Menschheit scheitert beim Artenschutz

Bis 2020 wollte die Weltgemeinschaft den Verlust der biologischen Vielfalt halbieren. Eine Auswertung zum Stand der Dinge zeigt ein Scheitern auf ganzer Linie. Damit geraten auch die Pariser Klimaziele in Gefahr.


Kunststoffmüll schwimmt in türkisblauem Meerwasser, von oben aufgenommen.
Schmutz statt Schutz: Elf Millionen Tonnen Plastik landen jedes Jahr in den Ozeanen. (Foto: M. Anaked/​Shutterstock)

Vor zehn Jahren riefen die Vereinten Nationen die Dekade der Biodiversität aus. Die Regierungen versprachen, den Artenverlust bis 2020 zu halbieren. Aktionen, Projekte und Veranstaltungen warben für die Vision Living in harmony with nature – in Harmonie mit der Natur leben.

Eine heute veröffentlichte Auswertung, die Klimareporter° vorab einsehen konnte, listet nun detailliert den Stand der Dinge auf. Sie zeigt ein Scheitern auf ganzer Linie. Die angestrebte "Harmonie" wurde weit verfehlt.

Keines der 20 Kernziele zum Schutz der Biodiversität ist vollständig erreicht worden, zeigt der fünfte globale Bericht zur Lage der biologischen Vielfalt, der "Global Biodiversity Outlook" (GBO 5).

2010 hatten die Staaten der UN-Biodiversitätskonvention, englisch kurz CBD, einen strategischen Plan zum Erhalt der Artenvielfalt mit den sogenannten Aichi-Zielen beschlossen. Bis 2020 sollte der Verlust an natürlichen Lebensräumen halbiert, wenn möglich sogar auf null gebracht werden.

Zudem sollten die Überfischung der Weltmeere gestoppt und zehn Prozent der Meere sowie 17 Prozent der Landfläche unter Schutz gestellt werden. Der Wert der biologischen Vielfalt sollte in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung berücksichtigt und ein ausreichendes finanzielles Budget zum Erreichen der Ziele bereitgestellt werden.

Darüber hinaus sollten die Ziele allen Menschen bekannt gemacht werden. Die Umweltbelastungen sollten auf ein unschädliches Niveau gebracht und die für Landwirtschaft, Aquakultur und Forstwirtschaft genutzten Flächen nachhaltig bewirtschaftet werden.

Außerdem sollten die Bedürfnisse von Frauen, indigenen und ortsansässigen Gemeinschaften sowie der ärmeren und anfälligeren Bevölkerungsgruppen wiederhergestellt und gesichert werden.

Die konkreten, messbaren und mit Indikatoren hinterlegten Ziele sollten dafür sorgen, dass die Weltgemeinschaft nicht erneut scheitert. Das vorherige Ziel, bis 2010 "den Verlust der biologischen Vielfalt signifikant zu verlangsamen", war sehr deutlich verfehlt worden.

Doch auch jetzt und trotz des besser durchdachten strategischen Plans wiederholt sich das Scheitern. Nur sechs der 20 Kernziele wurden teilweise erreicht.

Mehr Schutzgebiete, weniger Schutz

Zwar gibt es auch Fortschritte. So ist die Fläche der Schutzgebiete gestiegen: an Land von zehn auf 15 Prozent (Ziel: 17 Prozent) und im Meer von drei auf sieben Prozent (Ziel: zehn Prozent).

Mit 85 Prozent hat zudem die große Mehrheit der Staaten ihre eigenen Strategien und Aktionspläne zum Schutz der biologischen Vielfalt aktualisiert.

Laut den nationalen Berichten, die der UN-Report ausgewertet hat, sind die nationalen Ziele zu einem Drittel auf dem Weg, erreicht zu werden, drei Prozent wurden erreicht. Bei der Hälfte werden Fortschritte gemeldet, jedoch nicht in ausreichendem Maße.

Allerdings steht nur knapp ein Viertel der nationalen Ziele in Übereinstimmung mit den Aichi-Zielen.

Insgesamt verfehlt die Weltgemeinschaft ihr Ziel sehr weitgehend, den Verlust der Arten und Lebensräume bis 2020 zu stoppen.

Damit sind, wie es in dem Report heißt, auch die UN-Nachhaltigkeitsziele für 2030 in Gefahr – und auch die Pariser Klimaziele.

Rund ein Drittel der CO2-Einsparungen, die zur Einhaltung des Paris-Abkommens nötig sind, könnten oder sollten durch "Natural Climate Solutions" erbracht werden, also Maßnahmen, bei denen die Natur zum Klimaschutz beiträgt.

Dazu zählen die Erhaltung kohlenstoffreicher Flächen, Aufforstung, die Wiedervernässung von Mooren oder auch die Erhöhung des Kohlenstoffgehalts von Ackerböden. Dabei sind die Kosten vergleichsweise gering, zudem ist im Gegensatz zu vielen anderen Methoden kein großer technischer Aufwand nötig.

Nötig ist aber der Schutz von Natur und Artenvielfalt.

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