Die Gruppe der dreckigen Zwanzig

Sie sind die größten CO2-Emittenten und könnten deshalb am meisten für das Klima tun: die Wirtschaftsmächte der G20-Gruppe. Doch die 19 Industrie- und Schwellenländer und die EU interessiert das offenbar nicht. Sie kommen beim Klimaschutz, vor allem wegen des zunehmenden Verkehrs, kaum voran. Auch Deutschland nicht.


Balkon mit Transparent
Keine Willkommensgrüße für die mächtigsten Staatschefs der Welt zu ihrem Treffen 2017 in Hamburg. (Foto: Friederike Meier)

Die Verantwortung wächst und wächst: Die Staaten, die am meisten zum Klimawandel beitragen, zeigen abgesehen von kleineren Erfolgsgeschichten kaum Ehrgeiz zum Klimaschutz. Das legt eine am heutigen Mittwoch erschienene Studie nahe. Eine Kennziffer: In 15 der 19 G20-Staaten sind die CO2-Emissionen im vergangenen Jahr gestiegen.

Es handelt sich um den "Brown to Green Report", den der Thinktank Climate Transparency seit 2015 jährlich veröffentlicht. Dabei vergleichen Wissenschaftler und Umweltschützer die Klimaschutz-Leistungen der G20-Staaten miteinander, zum Beispiel anhand der politischen Klimaziele und der Fortschritte beim Dekarbonisieren der Wirtschaft.

Die Studie erscheint knapp zwei Wochen vor dem nächsten Treffen der G20-Staatschefs in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Die G20 ist für vier Fünftel der globalen Treibhausgas-Emissionen veranwortlich.

Einige positive Zeichen sieht der Bericht. Dass Frankreich und Großbritannien einen kompletten Ausstieg aus der Kohle und aus dem Verbrennungsmotor planen zum Beispiel. Dass Südafrika weniger Kohle einsetzen will und mehr in erneuerbare Energien investiert. Dass Mexiko einen eigenen Emissionshandel aufbauen will.

Deutschland größtenteils "schwach"

Insgesamt bescheinigt die Studie den mächtigen Ländern allerdings, noch lange nicht genug für das Pariser Klimaabkommen zu tun. Dies betrifft auch das G20-Mitglied Deutschland. In mehreren Kategorien wurde die Bundesrepublik als "schwach" bewertet, der zweitschlechtesten Note.

Das liegt unter anderem an den gestiegenen CO2-Emissionen, die hierzulande vor allem der wachsende Verkehr verursacht. Aber auch bei der Stromwirtschaft fing sich Deutschland ein "Schwach" ein, weil der Kohleausstieg immer noch auf sich warten lässt.

Es hapert in der Bundesrepublik der Studie zufolge aber nicht nur bei den Taten. Deutschland nimmt sich den Ergebnissen nach nicht einmal ausreichend hohe Klimaziele vor. "Die Bundesregierung hat zwar mit dem Klimaschutzplan 2050 eine langfristige Vision vorgelegt, aber diese ist noch nicht mit den Pariser Klimazielen vereinbar", sagte Jan Burck vom Bonner Umwelt-Thinktank Germanwatch, einer der Autoren der Studie.

Mit der Note "gut" schnitt Deutschland im Bereich erneuerbare Energien ab. Auch das dürfte sich aber bald erledigt haben. "Die jüngste Entwicklung bei Erneuerbaren gibt Anlass zu großer Sorge", sagte Niklas Höhne vom New Climate Institute, ebenfalls Studienautor. "Zum Beispiel bricht der Ausbau der Windenergie ein – ohne Aussicht auf Besserung bis 2020."

Russland, Saudi-Arabien und Türkei auf den letzten Plätzen

Klima-Schlusslicht ist Deutschland bei der G20 allerdings nicht. Auf den letzten drei Plätzen landeten Russland, Saudi-Arabien und die Türkei. Wenn sich alle Länder ähnlich schwache Klimaziele wie diese drei G20-Staaten setzten, würde die Welt sogar auf einen Temperaturanstieg um vier bis fünf Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zusteuern.

Halten alle Staaten die Versprechen ein, die sie im Anhang des Pariser Klimaabkommens gegeben haben, prognostizieren Wissenschaftler eine globale Erwärmung um drei bis vier Grad. Diese liegt aber immer noch deutlich über der Schwelle, an der der Klimawandel durch das Überschreiten von Kipppunkten unkontrollierbar wird. Damit das nicht passiert, haben die Staaten sich im Paris-Abkommen darauf geeinigt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen oder zumindest "deutlich unter zwei Grad" zu halten.

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