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Die Lücke wird immer größer

Kurz vor dem Klimagipfel in Madrid legt das UN-Umweltprogramm düstere Zahlen vor. Der globale Treibhausgas-Ausstoß steigt ungebremst, zeigt der aktuelle Unep-Bericht. Um die Paris-Ziele einzuhalten, müssen die Länder ihre Anstrengungen um das Fünffache steigern und ihre Emissionen ab 2020 um knapp acht Prozent senken – jedes Jahr.


Gaskraftwerk bei Nacht
Gaskraftwerke gelten vielen als das kleinere Übel auf dem Weg in eine klimafreundliche Zukunft. Das macht sie noch nicht zu etwas Gutem. (Foto: Johannes Plenio/​Pixabay)

Wenn die Klimadiplomaten der Welt sich kommende Woche in Madrid treffen, reisen sie mit schwerem Gepäck an. Nichts anderes als düster sind die Berichte zu Klima und Klimapolitik, die gleich zwei wichtige Organisationen der Vereinten Nationen im Vorfeld der UN-Klimakonferenz COP 25 vorgelegt haben.

Am gestrigen Montag legte die Weltmeteorologieorganisation WMO aktuelle Zahlen zur Treibhausgas-Konzentration in der Atmosphäre vor. Auch 2018 wurde demnach wieder ein neuer Rekordwert erreicht – und der Anstieg verläuft schneller als noch vor zehn Jahren.

Nun folgt am heutigen Dienstag der diesjährige Bericht des UN-Umweltprogramms Unep zu den globalen Emissionen. Auch hier ist erneut ein Anstieg zu verzeichnen. Auch hier muss von Rekordwerten gesprochen werden.

Und auch hier ist keinerlei Trendwende in Sicht. "Es gibt keine Anzeichen, dass die Treibhausgas-Emissionen in den nächsten Jahren ihren Peak erreichen werden", heißt es in dem "Emissions Gap Report 2019" des Unep.

Durch Nichtstun wird der Bremsweg immer kürzer

Um zwei Prozent sind die CO2-Emissionen 2018 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen – auf nunmehr 37,5 Milliarden Tonnen. Und das sind nur diejenigen Emissionen, die durch die Verbrennung fossiler Energieträger und in der Industrie entstehen.

Zählt man sämtliche Klimagase – also auch Methan und Lachgas – dazu, wächst die Menge an klimaschädlichen Emissionen, die 2018 ausgestoßen wurden, auf 55,3 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent.

Das ist ein Anstieg um 1,5 Prozent gegenüber 2017. Damals waren es 53,5 Milliarden Tonnen. Im Jahr davor, 2016, waren es 52,7 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent.

Durch den ungebremsten Anstieg der Emissionen wird die Lücke – englisch gap – noch größer, die zu überbrücken wäre, wenn man die Erderwärmung, wie im Paris-Abkommen vereinbart, auf ein noch beherrschbares Ausmaß begrenzen will.

Im Jahr 2030 müssten die Emissionen um 15 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalent geringer sein, als es die Staaten mit ihren Klimaplänen bislang versprochen haben, um das Zwei-Grad-Limit einzuhalten.

Soll das 1,5-Grad-Ziel eingehalten werden, müssten die Emissionen 2030 sogar 32 Milliarden Tonnen geringer sein, rechnet der Report vor.

"Unser kollektives Versagen, frühzeitig und entschlossen zu handeln, führt dazu, dass wir jetzt viel tiefere Einschnitte bei den Emissionen vornehmen müssen", sagt Inger Andersen, die in diesem Jahr das Amt als Unep-Chefin übernahm.

"Wir müssen die Jahre aufholen, die wir vertrödelt haben"

Wie tief diese Einschnitte sein müssen, auch das rechnet der Report vor. Für das 1,5-Grad-Limit müssen die weltweiten Emissionen demnach von 2020 bis 2030 jährlich um stolze 7,6 Prozent sinken – während sie bislang doch nur steigen und steigen.

Dafür muss das Ambitionsniveau der nationalen Klimabeiträge, die die Länder für das Paris-Abkommen eingereicht haben, um mindestens das Fünffache steigen. Eine schier astronomische Zahl.

Andersen drängt deshalb zur Eile. "Die Länder können nicht einfach bis Ende 2020 warten", sagt sie. Dann sollen die Staaten neue und verbesserte Klimaziele vorlegen. Die bisher eingereichten Ziele laufen, wenn man sie zusammenrechnet, nur auf eine Begrenzung der Erderwärmung auf bestenfalls drei Grad hinaus.

Doch Ende 2020 sei zu spät, sagt Andersen. "Wir müssen die Jahre aufholen, die wir vertrödelt haben." Sollte dies nicht geschehen, wäre das 1,5-Grad-Ziel noch vor 2030 außer Reichweite.

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