Transparenz fürs Klima

Lebensmitteln wie einem Liter Milch – genauso wie anderen Produkten – sieht man nicht an, wie viel Klimagase bei ihrer Herstellung verursacht wurden. Sollen Unternehmen den Verbrauchern sagen, welchen CO2-Rucksack sie mitkaufen?


Nahaufnahme: Ein übervolles Glas Milch
Milch oder "Milch"? (Foto: Daniel Saffer/​Ombadesign/​Pixabay)

Überall sind sie derzeit zu sehen, die Werbeplakate eines schwedischen Herstellers von pflanzlichen Milchersatzgetränken auf Haferbasis. In großen schwarzen Lettern auf weißem Grund steht da: Its like milk but made for humans. Es ist wie Milch, aber für Menschen gemacht.

Der Spruch kommt schlicht und lifestylig daher, enthält aber eine fundamentale Kritik an der industriellen Landwirtschaft mit ihrer Massentierhaltung: Die Milch von Kühen, Schafen, Ziegen oder Pferden war ursprünglich nur für ihre Jungen gedacht, bevor der Mensch kam, sich zum lebenslangen Milchtrinker entwickelte und Kühe zu Hochleistungsmilchproduktionsmaschinen gemacht hat, mitsamt all den grausamen Zuständen in den heutigen Großställen.

"Milch" darf sich so ein Hafergetränk übrigens offiziell nicht nennen. Die Bezeichnung ist nach EU-Recht für tierische Milch reserviert. Hafermilch-Produzenten müssen sich Phantasienamen einfallen lassen. Und eben gute Werbesprüche.

Und dann ist da rechts unten auf dem Werbeplakat auch noch der CO2-Fußabdruck des Getränks angegeben. Beim "Haferdrink Calcium" sind es 290 Gramm CO2 pro Kilo, bei der "Barista Edition" 420 Gramm.

Fast ein Pfund Treibhausgas pro Getränkepackung, ist das nicht unheimlich viel? Bei einem Liter pro Woche wären das schon 15 bis 21 Kilogramm CO2, die auf das jährliche persönliche Kohlenstoff-Budget obendrauf kommen.

Offenlegung kommt an

Wenn es nach der in London ansässigen Initiative Carbon Trust geht, würde es solche Angaben künftig auf allen Produkten geben. Auf einen Blick würden die Verbraucher dann erkennen, wie viel CO2 sie mitkaufen. Bei einem Liter konventionell erzeugter Kuhmilch wäre das rund ein Kilo CO2, also ein Mehrfaches im Vergleich zum pflanzlichen Ersatzprodukt.

Verena Kern ist stellvertretende Chefredakteurin des Online-Magazins Klimareporter°.

Bei Weizenmehl kommt der CO2-Rucksack schon auf 1,7 Kilogramm, bei Schweinefleisch sind es knapp acht Kilo und bei Rindfleisch sogar bei mehr als 20 Kilo CO2, jeweils pro Kilogramm des Lebensmittels.

Wie Verbraucher zu einer solchen CO2-Kennzeichnung stehen, haben die Carbon-Trust-Leute nun mit einer internationalen Umfrage in Nordamerika und Europa erfragen lassen. Im Schnitt unterstützen demnach zwei von drei Bürgern die Idee.

Und nicht nur das, ihre Meinung über die Lebensmittelunternehmen würde auch steigen, wenn diese die Klimabilanz ihrer Produkte offenlegen und sich um mehr Klimafreundlichkeit bemühen. Das wäre dann auch "für Menschen gemacht".

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