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ZMP Fachkongress 2021

Welt verfehlt trotz Fortschritten Artenschutzziel

Oft wird bezweifelt, dass globale Ziele etwa zum Schutz der Artenvielfalt den Aufwand wert sind, diese auszuhandeln. Schließlich ist Umweltpolitik Sache der Staaten und müsste ohnehin stattfinden. Zumindest beim Artenschutz scheinen die Ziele aber durchaus Wirkung gezeigt zu haben.


Abgeholzte Fläche im brasilianischen Tropenwald.
Illegale Abholzung – ein Treiber der Dreifachkrise aus Artenschwund, Erwärmung und Zoonosen. (Foto: Tarcisio Schnaider/​Shutterstock)

Die gute Nachricht vorweg: Vor gut zehn Jahren hat sich die Menschheit gemeinsame Ziele für den Schutz der Artenvielfalt auf ihrem Heimatplaneten gesetzt. Und diese Ziele haben tatsächlich zu handfesten Verbesserungen geführt. Die Rede ist von den Aichi-Zielen der UN-Konvention über die Artenvielfalt (CBD).

Vor allem den Schutz der Meere scheint die Menschheit nun ernst zu nehmen, wie der "Protected Planet Report 2020" zeigt, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Während im Jahr 2010 nur neun Millionen Quadratkilometer unter Schutz standen, ist dieser Wert nun mehr als dreimal so groß: 28 Millionen Quadratkilometer.

Auch an Land hat die Fläche der geschützten Gebiete zugenommen, um zehn Prozent. Damit wurden zwei Fünftel aller Schutzgebiete in den letzten zehn Jahren eingerichtet.

Trotzdem wurden die Aichi-Ziele verfehlt, zu Lande knapp und im Meer deutlich. An Land sollten 17 Prozent der Fläche unter Schutz stehen, was fast erreicht wurde. Außerdem sollten zehn Prozent der Meeresgebiete unter Schutz gestellt werden. Dieses Ziel wurde klar verpasst: Nur 7,7 Prozent stehen tatsächlich unter Schutz.

Allerdings stehen Meeresgebiete mit einer Fläche von knapp neun Millionen Quadratkilometern kurz davor, zum Schutzgebiet erklärt zu werden. Damit wäre dann auch dieses Ziel geschafft.

Die Verteilung der Meeresschutzgebiete ist allerdings noch sehr ungleich. Während knapp 18 Prozent der küstennahen, nationalen Gewässer unter Schutz stehen, gilt das nur für gut ein Prozent der Hochsee.

Das Problem ist hier die fehlende Rechtsgrundlage. Eigentlich hätte letztes Jahr im Rahmen der UN-Seerechtskonvention Unclos eine Grundlage für Schutzgebiete in internationalen Gewässern geschaffen werden sollen. Wegen der Coronapandemie gelang dies aber nicht.

"Schutzmaßnahmen, die beschlossen werden, wirken"

Und nun zur schlechten Nachricht. Trotz der fast erreichten flächenbezogenen Aichi-Ziele steht es natürlich deutlich schlechter um die Artenvielfalt als noch vor zehn Jahren.

Noch immer werden tropische Regenwälder gerodet. Der Anteil der überfischten Bestände ist auf ein Drittel gestiegen und in den Meeren sammelt sich immer mehr Plastik. Außerdem steigen die Treibhausgasemissionen und die Erdtemperatur nach wie vor.

Bei der Vorstellung eines ähnlichen Berichts im September letzten Jahres sagte deren Hauptautor David Cooper allerdings auch: "Hinter diesen global zusammengefassten Zahlen verstecken sich wichtige Fortschritte, und das deutet darauf hin, dass politische Maßnahmen, wenn man sie beschließt, auch funktionieren."

Welche Maßnahmen die Länder als Nächstes ergreifen, könnte sich im Oktober entscheiden. Dann sollen in der südchinesischen Stadt Kunming die nächsten Ziele beschlossen werden. Allgemein wird erwartet, dass in den nächsten zehn Jahren die Fläche der Schutzgebiete an Land und im Meer auf 30 Prozent ansteigen soll.

Dass bei der wegen Corona bereits zweimal verschobenen Konferenz tatsächlich nennenswerte Fortschritte für den Schutz der Artenvielfalt erzielt werden, könnte ausgerechnet an der Pandemie liegen.

In einem Interview mit dem Umweltmagazin Mongabay sagte CBD-Chefin Elizabeth Mrema: "Die Coronakrise hat uns einen Reset-Knopf für unsere Beziehung zur Natur gegeben und uns gezeigt, dass die biologische Vielfalt von grundlegender Bedeutung für die menschliche Gesundheit ist. Mehr Menschen verstehen nun die Verbindung zwischen der Zerstörung der Natur und Zoonosen wie Corona."

Zudem ist Natur- und Artenschutz inzwischen auch in der Wirtschaft angekommen. Zurzeit wird etwa eine Methodologie entwickelt, mit der Firmen in ihren Geschäftsberichten darstellen können, welche Auswirkungen ihre Tätigkeit auf die Natur hat. Das soll Transparenz schaffen und es Anlegern ermöglichen, ihr Geld umweltbewusster zu investieren, damit Politik und Wirtschaft am gleichen Strang ziehen.

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