Ökostrom deckt 38 Prozent des Verbrauchs

Einen neuen Rekordwert erreichen die Erneuerbaren 2018 beim deutschen Stromverbrauch und überholen damit die Kohle. Der Zubau von Grünstrom müsse aber "dringend" Tempo aufnehmen, fordert der Verband der Energiewirtschaft BDEW.


Windräder unter dunklen Regenwolken
Die Windenergie wird für Deutschlands Strommix immer wichtiger. Doch die stärkste Erneuerbaren-Quelle geht einer ungewissen Zukunft entgegen, falls die Bundes- und Landespolitik nicht gegensteuert. (Foto: Dorothe Darkmoon/​Pixabay)

Stolze 38 Prozent des deutschen Stromverbrauchs werden die erneuerbaren Energien in diesem Jahr voraussichtlich decken, zwei Prozent mehr als noch 2017. Das geht aus einer ersten Schätzung für das Gesamtjahr 2018 hervor, die der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW zusammen mit dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) veröffentlicht hat.

Wie BDEW und ZSW mitteilen, kletterte der Ökostrom-Anteil im ersten Quartal dieses Jahres sogar auf bis zu 43 Prozent. Insgesamt summiert sich die Jahresproduktion der Erneuerbaren auf rund 229 Milliarden Kilowattstunden.

Der größte erneuerbare Posten ist weiterhin die Windkraft an Land. Sie lieferte knapp 94 Milliarden Kilowattstunden, ein Zuwachs von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr (88 Milliarden Kilowattstunden).

Zweitgrößter Ökostrom-Lieferant ist die Biomasse mit 52 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht einem Plus von zwei Prozent (2017: 51 Milliarden).

Auf Platz drei liegt die Photovoltaik mit gut 46 Milliarden Kilowattstunden. Sie erzielt den größten Zuwachs mit fast 18 Prozent (2017: 39 Milliarden).

Deutlich zulegen konnte auch Offshore-Windkraft. Mit 19 Milliarden Kilowattstunden kommt sie auf knapp zehn Prozent mehr als noch 2017 (17,7 Milliarden).

Wegen der anhaltenden Trockenheit des Hitzesommers 2018 ist hingegen bei der Wasserkraft ein starker Rückgang zu verzeichnen. Um gut 16 Prozent sinkt die Stromerzeugung der Wasserkraftwerke, von 20 Milliarden Kilowattstunden im Vorjahr auf jetzt nur noch knapp 17 Milliarden Kilowattstunden.

Rekord beim Ökostrom

Nach den vorläufigen Zahlen des BDEW für das Gesamtjahr 2018 verbrauchen die Deutschen 599 Milliarden Kilowattstunden Strom. Die Erneuerbaren liefern 229 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht 38 Prozent des Bruttoinlandsstromverbrauchs.

 

Erzeugt werden insgesamt 649 Milliarden Kilowattstunden. Davon werden per Saldo 50 Milliarden exportiert. Der Anteil der Erneuerbaren an der Bruttostromerzeugung beträgt folglich 35 Prozent.

Den neuen Rekordwert beim Erneuerbaren-Anteil nannte BDEW-Chef Stefan Kapferer "erfreulich", äußerte sich ansonsten aber deutlich weniger euphorisch als bei der Veröffentlichung der Zahlen für das erste Halbjahr 2018.

Damals, im Juli, ließ Kapferer sich noch mit den sehr starken Worten zitieren: "Die Zahlen belegen eindrucksvoll: Der marktgetriebene, schrittweise Ausstieg aus der Kohleverstromung ist schon in vollem Gange."

Doch nun, angesichts der vorliegenden Gesamtjahreszahlen, mahnt der Verbandschef: "Das aktuelle Zubautempo wird nicht ausreichen, um das 65-Prozent-Ziel bis 2030 zu schaffen." Kapferer fordert daher "zügig" Sonderausschreibungen für Offshore-Windanlagen. Hier werde bislang Potenzial "verschenkt".

Für Windkraft-Projekte an Land – für die kürzlich erst die im Koalitionsvertrag versprochenen Sonderausschreibungen auf den Weg gebracht wurden – fordert der BDEW "Planungs- und Investitionssicherheit". Die Förderung der Akzeptanz für Windenergieprojekte gehöre "nun ganz oben auf die energiepolitische Agenda", genauso wie für den "dringend notwendigen Netzausbau", so Kapferer, der auch als Branchenvertreter in der Kohlekommission sitzt.

Windbranche vor dem Einbruch

Mit Blick auf die jüngsten Quartalszahlen schlug am heutigen Freitag der Bundesverband Windenergie Alarm. Der Ausbau der Windenergie an Land sei dieses Jahr kaum vom Fleck gekommen.

"Der Zubau dürfte noch unter den Branchenerwartungen zurückbleiben", sagte Windverbandschef Hermann Albers. "Ob wir die zur Jahresmitte geschätzten 3.300 Megawatt noch erreichen ist, inzwischen mehr als fraglich." Der Markteinbruch sei dramatischer als erwartet.

Die beschlossenen Sonderausschreibungen seien zwar enorm wichtig. Das Energiesammelgesetz komme aber zu spät, "um einen Einbruch beim Zubau in den Jahren 2019 und 2020 wirksam zu glätten".

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