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Ein "Schaukelsommer"

Der diesjährige Sommer war zum Glück bei Weitem nicht so extrem wie die von 2018 und 2019, aber das bedeutet keine Entwarnung an der Klimafront. Um die Dürrejahre wettzumachen, reichen durchschnittliche Niederschläge nicht aus.


Ein Kind schaukelt.
Der diesjährige Sommer begann verhalten, liegt aber am Ende fast zwei Grad über dem Mittelwert der üblichen Referenzperiode. (Foto: J. R. Whip/​Pixabay)

Die Sommer der beiden letzten Jahre waren extrem. Jeder erinnert sich noch daran. Der Dürresommer 2018 brachte verbrannte Felder, fast trockene Flüsse, ein neues Waldsterben.

Im Jahr darauf plagte uns die Hitze. Am 25. Juli wurde mit 42,6 Grad in Lingen im Emsland sogar ein neuer Temperaturrekord aufgestellt.

Von einem dritten Extremsommer in Serie sind wir zum Glück verschont geblieben, wie jetzt auch die Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Offenbach zum Start des meteorologischen Herbstes am 1. September zeigt. Dafür gab es einen "Schaukelsommer", und zu trocken sind die Böden tief unten immer noch.

Trotz der zuletzt in vielen Regionen Deutschlands heftigen Regenfälle waren die Monate Juni, Juli und August laut DWD unter dem Strich zu warm und etwas zu trocken. Mit einer Durchschnittstemperatur von 18,2 Grad Celsius lagen sie um 1,9 Grad über dem Mittelwert der Referenzperiode 1961 bis 1990, die international als Basis für Vergleiche genutzt wird.

Gegenüber der bereits wärmeren Vergleichsperiode 1981 bis 2010 waren es immer noch 1,1 Grad Plus. Die Hitzesommer 2018 und 2019 hingegen hatten den Mittelwert der Referenzperiode sogar um rund drei Grad überschritten – mit 19,3 und 19,2 Grad.

Dabei startete dieser Sommer eher verhalten, also eher so, wie man den deutschen Sommer von früher kennt. Stabile hochsommerliche Phasen waren, schreiben die Wetterexperten, "eine Seltenheit". Kühle und warme Phasen wechselten sich ab. Der DWD spricht von einem "Schaukelsommer". Erst im August kam es dann praktisch landesweit zu einer mehrtägigen Hitzewelle mit Temperaturen von über 35 Grad, wie man sie von 2018 und 2019 in Erinnerung hat.

Die deutschlandweit höchste Temperatur wurde am 9. August in Trier-Petrisberg gemessen – mit 38,7 Grad fast vier Grad unter dem Rekord von 2019. Die niedrigsten Frühtemperaturen wurden in diesem Sommer am 1. Juni registriert. Es waren "frische 0,5 Grad" an der Messstation Stiege bei Elbingerode.

So viel Regen wie sonst immer ist zu wenig

Und die Niederschläge? Anders als 2018 und 2019 fiel der aktuelle Sommer hier in der Gesamtbilanz fast normal aus. Mit rund 230 Litern Regen pro Quadratmeter im bundesweiten Mittel habe er sein "Soll" von 239 Litern in diesem Jahr nur leicht verfehlt, so der DWD.

Die Wetterexperten betonen aber: "Oftmals lagen Starkregenfälle mit Überflutungen und anhaltende Trockenheit nah beieinander." In einigen Regionen, zum Beispiel der Uckermark, der Leipziger Tieflandsbucht, dem Saarland und entlang des Rheins, fiel danach mit 70 bis 100 Litern weniger als die Hälfte der dort typischen Niederschlagsmenge.

Andernorts gab es Dauerregenfälle, die auch Hochwasser brachten, wie Anfang August in Oberbayern mit bis zu 150 Litern Niederschlag in 24 Stunden. Insgesamt wurden laut DWD an den Alpen über den Sommer hinweg mehr als 700 Liter gemessen – zehnmal so viel wie in den trockenen Regionen Deutschlands.

Dass der 2020er Sommer "normaler" ausfiel als die Extremsommer vorher, bedeutet in puncto Klimawandel freilich keine echte Entspannung. An der langjährigen Tendenz, dass die Sommer in Mitteleuropa heißer werden, hat sich nichts geändert.

"Was früher ein extrem heißer Sommer war, ist heute ein normaler, durchschnittlicher Sommer", heißt es in einer Analyse, die der DWD zusammen mit seinen schweizerischen und österreichischen Schwesterorganisationen Meteo Schweiz und ZAMG jüngst vorgelegt hat.

Diese Entwicklung werde sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen. "Bei weltweit unverändertem Ausstoß von Treibhausgasen werden Sommer, die heute für uns extrem heiß sind, Ende des Jahrhunderts der Normalfall sein."

Hoffen auf feuchten, milden Winter

Bemerkbar macht sich die veränderte Lage auch am Wasserdefizit in den Böden, das sich in den letzten Jahren deutlich verschärft hat. So zeigt der aktuelle "Dürremonitor" des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ), dass die Böden mit Ausnahme des Alpenvorlandes fast flächendeckend bis in tiefere Schichten ausgetrocknet sind.

UFZ-Klimaexperte Andreas Marx sagte Klimareporter°: "Darunter leidet vor allem der Wald, weil der Dürrestress bereits in der dritten Vegetationsperiode in Folge anhält. Auch die Grundwasserstände sinken weiter, da jetzt erst einmal der Bodenspeicher mit Wasser gefüllt werden muss." Nur in den oberen Bodenschichten hat sich die Lage etwas entspannt.

Eine Chance auf Normalisierung gibt es Marx zufolge nur, wenn im kommenden Winterhalbjahr überdurchschnittlich hohe Niederschläge fallen – und das wegen des seit 2018 angehäuften großen Bodenwasserdefizits über mehrere Monate hinweg.

Dabei dürfe es aber keine zu langen Frostperioden geben, so der Experte. Das Wasser könne bei Frost nämlich nicht in den Boden eindringen.

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