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Die Bewegung lässt sich nicht spalten

Viele Erwachsene trauen Fridays for Future nicht zu, eine solche Bewegung selbst zu organisieren. Andere, wie die Polizei in Aachen, haben versucht, Ende Gelände und Fridays for Future gegeneinander aufzubringen. Aber auch wenn die Aktionsformen verschieden sind, ist das große Ziel doch dasselbe, schreibt unsere Kolumnistin.


Langer Demonstrationszug mit Transparent
Ob beim Schulstreik oder auf dem Weg zur Grubenbesetzung: Ende Gelände und Fridays for Future haben das gleiche Ziel, schreibt Elena Balthesen.  (Foto: Hendrik Allhoff-Cramer)

"Ja, aber wer steckt denn da dahinter?" "Wer hat das denn in München angefangen?" "Organisiert ihr euch wirklich selber?" Solche Fragen höre ich nicht selten von Erwachsenen, die "Fridays for Future" nicht verstehen.

Diese Menschen, die all die Jahre verschlafen haben etwas Grundlegendes zu ändern, trauen unserer Generation nicht zu, solch eine Bewegung auf die Beine zu stellen. Sie sehen unsere Kraft nicht einmal ansatzweise und können nicht begreifen, wie unsere Struktur funktioniert.

Als ich am Abend der Europawahl und in den Tagen danach die Nachrichten verfolgt habe, ging es sehr oft um Klimaschutz und in fast jedem Interview wurde Fridays for Future erwähnt.

Man kann immer noch täglich viele hilflose Politiker beobachten, die von Youtube-Videos, Straßenblockaden oder streikenden Schülern überfordert sind. Es überwältigt mich jedes Mal, wie krass das Thema inzwischen in den Debatten steht. Ich bin stolz auf jeden einzelnen von uns, der dazu beigetragen hat.

Ich habe aber das Gefühl, dass gerade eine angespannte Stimmung herrscht. Es gibt kleinere und größere Eskalationen. Sei es die hohe Geldstrafe, die RWE vom Bündnis-Sprecher von "Ende Gelände" fordert, oder die Polizeigewalt in Wien bei einer Straßenblockade.

Es baut sich ein gemeinsamer Widerstand in der Bevölkerung auf. Ende Gelände, Extinction Rebellion und Fridays for Future gehören zusammen. Auch wenn Unterschiedliches gefordert wird, die Aktionsformen verschieden sind, ist das große Ziel doch dasselbe. Es gibt viele Aktivisten, Rebellen und Klimastreikende, die in mehreren Organisationen aktiv sind.

Elena Balthesen spricht in ein Mikro.
Foto: privat

Zur Person

Elena Balthesen ist 17 Jahre alt und geht in die 11. Klasse einer Waldorfschule in München. In ihrer Kolumne "Balthesens Aufbruch" macht sie sich auf die Suche nach Wegen für ihre Generation, aus der Klimakrise herauszukommen. Sie ist bei "Fridays for Future" in München aktiv.

Auch über Landesgrenzen und Altersgrenzen hinweg wird gehandelt. In Aachen findet kommende Woche ein Großstreik mit Beteiligten aus bis zu 17 Ländern statt, mit dem Leitsatz: "Klimaschutz kennt keine Grenzen – und wir auch nicht."

Als die Aachener Polizei Falschinformationen über Ende Gelände verbreitet und damit versucht hat, Schüler von der Teilnahme abzuhalten, haben sofort Nichtregierungsorganisationen und einzelne Ortsgruppen von Fridays for Future mit Solidaritätserklärungen reagiert: Die Einschüchterung und der Versuch einer Spaltung der Klimabewegung ist nicht geglückt.

Nicht für alle Klimakämpfer sind Aktionsformen, die mit zivilem Ungehorsam zu tun haben, der richtige Weg. Während der Schulzeit zu streiken mag aus rechtlicher Sicht ziviler Ungehorsam sein, doch wird er kaum so wahrgenommen. Wir zeigen eher unsere Prioritäten. Auch ich sehe die Streiks als angemessenes Mittel der untersten Eskalationsstufe des Protestes.

Ziviler Ungehorsam ist legitim und berechtigt

Ich halte den gewaltfreien und oft wunderbar kreativen zivilen Ungehorsam für durchaus legitim und berechtigt. Ich denke, dass wir in Zeiten sind, in denen diese Formate einfach nötig sind. Gewalt und Sachbeschädigung lehne ich aber ab.

Dass Menschen Bagger, Gleise und Straßen blockieren oder sich an Regierungsgebäude ketten, um auf die Klimakrise und das Aussterben aufmerksam zu machen, halte ich für nicht übertrieben, sondern für nötig und mutig. Wer gegen diese "Klimahysteriker" schimpft, hat die Lage einfach noch nicht verstanden.

Und wer sich immer noch fragt, ob FFF denn wirklich von Jugendlichen ohne Erwachsene im Hintergrund organisiert wird, dem kann ich sagen: Ja.

Lange Plena mit Moderation, Protokollanten und festen Regeln, knapp 15 verschiedene Arbeitsgruppen, eine aufwendige und professionelle Social-Media- und Vernetzungsarbeit auf Bundesebene sowie global und vieles andere gehören dazu.

Ich bin sehr gespannt, was sich in den nächsten Wochen und Monaten tun wird. Es ist unvermeidbar, dass die Klimabewegung und die Diskussion um das ganze Thema noch größer wird.

Die Frage ist nur: Was machen wir, die Medien und die Politik daraus? Werden sich die inzwischen über 550 Ortsgruppen in Deutschland halten und die Streikenden auch im Sommer einen langen Atem haben? Werden die Grünen ihren Wahlauftrag von der EU-Wahl ernst nehmen und konsequente Klimapolitik machen? Wird es von Merkel wie angekündigt nun "kein Pillepalle" beim Klimaschutz mehr geben?

Ich kann nur hoffen, dass alle Politiker jetzt endlich anfangen, die Klimakatastrophe mit dem dringend notwendigen Ernst zu behandeln. Dass neben der Jugend und einigen Erwachsenen der Rest der Welt aufwacht und ins Handeln kommt. Egal ob bei Fridays for Future, Extinction Rebellion, Ende Gelände, anderen Bewegungen oder im privaten Umfeld.

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