FDP: Einfach nicht durchdacht

Die FDP sieht sich nach der Wahl im Südwesten im Aufwind. Klimapolitisch setzen die Liberalen voll auf Wasserstoff, wollen sogar eine "Europäische Wasserstoffunion" gründen. Wie passt das eigentlich zu dem FDP-Mantra, die erneuerbaren Energien lieber kleinzuhalten?


Vielleicht muss man die FDP nach ihrem Wahlerfolg in Baden-Württemberg ja doch ernst nehmen? Mit Blick auf die Liberalen sagte SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz nach der Wahl: "Es sind Regierungsbildungen ohne die CDU/CSU in Deutschland möglich."

Ob das eine Drohung war? Befassen wir uns also mit der FDP. Und hier aktuell mit Michael Theurer (Ausriss links).

Theurer ist seit 2017 Mitglied im Deutschen Bundestag und stellvertretender FDP-Fraktionsvorsitzender. Im Autoländle Baden-Württemberg ist er seit acht Jahren Vorsitzender der FDP.

Auf Facebook (Ausriss unten) erklärte der Beisitzer des Präsidiums der FDP-Bundespartei zum jüngsten Autogipfel:

"Mit synthetischen Kraftstoffen ließen sich die eine Milliarde im Einsatz befindlichen Verbrenner klimaneutral machen."

Daumen hoch?

Aber Herr Theurer, doch nur, wenn die "synthetischen Kraftstoffe" – es geht um die Wasserstofftechnologie – zu 100 Prozent aus erneuerbarem Strom gewonnen werden! Notwendig ist sogenannter "Grüner Wasserstoff", denn zur Wasserstoff-Herstellung ist viel Energie notwendig – und die ist nur klimaneutral, wenn sie via Wind, Sonne oder Wasserkraft CO2-frei hergestellt wird.

Analog zur Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl in den 1950ern eine Europäische Wasserstoffunion gründen, fordern Sie? 

Ähhh, stopp! Zuerst einmal bräuchten wir genügend Wind- und Sonnenstrom! 2020 kamen erst 47 Prozent der in Deutschland verbrauchten Elektrizität aus erneuerbaren Quellen – bisher ist schlicht kein erneuerbarer Strom übrig, um daraus Verbrenner mit synthetischen Kraftstoffen klimaneutral zu machen. Wir bräuchten dafür einen radikalen Ausbau von Windkraft, Photovoltaik und Co.

Wofür die FDP plädiert? Eine Auswahl von vier Minuten Recherche im Netz:

fdp6 5706 

Arnsberg liegt in Nordrhein-Westfalen.

fdp3 5705 

... der Zeitungsausschnitt stammt aus dem Jahr 2017.

fdp4 5704 

... das ist aktuelle Beschlusslage der FDP in Theurers Bawü-Fraktion.

FDP9 5703 

... so argumentiert die FDP in Hessen.

fdp5 5702 

... das ist die Forderung der Bundespartei. (Abstandsregeln haben den Ausbau der Windkraft zuletzt nahezu unmöglich gemacht. Zudem sind sie strittig, weil die Abstände stellenweise größer sind als zu Atomkraftwerken.)

FDP8 5701 

fordert der forstpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.

Und hier noch die Entwicklung in NRW, wo die FDP mit der CDU regiert:

FDP7 5700 

Mit synthetischen Kraftstoffen eine Milliarde Verbrenner klimaneutral machen? Michael Theurer argumentiert, den "Grünen Wasserstoff" könne man ja aus Portugal, Nordafrika, Südamerika oder dem arabischen Raum importieren, wo er mittels Photovoltaik hergestellt werden kann.

Dumm nur, dass in diesen Ländern nicht annähernd so viel Grünstrom im Netz ist wie in Deutschland. Dem Klimaschutz wäre mit solch einer Importinitiative deshalb in keiner Weise geholfen, die FDP-Idee ist einfach nicht durchdacht.

Daumen runter!

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