Eine Person balanciert auf einem Rohr über einen Fluss mit braunem Wasser und Unrat, der vom Hochwasser an das Ufer in einem armen Stadtviertel gespült wurde.
Seit März haben die Menschen in Nairobi mit Überschwemmungen zu kämpfen. (Bild: Dianah Mugalizi)

An vielen Orten der Erde kam es in den letzten Wochen zu katastrophalen Unwettern. Besonders schlimm hat es Ostafrika getroffen.

Allein in Kenia haben Sturmfluten und Erdrutsche über 200 Menschenleben gefordert. Zehntausende haben ihr Zuhause verloren und weit über 200.000 Menschen sind von den Folgen betroffen: zerstörte Straßen, Brücken, Strom- und Wasserinfrastruktur, unbrauchbare Agrarflächen. Besonders ernst ist die Lage in der Hauptstadt Nairobi.

Als absoluten Albtraum beschreibt die kenianische Klimaaktivistin Dianah Mugalizi die Tage des Hochwassers im Gespräch mit Klimareporter°. Sie habe durch die Fluten nicht nur ihre Wohnung und ihr Hab und Gut, sondern auch das Gefühl von Stabilität verloren.

Momentan teilt sich die Aktivistin und Studentin eine kleine Wohnung mit zwölf weiteren Menschen, darunter auch zwei Frauen mit Kleinkindern, die durch die Fluten ebenfalls obdachlos geworden sind. "Nairobi ist dunkel und voller Wasser."

Für das Nötigste, wie Gaskocher, Decken und Essen, haben Unterstützer:innen eine Spendenkampagne eingerichtet. Nur wenige hätten bisher Hilfen von der kenianischen Regierung erhalten, sagt Mugalizi.

Die Hälfte der kenianischen Regierungsbezirke ist betroffen. Bei einem Dammbruch in der Nähe der Kleinstadt Mai Mahiu kamen vor einigen Tagen 48 Menschen ums Leben. Vergangenen Samstag trat der Telle River über die Ufer und überschwemmte große Teile von Masai Mara, einem der wichtigsten afrikanischen Naturschutzgebiete.

Es ist das tierreichste Reservat Kenias und Teil der Serengeti. Auch die Route der großen Tierwanderung, bei der Hunderttausende Gnus, Zebras, Gazellen und viele weitere Tiere durch Ostafrika ziehen, ist von der Überschwemmung betroffen.

"Die Situation in Masai Mara ist schlimm", zitiert die US-Tageszeitung New York Times den Besitzer eines dort tätigen Safariunternehmens, Daniel Ikayo. "Überall ist Wasser."

Alfred Mutua, Minister für Tourismus und Natur, hat alle Hotels und Camps in der Nähe von Flüssen aufgefordert, sich auf eine Evakuierung vorzubereiten.

Ende der Regenzeit lässt auf sich warten

Seit Beginn der Regenzeit im März haben zahlreiche weitere Länder Ostafrikas, wie Tansania, Burundi, Somalia und Ruanda, mit Starkregenfällen und Überschwemmungen zu kämpfen.

Die Weltorganisation für Meteorologie macht eine Mischung aus Klimawandel und natürlicher Wettervariabilität für die besonders starken Unwetter verantwortlich. Das Wetterphänomen El Niño und der Indischer-Ozean-Dipol hätten zu den extremen Regenfällen in Ostafrika bei gleichzeitiger Trockenheit in Südafrika geführt.

Indischer-Ozean-Dipol (IOD) wird eine Anomalie der Wasseroberflächentemperatur in dem Ozean genannt. In Äquatornähe ist dann der westliche Indik vor Ostafrika wärmer und der östliche Indik vor Sumatra kälter als normal.

"Der Klimawandel verschärft die Häufigkeit und Schwere solcher Ereignisse", sagte die Klimaexpertin Ko Barrett von der US-Wetterbehörde NOAA. Dies habe "tiefgreifende Auswirkungen auf Gesellschaften, Volkswirtschaften und vor allem auf das Leben der Menschen und die Umwelt, in der wir leben".

El Niño habe einen vergleichsweise geringen Einfluss auf die Regenintensität in Ostafrika, erklärte Joyce Kimutai, die an der Universität Kapstadt zu Extremwetterereignissen forscht. Der wichtigste Faktor seien die höheren Temperaturen, ausgelöst durch den IOD zusammen mit dem Klimawandel.

Die große Regenzeit in Ostafrika dauert normalerweise von März bis Mai. Es gibt also Grund zur Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden ist.

Da in den vergangenen Jahren Anfang und Ende der Regenzeit immer stärker variierten, ist es allerdings nur schwer möglich, ein genaues Ende vorherzusagen. Das kenianische Meteorologie-Institut warnte etwa, dass die Regenzeit dieses Jahr bis in den Juni hinreichen könnte.

Der vom Indischen Ozean kommende Zyklon "Hidaya" bereitet in Kenia derzeit Sorgen. Zwar hat der Wetterdienst des Nachbarlandes Tansania vor wenigen Tagen Entwarnung gegeben, da sich der Zyklon abgeschwächt habe. In mehreren Teilen Ostafrikas wird dennoch mit weiteren starken Unwettern gerechnet.

500.000 Brasilianer:innen ohne Strom und Wasser

Nicht nur in Afrika kam es zu Extremwetterereignissen. In der südchinesischen Provinz Guangdong starben letzte Woche mindestens 24 Menschen nach dem Abrutschen einer Autobahn durch "sintflutartige Regenfälle", wie die britische Online-Zeitung The Independent berichtete.

Auch in Südamerika traten Sturmfluten auf. Nach tagelangen starken Regenfällen ist im Süden Brasiliens ein Staudamm gebrochen. Mehr als 30 Menschen starben, 15.000 mussten fliehen.

Eine halbe Million Brasilianer:innen sind derzeit ohne Strom und sauberes Wasser. In einigen Gebieten waren die Überschwemmungen so großflächig, dass Rettungshubschrauber keinen Landeplatz finden konnten, um Menschen zu evakuieren.

Das brasilianische Meteorologieinstitut Inmet führt die erhöhte Intensität und Häufigkeit der Niederschläge auf den El Niño zurück.

Der Weltklimarat IPCC weist in seinen Berichten immer wieder darauf hin, dass Extremwettereignisse durch die fortschreitende Erwärmung an Häufigkeit und Intensität zunehmen werden.

In seinem sechsten Sachstandsbericht schreibt der IPCC: "Verletzliche Gemeinschaften, die in der Vergangenheit am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, sind unverhältnismäßig stark von den Folgen betroffen." Deshalb müsse Klimagerechtigkeit ein wichtiger Bestandteil nationaler und internationaler Klimapolitik sein.

Auch Dianah Mugalizi fordert, die Unterstützung auf die am stärksten marginalisierten Gruppen zu konzentrieren. "Es gibt ein Gefühl der Solidarität, wenn Nachbar:innen ihre Hilfe anbieten und Organisationen Unterstützung leisten. Aber es wird noch ein langer und schwieriger Weg sein, bis wir uns von dieser Katastrophe erholt haben."