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Jugendliche fordern Taten statt Worte

Kurz vor Beginn der Weltklimakonferenz in Madrid streiken wieder weltweit Jugendliche für den Klimaschutz. Allein in Deutschland beteiligen sich etwa 630.000 Menschen an mehr als 520 Orten am globalen Aktionstag. In der polnischen Hauptstadt Warschau fordern Tausende von ihrer Regierung einen Wandel in der Politik. 


Aktivisten halten ein Plakat mit der polnischen Aufschrift
Schulstreik für das Klima heute in Warschau. (Foto: Friederike Meier)

Polie Berg ist glücklich. Der erste Klimastreik, den sie mitorganisiert hat, ist ein Erfolg. "Wir haben so viel Energie in diese Demonstration gesteckt. Es ist heute eine der größten in ganz Polen", sagt die fünfzehnjährige Schülerin.

Sie steht neben einer Bühne vor dem Kulturpalast in der polnischen Hauptstadt Warschau. Auf der Bühne hat sie gerade eine Rede während der Abschlusskundgebung gehalten – jetzt läuft laute Musik und die Menge tanzt. 

In Warschau waren laut der internationalen Webseite von Fridays for Future 5.000 Menschen auf der Straße. Bei ersten Schätzungen waren die Veranstalter noch von 7.000 bis 8.000 Menschen ausgegangen. Auch um die 30 andere polnische Städte nahmen am weltweiten Klimastreik teil. In Deutschland demonstrierten laut Fridays for Future 630.000 Menschen in über 520 Städten. 

In Polen haben die Aktivisten von "Młodzieżowy Strajk Klimatyczny" (Jugendklimastreik), wie sich "Fridays for Future" hier nennt, fünf Forderungen an die Politiker formuliert: Die Politik müsse am 1,5-Grad-Bericht des Weltklimarats ausgerichtet werden, das Parlament die Klimakrise anerkennen und es soll ein Klimarat eingesetzt werden, der ausarbeitet, wie Polen bis zum Jahr 2040 klimaneutral werden kann.

Außerdem setzen sich die Schülerinnen und Schüler dafür ein, dass die Klimakrise in den Lehrplan aufgenommen wird, sowie für einen sozial gerechten Strukturwandel

Erster politischer Erfolg

Diese Forderungen haben die Schülerinnen und Schüler den Parteien vorgelegt – und immerhin: Sechs Parteien, darunter die liberal-konservative Bürgerplattform, die Grünen und die Bauernpartei, haben sie komplett unterschrieben.

Die regierende nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) unterstützt auf dem Papier immerhin vier der fünf Forderungen – alle außer der nach Ausrufung der Klimakrise und nach Klimaneutralität 2040. 

Aktivisten halten ein Plakat mit der polnischen Aufschrift
"Familien gegen die Katastrophe". (Foto: Friederike Meier)

Die heutige Demonstration stand unter dem Motto: "Genug der Worte – Taten jetzt!" Die Schülerinnen und Schüler trafen sich um zehn Uhr vormittags in der Warschauer Innenstadt und gingen dann bis zum Kulturpalast – unter anderem vorbei am Amtssitz des PiS-nahen polnischen Präsidenten Andrzej Duda.

Im Jahr 2018 kamen immer noch knapp 80 Prozent des polnischen Stroms aus der Kohle – erneuerbare Energien hatten einen Anteil von knapp 13 Prozent.

Auch im aktuellen Regierungs-Entwurf für die Energiepolitik bis 2040 ist vorgesehen, dass die Kohle in zehn Jahren noch 56 bis 60 Prozent ausmachen soll – auf der heutigen Demonstration forderten die Schülerinnen und Schüler einen Kohleausstieg bis 2030. 

Klimaprotest noch jünger und noch weiblicher

In Polen sind laut einer Befragung von Wissenschaftlern des Berliner Instituts für Protest- und Bewegungsforschung überdurchschnittlich viele Schülerinnen und Schüler an den Demonstrationen beteiligt.

Beim ersten weltweiten Klimastreik im März waren in Polen 85 Prozent der Teilnehmer zwischen 15 und 19 Jahren alt – verglichen mit 42 Prozent im Durchschnitt aller befragten Länder. Außerdem waren die Protestierenden zu 70 Prozent weiblich – auch hier war das mehr als der Länder-Schnitt von 60 Prozent. 

Die Teilnehmerin Julia hofft, dass sich in der Politik etwas ändern wird. Für die 15-Jährige ist es der erste Streik. Sie trägt ein Schild mit der Aufschrift: "Alle sind verschieden, aber alle werden ersticken."

Sie habe Angst, dass die Politik nicht genug tut, um das Klima zu schützen, sagt sie. "Es gibt keine Möglichkeit, dass Kapitalisten aufhören, Geld machen zu wollen, nur damit das Klima geschützt wird. Wir brauchen andere Politiker im Parlament", meint Julia. 

Mitorganisatorin Polie Berg ist zuversichtlich, dass sich in der polnischen Politik durch die Streiks etwas ändern wird. "Manche nennen mich deshalb naiv, aber ich glaube schon, dass die Politiker jetzt etwas unternehmen werden", sagt sie.

"Die Parteien haben unsere Forderungen unterzeichnet, jetzt erwarten wir von ihnen, dass sie etwas tun."

Der Beitrag wurde am 2. Dezember um 10:45 aktualisiert (aktuelle Teilnehmerzahl der Demonstration in Warschau). 

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