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ZMP Fachkongress 2021

Veggie für alle

Der Veggie-Burger darf weiter Veggie-Burger heißen, das EU-Parlament hat den Vorstoß der Agrarverbände für ein Namensverbot abgewehrt. Dabei ist Veganismus immer noch ein recht kleines Pflänzchen in Europa. Woher kommt die Nervosität der Branche?


Buffet
Das Auge isst mit – und auch das Ohr. (Foto: HNBS/​Pixabay)

Es ist eigentlich nur eine Kleinigkeit. Ende Oktober stimmte das Europäische Parlament gegen den Vorschlag der EU-Kommission, dass fleischlose Burger oder Schnitzel nicht mehr Burger und Schnitzel genannt werden dürfen.

Die Agrarverbände hatten das Verbot gefordert. Auch der Landwirtschaftsausschuss des EU-Parlaments unterstützte den Vorstoß, nach dem Begriffe und Bezeichnungen, die sich auf Fleisch beziehen, "ausschließlich den zum Verzehr geeigneten Teilen der Tiere vorbehalten" sein sollten. Einschließlich Blut übrigens.

Anbieter von Ersatzprodukten würden "Fleischbezeichnungen kapern", erklärte der Chef der europäischen Agrarlobby Copa-Cogeca zur Begründung, die Verbraucher würden verwirrt. Bei Milcherzeugnissen ist es bereits verboten, Ersatzprodukte als Milch oder Käse zu vermarkten.

Das geplante Verbot bei Fleischprodukten ist vom Tisch, der Veggie-Burger darf weiter Veggie-Burger heißen. Doch die Frage ist, warum die Branche eigentlich so schwere Geschütze auffahren lässt.

Die Zahl der Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, wächst zwar, ist aber nach wie vor bescheiden. Dagegen steigt der Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten weltweit immer noch an. Woher kommt die Nervosität?

Womöglich hat es damit zu tun, dass der Branche tatsächlich umwälzende Veränderungen bevorstehen.

Klimaproblem Ernährung

Wie ein Team von Forschenden aus Oxford und weiteren Universitäten gerade vorgerechnet hat, sind die Pariser Klimaziele nicht zu schaffen, wenn die Ernährungsindustrie so weitermacht wie bisher. Derzeit sorgt sie für ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen.

Selbst wenn das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas noch heute komplett gestoppt würde, würden Landwirtschaft und Lebensmittelsektor allein die globale Temperatur in 30 bis 45 Jahren über 1,5 Grad treiben, in 100 Jahren über zwei Grad.

Dabei berücksichtigt die Studie nicht nur die CO2-Emissionen der Branche, sondern auch Methan und Lachgas, die in der Landwirtschaft eine große Rolle spielen und besonders aggressive Klimagase sind.

Verena Kern ist stellvertretende Chefredakteurin von Klimareporter°.

Zusammengenommen sprengen sie definitiv das Emissionsbudget, das der Menschheit noch verbleibt, um einen nicht mehr kontrollierbaren Klimawandel noch zu vermeiden.

Ohne eine weniger fleischlastige Ernährung wird es nicht gehen, macht die Studie deutlich. Darauf einen Veggie-Burger.

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