Marokko: Unabhängig mit Wüstenenergie

Marokko hat sich zum Vorreiter bei der Solarenergie entwickelt – auch, um bei der Stromproduktion weniger abhängig vom Ausland zu sein.


Das Solarkraftwerk Ouarzazate aus dem Weltraum.
Das Solarturmkraftwerk Ouarzazate soll erst der Anfang sein. (Foto: ESA Copernicus Sentinel-2A/Wikimedia Commons)

Desertec hieß die Vision vom Strom aus der Wüste. Große Solar- und Windkraftwerke sollten in der Sahara gebaut und die gewonnene Elektrizität per Fernleitung nach Europa geleitet werden. Doch dieses Mega-Projekt, das vor allem von deutschen Konzernen und Banken vorangetrieben worden war, platzte 2014.

Die Vision indes lebt weiter – und ist zum Teil Realität geworden. Unter anderem im nordafrikanischen Vorreiterland der Solarenergie: in Marokko.

Marokko baut die erneuerbaren Energien Wind, Sonne und Wasserkraft seit Beginn dieses Jahrzehnts kräftig aus. Bis 2020 will das Land den Öko-Anteil an der Stromerzeugungskapazität auf 42 Prozent steigern, bis 2030 sollen es 52 Prozent sein.

Vor allem die Solarenergie ist neben der Windkraft der Hauptmotor dieser Entwicklung. Riesige Solarkomplexe am Rande der Sahara in Ouarzazate und Midelt sind die Leuchtturmprojekte des von der Regierung erdachten "Noor"-Solarplans, teils sind sie schon in Betrieb. Noor ist das arabische Wort für Licht. Zudem hat Marokko an der Atlantikküste eine Reihe Windparks aufstellen lassen.

Die insgesamt fünf Solarwärme-Kraftwerke, die dank Wärmespeicher rund um die Uhr Strom liefern können, sollen im Endausbau einen Großteil der Stromversorgung des Landes übernehmen – und das ohne höhere Kosten. Die Kilowattstunde wird bei dem im Bau befindlichen Kraftwerk Midelt 1 nur noch umgerechnet sechs Eurocent kosten.

Regelbarer Solarstrom wird dann erstmalig mit Strom aus Gaskraftwerken konkurrieren können. Experten glauben, dass sich damit auch vielen anderen Ländern im Sonnengürtel der Erde die Chance auf einen Durchbruch bei Klimaschutz und wirtschaftlicher Entwicklung bietet.

CO2-Ausstoß beispielhaft niedrig

Unter anderem diese Strategie hat Marokko einen Spitzenplatz im Klimaschutz-Ranking des "Climate Action Tracker" eingebracht, der die tatsächliche politische Umsetzung von Klimaschutzprogrammen betrachtet.

Marokko kommt dabei zugute, dass der CO2-Ausstoß seiner Bevölkerung sehr niedrig ist. Es sind im Schnitt pro Kopf nur 1,7 Tonnen. Zum Vergleich: Deutschland erreicht mehr als neun, die USA über 16 Tonnen. Die marokkanischen Emissionen sind bisher nur leicht angestiegen. Experten erwarten, dass sie unter zwei Tonnen pro Kopf und Jahr bleiben werden, dem langfristig für alle Menschen weltweit verträglichen Niveau.

Anders als viele andere nordafrikanische oder arabische Länder hat Marokko keine Vorkommen an Erdöl oder Erdgas, das exportiert werden könnte. Es gibt daher, im Gegensatz zu Ölländern wie etwa Saudi-Arabien, keinerlei ökonomische Interessen, den Absatz fossiler Energien durch Bremsen der internationalen Klimapolitik zu stabilisieren.

Vorangehen für Klimaschutz

Es bringt nichts, wenn ein Land allein vorangeht und die anderen dann umsonst von den Ergebnissen profitieren, heißt es immer wieder. Doch Vorreiterstaaten zeigen, dass das      momentan der effektivste Weg aus der Klimakrise ist – und vielleicht der einzige. Eine kleine Serie stellt sechs Beispiele vor.

Ganz im Gegenteil: Da Marokko über 90 Prozent der fossilen Brennstoffe importieren muss, haben Öko-Energien ein positives Image, weil sie helfen, diese Abhängigkeit zu reduzieren. Das Königshaus ist einer der wesentlichen Treiber dieser Politik.

Kritik an der Art der "Solarisierung" Marokkos, die stark "von oben" dirigiert wird, gibt es vereinzelt durchaus. Etwa daran, dass zentrale Großkraftwerke fernab der Verbrauchszentren gebaut werden – statt dezentraler Solaranlagen, die von Kommunen oder Genossenschaften betrieben werden und mehr Jobs bieten könnten.

Doch die Vorbild-Wirkung Marokkos schmälert das, verglichen mit der Klimaschutz-Performance im Rest der Welt, nicht wirklich.

Unterstützen Sie unabhängigen Journalismus!

klimareporter° wird herausgegeben vom gemeinnützigen Klimawissen e.V. Ihre Spende macht unabhängigen Journalismus zu Energiewende und Klimawandel möglich.

Spenden Sie hier