Republik blieben sogar völlig frostfrei.

Natürliche Schwankungen im Klimasystem gelten als eine Ursache, so das aktuelle Wetterphänomen El Niño, das die Temperaturen weltweit anhebt. Doch es ist ziemlich klar, dass Haupttreiber der ungebremste Klimawandel ist.

Klagen hört man kaum

In diesem Februar jedenfalls schien es, als sei Deutschland in eine andere Klimazone gerutscht. Auch der gesamte Winter war schon warm, mit vier Grad im Mittel, was dem drittwärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen entspricht.

Klagen über diese Seite des Klimawandels freilich hört man kaum, außer vielleicht in den Skigebieten, die mit Schneemangel zu kämpfen haben. Die meisten freuen sich eben, wenn man nicht dick vermummt durch die Straßen laufen müssen und Schneeglöckchen schon Ende Januar als Bote besserer Zeiten aus der Erde schauen.

Joachim Wille ist Co-Chefredakteur des Online-Magazins Klimareporter°.

Wenn die Klimaveränderungen im Sommer zuschlagen, ist das anders. Hitzewellen, extreme Trockenperioden oder Sturzregen-Ereignisse haben ein anderes Kaliber. Irgendetwas Positives kann man ihnen nicht abgewinnen.

Trotzdem ist der Februar ein Signal dafür, wie schnell sich das Klima binnen einer Generation geändert hat. Dass dieser Monat noch einmal wie 1956 mit einer Durchschnittstemperatur von minus 9,6 Grad aufwartet, also volle 15 Grad unter der vom Februar 2024, ist praktisch ausgeschlossen. Es sei denn, der Golfstrom kippt.

 

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